Lengnau
Französisch Longeau Lengenach um 1000, Longieuva 1228, Longa-aqua 1260. Lengowa 1281, Leinggowa 1300
Pfarrdorf und Gemeinde von 1237 Einwohnern in 146 Häusern im Amtsbezirk Büren, an der Strasse von Biel nach Solothurn, nahe der Grenze von Solothurn, über Schüpfen und Büren von Bern 7 Stunden, vom Amtssitz Büren 1 Stunde entfernt.
Bereits um das Jahr 1000 besass das Kloster Einsiedeln durch Vergabung eines Lampertus von ….. eine Hube in Lengnau (FRB I. 283. Jn der Ausgabe des Liber Heremi im Geschichtsfreund I. 117 wird die Jahreszahl 997 angegeben).
Jm Bisthum Lausanne gelegen, gehörte die Kirche zum Dekanat Solothurn, später St.Immer (FRB II.89, III.392)
Zum Kreuzzugszehnten musste der Pfarrer des Orts 1285 7 Solidi bezahlen (FRB III,392)
Grundherren des Bodens waren die Herren von Strassberg. Aber 1281 mussten sie der Abtei St.Johannsen die zur Kirche von Grenchen gehörenden Zehnten von Lengnau überlassen. (FRB III.297)Zwei Schupposen im Orte, Lehen des Junkers Otto von Strassberg, verkaufte 1295 der Ritter Otto von Biel um 12 Pfund dem Niklaus, genannt Burger von Altreu (FRB III.612) Wahrscheinlich des letztern Sohn Niklaus verkaufte 1312 der Abteri Gottstatt unter anderm auch Bodenzinse zu Lengnau (FRB IV.510)
Jm Kriege des Herzogs Leopold von Oesterreich gegen Solothurn 1318 verwüsteten die Freiburger, die ihm zu Hilfe zogen, den nidauisch-strassbergischen Besitz an der Aare, darunter auch Lengnau. Die Geistlichen dieser heimgesuchten Orte sprachen die Freiburger 1323 von aller Entschädigung frei (FRB V. 93,335)
Die Herren von Strassberg sind gewiss auch Collatoren von Lengnau gewesen. 1346 aber gehörte der Kirchensatz dem Grafen Walraf von Thierstein, der ihn mit neun Schupposen und einer Mühle im Bezirke des Ortes dem Johann, Cunos von Sutz Sohne, zu Lehen gab. Dieser verlieh das Genannte als Mannlehen dem Rudolf von Gampelen, Burger von Biel, in eben jenem Jahre (Solothurner Wochen Blatt 1827 , 220, 1829, 267, FRB VII.195,357) An der Stelle des Johann von Sutz erscheinen kurz darauf die Ritter von Bärenfels, denen die Grafen von Thierstein das Lehen, «neun Schupposen, eine Mühle, einen Weingarten in der Dorfmark von Lengau, darein die Kirche und der Kirchensatz desselben Dorfes von Lengnau gehört», übergeben. Ritter Konrad von Bärenfels belehnte 1361 damit den Gottfried von Gampelen. Da Gottfried bald starb und sein Sohn Heinrich noch minderjährig war, belehnten Werner und Arnold von Bärenfels 1373 den Klaus von Oltingen, Burger von Biel, damit, bis Heinrich volljährig wäre. Jn Geldnoth verkauften 1374 die beiden Bärenfels das Lehen der Abtei Bellelay um 100 Pfund Basler Denare, sogenannte Angster. Jn Folge Verzichts des Grafen Sigmund von Thierstein sollte die Abtei das Erworbene als wahres und freies Allod besitzen.
Da brach aber Streit aus zwischen Bellelay und dem Vogt des Peter von Gampelen Heinrichs Sohn, die beide das Patronat der Kirche von Lengnau ansprachen; ein dritter noch gesellte sich zu ihnen: Girandus, genannt Britelon, Leutpriester von St.Ursitz, der erklärte, er sei der wahre Rector jener Kirche. Der Bischof von Lausanne, Guido von Prangins, beauftragte 1378 den Canonicus Laurentius Faber mit der Erledigung des Streites. 1380 verkaufte Petermann von Gampelen, des Kunzen Sohn, dem Rudolf von Radelfingen, obigem Vogte, seine Rechte auf das Patronat um 31 Gulden (Solothurner Wochen Blatt 1827, 222,1829, 267-273.Trouillat IV 340,746)
Nach alledem blieb Bellelay im Besitz der Collatur von Lengnau. Aber die Abtei hatte daselbst als Geistliche Weltpriester zu bestellen und nicht Mitglieder ihres Ordens. Bei der Visitation 1453 war aber doch ein Prämonstratenser Pfarrer (Archiv des bernischen Hist.Vereins I.291. Saucy, Histoire de l’ancienne Abbaye de Bellelay 47,48). Der letzte Leutpriester, Peter Lüpold, wurde 1528 reformierter Pfarrer des Ortes
Der Kirchensatz blieb bei Bellelay bis zu dessen Aufhebung 1797. Die Pfarre gehörte in’s Capitel Büren.
Jn Bezug auf die weltliche Gerichtsbarkeit gehörte Lengnau zur Herrschaft Strassberg, mit welcher das Dorf gleiches Schicksal hatte. Nach Graf Rudolfs von Nidau Tode 1375 kam das Gebiet an Oesterreich, blieb aber nach dem Kriege von 1388 den Bernern (Solothurner Wochen Blatt 1815, 539- 567). Bei der Theilung der Herrschaft Bürern zwischen Bern und Solothurn im Jahre 1393 fielen Büren, der Kirchensatz von Grenchen, die Dörfer Lengnau und Reiben an Bern. (Solothurner Wochen Blatt 1815, 627-629. V.Wattenwyl II. 302-303).Seit dieser Zeit gehörte Lengnau zum bernischen Amte Büren (Th. Schöpf, Delineatio Topographica Bernensis, Mss I. 171)
Jm Jahre 1798 nahm das anrückende Corps des Generals von Schauenburg Ende Februar Stellung auf dem Pieterlenmoose, von Mett bis Lengnau. Jn Lengnau, das in die Linie der 2. Bernischen Division gehörte, commandierte der Oberst von Werdt 85 mann, wurde am 2.März aber durch eine List des Gegners getäuscht und vertrieben, wiewohl die Mannschaft lebhaft focht. (C.Müller, die letzten Tage des alten Berns 239,260 – Chevalier Victor von Gibelin, von Amiet, 94-95)
Bekannt ist die weisse oder Hupererde, die in einer Tiefe von 13 m unter dem Torfboden ausgegraben wird. Wegen ihrer Feuerfestigkeit wird sie zu Schmelztiegeln verwendet.
Gegen Pieterlen zu befindet sich die frühere Badanstalt, die einging, als das nahe Grenchenbad bekannt wurde. Das Lengnauer Mineralwasser wurde gegen Gliederschwäche angewendet (Gohl, die Heilquellen und Badeanstalten des Kantons Bern 311-312) Kurze Zeit wurde in der Nähe im letzten Jahrhundert auch Eisen gegraben.
Die Kirche von Lengnau war dem Heiligen Germanns geweiht.
Burgergeschlechter von Lengnau: Abrecht, Egger, Gilomen, Griebi, Renfer, Rüfli, Schaad, Schädeli, Schlup, Schott, Spahr, Steffen, Udri, Wolf. (Rämy 196)
Die in Bern 1629 verburgerten Ziegler, zünftig zu Schuhmachern, stammen aus Lengnau.
Von einem Geschlechte, das den Namen des Ortes trug, ist ein Rudolf 1181 erwähnt (FRB I. 468)
Eine Ansicht von Pfarrhaus und Kirche 1824 in Weibels Sammlung
Etymologisch
BW Adj.schwzd. lang, läng <wie nhd lang>, räumlich im Sinne von <langgestreckt> aufzufassen (s.Lang/ Läng): < bei der langen Au, am langgezogenen Gelände am Wasser>
als GW erscheint im ältesten – allerdings singulären und evtl. bloss als Schreibform zu interpretierenden – urk. Beleg das heute als App., weitgehend ausgestorbene Aa(ch) f. <Wasserlauf> zz ahd. Aha für Wasser, Fluss, Bach, Strömung> mhd. Ahe für germ. *ahwö für <Wasserlauf>, auch in lat. Aqua <Wasser> (Id. I,63 Kluge/Seebold 112, BENB I/I 4; Lexer I, 28; Starck/Wells , ahd Glossenwb, 17) Stützt man sich ab auf die Erstbelege und die zahlreichen aqua- Formen, so könnte die Ortschaft früher Lengenach <am langen bach> geheiseen haben. Später wäre das GW ausgewechselt worden mit dem mit aqua nah verwandten – heute auf die gehobene, dichterische Sprache beschränkten – ahd. Ouwa resp. Auwia stf. >Land am Wasser, von Wasser umflutetes Land, wo Wasser vorbeifliesst> in frmhd. Zeit mit Bed.-Verlagerung vorwiegend auf <wasserreiches Wiesland, (Halb) insel, Aue, aus germ. *agwijo für < die zum Wasser Gehörige> sowohl ach (e)wie Au erscheinen im Dt. und ausserhalb häufig in GwNN und FINN für gewässernahe Landstücke