Lattrigen
Lattringun 1270, Lateringuen 1289, Latringen 1303
Dörfchen von 152 Einwohnern in 28 Häusern, im Amte Nidau, das mit Sutz eine Einwohnergemeinde bildet, 10 Minuten südlich von Sutz gelegen, 6 ¾ Stunden von bern und 1 Stunde von Nidau entfernt. Früher Lagerort für Wein, der nach Bern und Getreide, das über den See geführt wurde.
Lattrigen war eine Pfahlbaustation der Steinzeit, von der eine reiche Sammlung aufgefundener Alterthümer duurch Geschenk des Herrn Dr. E.v.Fellenberg dem bernischen Museum zugekommen ist (Beile, Dolche, Nadeln, Pfeiler, Schüfferln u.a.). E.v. Fellenberg, das bernische Antiquarium, 1881 und Untersuchungen der Pfahlbaustationen des Bielersees im Anzeiger für schweiz. Alterthumskunde 1871, 284-285. V.Gross in den Actes de la Société Jurasienne d’Emulation XXX. 115-116, Blösch, Geschichte der Stadt Biel I. 321 ff)
Lattrigen oberer Berg.
Der schönste , regelmässigste, wohlaufgebauteste Steinberg des Bielersees, gegenüber dem erratischem Blocke «der Sumpfstein» oberhalb Lattrigen, unweit dem östlichen Ende der Möriger Bucht, ist elliptisch mit einer grössten Länge von 150-160’. Sehr steinig, die Pfähle dem Boden eben abgefault; das Baggern ungemein erschwert durch die Härte des Bodens. Ausser Scherben von sehr roher Arbeit fand sich noch nichts vor. Ein halb eingedeckter Baumstamm könnte ein Kanoe sein. Jedenfalls ist hier Steinalter zu erwarten.
Von den bekannten Bronzestationen Mörigen, Lattrigen unterer Berg, Sutz und Nidau, konnte ich wegen der grösseren Tiefe des Wassers und seiner im Frühsommer diese Jahres beträchtlichen Trübheit und Undurchsichtigkeit noch keine genauen Pläne aufnehmen. Ich führe nur an, was von Interesse mir seit einigen Jahren für das Antiquarium daher zugekommen ist. – Besonders
Von der Station Lattrigen unterer Berg, d.h. dem sich vor dem Dorfe und dem Landungsplatze erstreckenden sehr weitläufigen Pfahlbau, besitzen wir aus neuerer Zeit mehrere Artefakte aus dem Steinalter, so mehrere von Feuerwirkung gekrümmte und wie zusammengerollte Gefässe und zwar zwei von sehr roher Arbeit (Steinalter) und ein viel vollkommenerer kleiner Topf, der wohl aus dem Bronzealter stammen dürfte. Ferner eine Knochenahle, Steinbeile und vielerlei Scherben. (Fellenberg)
Mit Sutz gehörte Lattrigen von Alters her zur Herrschaft und Grafschaft Nidau.
Die Abtei Frienisberg besass hier durch Vergabung des Ritters Wilhelm von Hatenberg 1270 einen Zins von 5 Solidi jährlich (FRB II.738-739)
Heinrich von Jegistorf Frei trat 1289 der Abtei Gottstatt unter andern Gütern einen Acker bei dem Dorfe Lattrigen ab (FRB III.479)
Hermann von Biel, Ritter und seine Gemahlin traten 1291 all ihr Gut in Lattrigen, Sutz und Belmunt an die Johanniter von Buchsee ab (FRB II.498,Stettler Regesten des Männerhauses Buchsee Nr.64)
Peter Gruber, Burger von Bern, stiftete sich eine Jahreszeit durch Vergabung von Gütern in Lattrigen an die Barfüsser in Bern und die Johanniter in Buchsee. Es folgten 1292 und 1328 über die Begehung der Jahreszeit und den Bezug der Zinsen noch verschiedene Abmmachungen zwischen den Barfüssern, Johannitern und Teutschrittern (FRB III.529, V. 622-623)
Von einem Geschlechte , das nach dem Orte benannt war, werden Jakob , seine Frau Agnes, ihre Kinder Johannes der Priester, Richard und Clara erwähnt, als Jakob und Agnes 1306 Grundzinse bei Nidau und Mett an Gottstatt verkauften. Sonst erscheint Jakob nur noch zwei mal als Zeuge 1326 und 1327 (FRB IV. 259, V. 527, 590 ) Kaum gehört Chuntinus, 1303 als Eigenmann des Grafen von Neuenburg genannt, zu ihrer Familie (FRB IV. 259)
Etymologisch
1270 Latringen; Vulgärlateinisch lateraria, Ziegelbrennerei
Wohl primäre – ingen-Bildung, mda gekürzt auf -igen, mit zweigliedrigem ahd. PN ; möglich wäre der zwar seltene und alemannische sonst nicht belegte PN Lathar, Lather zum germanischen Stamm *lath, ahd ladon <einladen, vorladen, zum Kampf herausfordern>, mit ausl.-Verärtung des -d- vor anl. H- (Förstemann I, 1013; Kaufmann, Ergänzungsband, 227; LSG ; 862)