Kerzerz

Französisch Chiètres, ad Carcerem 961, de Carcere 1123, Kerters 1153, Chietri 1228, Chercers 1262, Kertzers 1276, Chiertres 1285

Pfarrdorf im Kanton Freiburg, an der Strasse von Aarberg nach Murten, 4 ½ Stunden von Bern entfernt und Pfarrgemeinde, findet deshalb hier Erwähnung, weil die drei bernischen Ortschaften Golaten, Gurbrü und Wyler-Oltigen kirchlich zu ihr gehören.

Am grossen «Hochgesträss» gelegen, weist die Gegend von Kerzerz viele römische Spuren auf.

Die Kirche des Ortes und ihre Zehnten und Zugehörden schenkte die Königin Bertha von Burgund 961 dem neu gegründeten Benedictinerstifte von Peterlingen. Jn den Bestätigungsbullen der Päpste Calixtus II.1123, Eugen III.1148, Lucius III.1183 für das Proirat von Peterlingen wird Kerzerz immer erwähnt. Um die Mitte des 12.Jahrhunderts hatte sich ein Udelhard von Vivirs die Vogtei des klösterlichen Hofes Kerzerz angemasst. Die Mönche klagten beim Kaiser Friedrich I.(Barbarossa) und dieser entschied, dass dem Udelhard die Vogtei zu entziehen sei. Der Abt von Cluny, dem Mutterkloster von Peterlingen, allein habe den von den Mönchen gewählten Vogt einzusetzen. (FRB I.273,383,424,431,471)

Die Pfarre gehörte zum Dekanat Wiflisburg des Bisthums Lausanne. Zum Kreuzzugszehnten musste der Pfarrer im Jahre 1285 5 Berner Schillinge entrichten (FRB II.89,III.391)

Der freie Heinrich von Ligerz und seine Frau Enzela verkauften 1262 dem Kloster Frauenkappelen ihr Gut zu Kerzerz (FRB II.548)

Durch Vergabung der Mechthild von Seedorf erhielt die Abtei Frienisberg 1285 unter vielen andern Gütern 2 Schupposen in Kerzerz (FRB III.385)

Cuno von Liebegg gab seiner Tochter, Gemahlin des Hans von Sumiswald, als Ehesteuer das Lehen in den Dörfern Kerzerz, Aggerswyl und Frescgens. Während der Ritter von Sumiswald 1276 den König Rudolf von Habsburg auf einer Kriegsfahrt begleitete, verkauften seine Frau und sein Bruder Matthias das Lehen an Gerhard von Habsburg, Burger zu Murten, um 36 Pfund 7 Solidi Berner Währung (FRB III.775)

Frühe schon kam Kerzerz unter die Herrschaft der (savoyischen) Stadt Murten.

Jm Laupenkriege waren bei der grausamen Kriegsführung alle Grenzdörfer in Gefahr, verwüstet zu werden. Besonders der Graf Peter von Aarberg, Berns ärgster Feind, machte sich dadurch einen traurigen Namen. So gross war die Angst gewesen, dass man Alles in die Kirche geflüchtet hatte; ja weil die Kirche davon überfüllt war, musste ausserhalb derselben Messe gelesen werden.

Graf Peter von Aarberg aber verbrannte im Dorfe 32 Häuser, dazu den Kirchthurm mit dem Glockenthurm und den Glocken und Alles, was man in die Kirche gerettet hatte. Auch die Thiere, gross und klein, wurden erschlagen und einen Mann verletzte er mit eigener Hand. Später kehrte er noch einmal zurück, nahm in den noch stehenden Häusern alles Getreide und Geräthe und führte es mit sich nach Aarberg. All’ den Schaden, den er angerichtet, schätzten die Murtner, Berns Freunde, auf 3000 Pfund weisser Münze (FRB VI. 521,523 – E.v.Wattenwyl II.12)

Auch im Burgunderkriege 1476 wurde, während der Belagerung Murtens, Kerzerz verbrannt (Schilling, Ausgabe von 1743 S.331)

Jm Bunde, den Biel und Freiburg 1311 schlossen, waren gemeinsame Tage bestimmt, die in Kerzerz abgehalten werden sollten (FRB IV.459-460)

Nach dem Burgunderkriege wurde Murten mit seinem Besitzungen gemeinsame Herrschaft der Berner und Freiburger und blieb es bis 1798; in Religions- und Kirchensachen stand Kerzerz unter Bern, im übrigen unter Freiburg. Einige Freiheiten, Fleischschal, Badstuben und anderes wurden ihm bereits 1479 von Murten verleihen (Engelhard, der Stadt Murten Chronik und Bürgerbuch S.223-226)

Das Dorf trat 1530 zur Reformation über, nachdem sich am 11.April dieses Jahres eine Mehrheit von 5 Stimmen dafür ausgesprochen und wurde dem Nidau-Capitel einverleibt.

Kerzerz ist der Hauptort des sogenannten Huperlandes (Huper von Huber?). Die dort gebräuchliche schöne Männertracht verschwand schon im Anfang dieses Jahrhunderts.

Geschlechter; Bula, Etter, Forster, Gutknecht, Herrli, Johner, Kaltenrieder, Krattiger, Pfister, Quanillon, Schwab, Thalmann, Tschachtli, Vogel, Wasserfallen, Wässen, Wolf. (Engelhard, statistische Darstellung des Bezirks Murten 1840 214-218)

Feuersbrünste suchten (abgesehen von den erwähnten 1339, 1476) das Dorf heim: 1558. 1764, 1799.

Etymologisch
französisch Chiètres, 926 Chartris villa, 1228 Chiertri; schon den Römern unter dem Namen ad Crareres bekannt, ein an der Strasse von Aventicum nach Augusta Rauricorum und Vindonissa gelegenes römisches Gefängnis für Soldaten.

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