Challnechwald aktuell 2014

Die ersten Meldungen zu den Grabhügeln im Challnechwald gehen auf die 1870er Jahren zurück. Vier Tumuli wurden auf Veranlassung von Baron Gustave de Bonstetten 1874 und 1877 durch-Eduard von Jenner und Edmund von Fellenberg erforscht und publiziert. Funde und Befunde ermöglichen eine Datierung der Strukturen und der Bestattungen in die ältere Eisenzeit, das heisst in die Hallstattzeit (800-450 v.Chr.), und weisen auf Mehrfach- und Nachbestattungen hin, Die spärlichen erhaltenen Funde, darunter bronzene Gefässfragmente (Kessel) und Schmuckteile (Lignitarmring),
befinden sich im Bernischen Historischen Museum. Die Aschenurnen und eine Lanzenspitze der jüngeren Eisenzeit sind verschollen.
Der Archäologische Dienst des Kantons Bern und eine private Firma im Auftrag von Hurni Kies- und Betonwerk AG führten 2012 in diesem Gebiet Prospektionen durch und gewannen durch Begehungen, Magnetik- und Radarmessungen sowie einem digitalen Geländemodell präzisere Informationen zur Ausdehnung der archäologisch relevanten Flächen. Für das digitale Geländemodell wurde das Gebiet mit einem Helikopter abgeflogen und das Relief durch die den Boden bedeckende Vegetation hindurch mit dem LlDAR-System (light detection and ranging) in einem Raster von mindestens 10
Punkten pro Quadratmeter abgetastet und gemessen. Die Interpretation der daraus resultierenden Daten und Bilder sowie Überprüfungen im Gelände ergaben, dass gesamthaft nicht nur eine grössere Anzahl bisher unerforschter eisenzeitlicher Grabhügel vorliegt, sondern auch von einer fortgesetzten Nutzung des Areals bis in die Neuzeit ausgegangen werden muss. Eine rechtwinklige Terrassierung sowie eine bemerkenswerte Grabenanlage zeichnen sich nicht nur auf dem digitalen Geländemodell, sondern auch im Gelände ab. Dazu kommen verschiedene dichte (Hohl)Weg- und Terrassensysteme. Römische, mittelalterliche und neuzeitliche Funde runden die Erkenntnisse ab. Die starke Vegetation und eine geringe Überdeckung der Grablegen erschweren die Identifikation der sich im Gelände oft nur schwach abzeichnenden Grabhügel. Die Anzahl der im Challnechwald befindlichen Grabhügel lässt sich folglich derzeit noch nicht genau bestimmen. Die LIDAR-Daten führten jedoch zu einem aussagekräftigen Geländemodell, das wichtige Erkenntnisse ermöglichte.
Zusätzlich zu den vier bereits bekannten Grabhügeln konnten elf weitere anthropogene kreisrunde Geländeerhebungen geortet werden, die als mutmassliche hallstattzeitliche Grabhügel zu bezeichnen sind.