Kappelen bei Aarberg
Chapellon 1226, Capella 1228, La-chapela 1255, Chapales 1285, Kapellon 1305, Capellis 1293, 1361, beim Volke oft Herenkappelen genannt.
Pfarrdorf im Amtsberzirk Aarberg, westlich vom alten Aarebett, rechts von der Aarberg-Nidaustrasse, zwischen Aarberg und Bühl, 4 Stunden 40 Minuten von Bern und ½ Stunde von Aarberg entfernt.
Das Dorf hat in 83 Häusern 540 Einwohner. Mit den Werdthöfen(in 44 Häusern 235 Einwohner) bildet es eine Einwohnergemeinde, die zugleich die Pfarrgemeinde ist.
Vor der Gewässercorrection war das Dorf den Aareüberschwemmungen sehr ausgesetzt.
1226 schenkten Graf Rudolf von Neuenburg und seine Brüder der Kirche von Frienisberg ihr Allod Strata in der Pfarre Kappelen. Ein Cuno, genannt de Capella, Bürger von Murten, beanspruchte das Git abe nachdem ihm die Abtei 16 Pfund gegeben, musste er Verzicht auf dasselbe leisten. Seine Söhne schenkten 1262 all ihr Gut zu Kappelen an Frienisberg. Das Kloster erhielt von der Gräfin Richenza von Neuenburg 1267 eine Eigenschuppose zu Kappelen geschenkt (FRB II.77,295,560,700)
Der freie Ulrich von Ulfingen verkaufte 1259 Güter zu Kappelen, die er von St.Johannsen eingetauscht hatte, dem Heinrich von Seedorf, Burger von Bern, um 30 Bern Pfund (FRB II.481)
Heinrich von Jegistorf verkaufte 1261 dem Ulrich von Schüpfen u.a. 7 Schupposen zu Kappelen (FRB II.527)
Fraubrunnen erhielt 1275 durch Verzicht des Grafen Eberhard von Kyburg und seiner Gemahlin, der Gräfin Anna von Kyburg, unter andern Gütern eine Matte zu Kappelen (FRB III.134) Die Gräfin Katharina von Kyburg, Gemahlin des Grafen Albrecht von Werdenberg, hatte noch 1325 Knechte auf dem Hof zu Kappelen (FRB IV.382)
Kappelen gehörte zur Herrschaft Aarberg und wurde mit dieser 1367 veräussert und kam mit ihr in diesem Jahre an Bern (Solothurner Wochen Blatt 1829 S.411 ff.) Es blieb bei dem Amte Aarberg, zu dem es noch heute gehört.
1375 verlieh Graf Rudolf von Neuenburg-Nidau an Catharina und Margartha von Spins den Zehnten von Kappelen (Aarberg-Documenten Buch S.41)
Die Pfarre gehörte zum Dekanat Avenches des Bisthums Lausanne (FRB II.89)Kirchensatz und Vogtei gehörten den Grafen von Neuenburg.
Graf Rudolf von Neuenburg und seine Brüder statteten 1247 oder 1248 die von ihnen gegründete Abtei Gottstatt mit den Kirchensätzen von Kappelen und Bürglen aus, was der Bischof von Lausanne bestätigte (FRB II.285,408,750,754) Als am Ende des Jahrhunderts zwischen den Neuenburger Grafen Streit ausbrach, hatten die Welsch-Neuenburger mit den Freiburgern ein Bündniss geschlossen. Diese fielen in das Gebiet der Gegner ein und verbrannten die Kirche von Kappelen mit andern Häusern, welche der Abtei Gottstatt gehörten. Doch im Friedensschluss verzichteten diese und der Kirchherr von Kappelen auf Schadenersatz (Berchtold, Histoire du Canton de Fribourg I.79.FRB III.566).Als die Visitatoren des Bisthums Lausanne 1453 Kappelen besuchten, fanden sie in der Kirche manches Ungehörige; es fehlte an Licht und die Cultusgegenstände waren alle schadhaft geworden (Archiv des bern. Historischen Vereins I 3129-320) Nach der, Reformation kam der Kirchensatz an Bern und die Pfarrei wurde dem Nidau- Capitel einverleibt. Das Pfrund- Einkommen belief sich 1690 an Pfennigen, Gütern, Heu-Hanf- und Flachszehnten auf 127 Pfund, 43 Mütt Dinkel und 22 Mütt Haber (v. Mülinen, Geistliche des Deutschen Kantons Bern 326 Mss). Das Pfarrhaus wurde 1705 und 1778 neu erbaut.
Um die neuerdings vorgenommene Restauration der Kirche hat sich der derzeitige Pfarrer, Herr L. Gerster, verdient gemacht.
Bis in die Mitte unsers Jahrhunderts stand auf dem Kirchhof zu Kappelen bei Aarberg ein kleines Gebäude, das als einzigen Schmuck eine romanische Fensterlucke hatte, offenbar ein Beinhaus. Von demselben hat Herr Pfarrer L.Gerster noch einige Backsteinfliessen gefunden, deren Zeichnung, ein Streif, auf Arbeit des 13. Wenn nicht 12. Jahrhunderts schliessen lässt (Anzeiger für schweiz. Alterthumskunde 1887 S 439-440)
Fliesen aus Kappelen, Kanton Bern.
Auf dem Kirchhofe zu Kappelen bei Aarberg stund noch vor 20 Jahren ein kleines aus dicken Mauern erstelltes Gebäude das ›Kapelli« geheissen. Kaum vier Meter lang und etwa halb so breit, hatte es eine einzige romanische schmale Fensterlucke und war ohne jeglichen Schmuck. Die Sage, es sei dieses ›Kapelli« die Mutterkirche des Dorfes, ist wohl darum entstanden, weil sonst in protestantischen Gegenden fast sämtliche Beinhäuser geschleift worden sind. Ein solches ist ohne Zweifel auch dieses schmucklose und einfache Gebäude gewesen, dessen Material nach dem Abbruche verkauft und zerstreut worden ist. Ein Zufall hat mich kürzlich zur Wiederentdeckung von Resten geführt. Backsteinfliesen, die angeblich in der Decke des Beinhauses verbaut gewesen sind, hat man nach dem Abbruche desselben zu Bodenbelag in der Küche eines hiesigen Hauses verwendet. Es gelang mir, im Ganzen fünf mehr oder weniger gut erhaltene Stücke auszuheben, viereckige Platten von 0,03 m. Stärke und circa M. 0,24 Seitenlänge, die alle dieselbe Darstellung einer eigenthümlichen Thierfigur in annähernd quadratischer Umrahmung weisen. Der Grund, von dem sich dieses Gebilde in gleicher Fläche mit dem umgebenden Rande abhebt, ist nur 1 bis 3 mm. gegen den letzteren vertieft und das 11 cm. Breite und 10 cm. hohe Model nicht einmal winkelrecht zugeschnitten. Auch wurde dasselbe so flüchtig applicirt, dass der Abdruck auf einer Fliese beträchtlich unter der Mitte steht und die eine Ecke immer tiefer als die gegenüber liegende eingepresst worden ist. Auf den ersten Blick erhellt, dass der Stil dieses greifenartigen Ungethümes ein anderer als derjenige verwandter Darstellungen auf ßacksteinen von S. Urban und den Strassberger Fliesen ist, und somit, wenn nicht ein ungelenker Modelstecher des XIII. Jahrhunderts seine Kunst erprobte, auf älteren Ursprung dieser Backsteine, auf das vorhergehende Jahrhundert, gerathen werden möchte. Je ein Exemplar dieser gleichartigen Stücke wurden den Sammlungen von Basel, Bern, Burgdorf und Zürich überlassen, das fünfte hat sich eiın Sammler ausgebeten. Kappelen bei Aarberg, 10. März 1887. L. Gerster, Pfarrer.
Die beiden Kirchenglocken sind 1848 von Rüetschi in Aarau gegossen (Rüscheler 48)
Ein Kirchensatz aus Kappelen befindet sich im Historischen Museum von Bern, dem er von Herrn Oberst v. Sinner geschenkt worden ist. Er war in der Sammlung Bürki.
Es gab auch ein Geschlecht, das den Namen des Ortes trug. Ein Cuno , genannt de Capella, Bürger von Murten und seine Söhne Cuno und Johann lebten um die Miitte des 13.Jahrhunderts. Ein Rudolf war 1257 Mönch in Frienisberg. Ein Umbertus lebte 1226 ein Anshelm 1251, ein Burkhard, Handwerker, Burger von Biel, 1335 (FRB II.74,343,295,459, 560 VI. 174)
Geschlechter von Kappelen; Gygi, Hemund, Jenni, Ramser, Schaller, Schott.
Aus Kappelen stammen die in Bern 1858 eingeburgerten Heimel (auf Obergerwern) und die 1634 eingeburgerten Scheurer (Auf Zimmerleuten).
Eine Ansicht von Pfarrhaus und Kirche von 1824 enthält Weibels Sammlung: die Pfarrhäuser des Kantons Bern
Etymologisch
Xapele, Capella 1228, ecclesia de Capellis 1236, de Chapellon 1247 oder 1248, de éa-chapela 1255 oder 1256, in villa Chapellon propre Arberc 1259, de Chapellun 1262 …. De Kappellen 1355 … ze Cappel 1367. Wider dieCapellen 1377, mit den dorffern …. Capel 1377,…. Dasz dorf ze Cappel 1380 …. In capellis um 1398 …. Gen Cappellen 1409 oder vorher …. Zu Cappellen 1427, zehenden ze capellen ca.1450 … ze Cappelen 1492 … Cappellenn 1551, zu Cappellen 1575, … ad sinistram Arolac partem 1577 …. Kappelen 1838 in Kappelen I
Nach der Volksüberlieferung stiftete hier bei den Werdthöfen die Königin Bertha eine längst wieder verschwundenen Kapelle. Der Name Kappelen beruht auf der syntaktischen Grundlage mhd. ze der kapellen