Kallnach
Calnachon 1231
Pfarrdorf an der Aarberg-Murtenstrasse, auf dem linken aarufer, 5 Stunden von Bern entfernt, im Amtsbezirk Aarberg. Es hat in 101 Häusern 558 Einwohner. Mit Oberfeld und Gimmerz bildet es die Einwohnergemeinde Kallnach, die in 158 Hüsern 906 Einwohner hat. Die Kirchgemeinde besteht aus den Dörfern Kallnach und Niederried und zählt 1141 Einwohner. Jn der Umgegend befinden sich schöne Eichenwälder. Es wird hier Tabakbau betrieben.
Kallnach lag an der grossen Römerstrasse, die von Aventicum nach Solodurum führte und man hat auch hier viele römische Spuren gefunden, (Jahn, Kanton Bern, antiq- topographisch.10) Reste einer Faun- oder Satirstatue bewahrt das bernische Museum auf.
Jm Oberholz bei Kallnach, auf dem Räpplihubel, wo eine Kapelle gestanden haben soll, sind 1874 und 1877 Grabhügel untersucht worden (E.v. Fellenberg, im Anzeiger für schweizerische Alterthumskunde 1879, 910-914)
2014 - Vier Tumuli wurden auf Veranlassung von Baron Gustave de Bonstetten 1874 und 1877 durch-Eduard von Jenner und Edmund von Fellenberg erforscht und publiziert. Funde und Befunde ermöglichen eine Datierung der Strukturen und der Bestattungen in die ältere Eisenzeit, das heisst in die Hallstattzeit (800-450 v.Chr.), und weisen auf Mehrfach- und Nachbestattungen hin, Die spärlichen erhaltenen Funde, darunter bronzene Gefässfragmente (Kessel) und Schmuckteile (Lignitarmring), befinden sich im Bernischen Historischen Museum. Die Aschenurnen und eine Lanzenspitze der jüngeren Eisenzeit sind verschollen. Daten und Bilder sowie Überprüfungen im Gelände ergaben, dass gesamthaft nicht nur eine grössere Anzahl bisher unerforschter eisenzeitlicher Grabhügel vorliegt, sondern auch von einer fortgesetzten Nutzung des Areals bis in die Neuzeit ausgegangen werden muss. Eine rechtwinklige Terrassierung sowie eine bemerkenswerte Grabenanlage zeichnen sich nicht nur auf dem digitalen Geländemodell, sondern auch im Gelände ab. Dazu kommen verschiedene dichte (Hohl)Weg- und Terrassensysteme. Römische, mittelalterliche und neuzeitliche Funde runden die Erkenntnisse ab. Die starke Vegetation und eine geringe Überdeckung der Grablegen erschweren die Identifikation der sich im Gelände oft nur schwach abzeichnenden Grabhügel. Die Anzahl der im Challnechwald befindlichen Grabhügel lässt sich folglich derzeit noch nicht genau bestimmen. Zusätzlich zu den vier bereits bekannten Grabhügeln konnten elf weitere anthropogene kreisrunde Geländeerhebungen geortet werden, die als mutmassliche hallstattzeitliche Grabhügel zu bezeichnen sind. (Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege 2014)
Gottfried von Oltingen und seine Söhne traten 1231 dem Lausanner Domcapitel 5 Schupposen zu Kallnach nebst dem Vogteirechte ab (FRB II.117)
Rudolf von Schüpfen und seine Gemahlin Amphalissa von Burgistein stifteten 1398 eine Frühmesse in der Kirche von Aarberg und vergabten dazu u.a. eine Hofstatt zu Kallnach, die 4 Jmmi Roggen und 3 Hühner galt, sowie eine Schuppose zu Kallnach, die neben dem Bodenzins von 1 Bern-Mütt Haber, 1 Zins Wein, 1 Fasnachtshuhn, 2 Sommerhühnern und 20 Eiern die Pflicht der Fuhrung hat. Jn seinem Testamente vermachte er „dem Stammen von Buchsee“ sein Theil von Twing und Bann zu Kallnach und Ried. Am Ende des Jahrhunderts gehörte die Herrschaft dem Ratsherrn Thüring von Balmoos, vielleicht durch Heirath mit Johanna von Ringoltingen; von ihm ging sie an seine Schwiegersöhne Franz von Siviriez und Werner von Meggen, Schultheissen von Luzern über. Der erste verkaufte seine Hälfte 1521 an Bern um 900 Gulden, der zweite die seinige 1522 um 963 Gulden. Das Gerticht Kallnach wurde zur Vogtei Aarberg gelegt (Documentenbuch des Amts Aarberg S 48,52,95,96) – Heimathkunde, Artikel Balmoos II.10)
Folgende Klöster waren in Kallnach begütert: Frienisberg, durch Vergabung des Ruf Rieder von Bern 1423 (Doc-Buch S.64)
Tedlingen, indem Ulrich und Petermann von Erlaach ihm 1452 um 100 Rheinische Gulden 1 Schuppose zu Kallnach mit dem jährlichen Zinse von 1 Bern-Mütt Waizen, 1 Bern-Mütt Haber, 30 Pfund Stebler, 1 Fasnachtshuhn, 2 Sommerhühnern, 20 Eiern und 1 Mäder Tagwen verkauften (Doc-Buch 73).
Frauenkappelen, durch Vergabung des Hänsli Brämen und seiner Frau, alter Dienstleute des Klosters, im Jahre 1480. Sie vermachten ihm all ihr Vermögen, 2 Schupposen zu Kallnach, 6 Rinder, 2 Kälber, 1 Ross, da,sie Alles iim Dienst des Klosters erworben und es daher nicht billig wäre, wenn es diesem entfremdet würde (Stettler, Regesten des Frauenklosters zu Frauenkappelen S:43 R.105)
Kirchliches
Bis zur Reformation besass Kallnach keine Kirche; im Visitationsbericht von 1453 wird auch nicht eine Kapelle erwähnt. Das Dorf gehörte zu Kerzerz, lag also m Dekanat Avenches des Bisthums Lausanne. 1530wurde es zur Pfarre erhoben und gehörte zum Nidau-Capitel. 11547 erhielt sie von Bern Haus und Hofstatt in Kallnach, die Hans Krattiger von KAllnach um 100 Pfund verkauft hatte (Doc. Buch S.102) 1787 bestimmte die Regierung, dass der Rovalzehnte, der in der Pfarre liegenden heu- undemd-zeehntpflichtigen Matten, wenn solche 20 Jahre lang brach gelegen oder als Ackerland aufgebrochen worden seien, der Pfarrei, der Getreidezehnten aber dem Baumate gehören sollter. (Doc. Buch S.146) Es befand sich deshalb im Dorfe eine obrigkeitliche Zehntscheune.
Das Pfrundeinkommen belief sdich nach der Schätzung von 1690 an Pfennigern, Gütern, Heu-,Werch-,Flachs- und Rübenzehnten auf 122 Pfund, 34 Mütt Dinkel und 200 Mass Wein (v.Mülinen, Geistliche des Deutschen Kantons Bern Mss.500-502)
Geschlechter von Kallnach sind: Bötschi, Brauen, Brunner, Büchi, Hurni, Köhli, Marti, Mori (seit 1870 auch in Bern, auf Schuhmachern zünftig) Pflugshaupt, Scheurer, Schwab, Stebler, Tüscher. Vielen bekannt als Lehrer und Kinderfreund ist Herr Samuel Mori, langjähriger Lehrer an der Lerberschule in Bern, jetzt Farmer in Nord-Amerika
Eine Abbildung von Kirche und Pfarrhaus von 1824 enthält Weibels Sammlung: die Pfarrhäuser des Kantons Bern
Etymologisch u.a.Gatschet 1867
1225 Callaho, 1241 Calnach; entweder Personen oder Patronymicum , Kallo (Chatilo) und ach, oder aus Vulgärlatein des Mittelalters colonia,colongia mit keltische Ortsnamen-Endung – acum entstand coloniacum, calniacum, germanisiert Kalnach, das heisst Anzahl von Kolonnen-Ansiedlungen.
Der unweit der römischen Militärstrasse des Hochsträss, Hochsträtz am Aarbergermoose ( kt.Bern) liegegnde Kirchort Kalnach, ein Fundort römischer Statuen und Mauerreste, zeigt in seinen urkundlichen Lesungen dieselbe Aussprache wie heutzzutage: Bertoldus de Callaho 1225: Calnach, Kalnache 1241, L.de Chalnach 1287 bei Zeerleder; ius quod videbantur habere G. de Oltingen et filii sui in quinque lunaribus apud calnachon 1231 Ch.L. Durch Vocalassimilation ist aus dem mlat.colonia, colungia, colongia mit Anfügung des Ortsnamen-Suffixes -acum: caloniacum, calaniacum, aus diesem durch Verdeutschung Kalnach geworden und der Ort schliesst sich somit als „Anzahl von Colonene-Ansiedlungen“ an die in der Westschweiz so häufigeen Colognes, Collongy etc. an; (Carouge) Dass der Ort schon in der Römerzeit so geheissen habe, ist wegen seines keltischen Suffixes, der römischen Mauertrümmer und der Nähe der veteranen-Colonie Aventicum nicht unwahrscheinlich, doch ist es immerhin sicherer, die Entstehung des Namens ins frühere Mittelalter zu verlegen, da unstretig die meisten schweizerischen Ortschaften, deren benennung auf Mlat. Colungia zurückgeht, nachrömisch sind. Die Bewohner von Kalnach haben als Deutung ihres Ortsnamens einen Glockenschwengel (Im Dialekt Challen, Kallen) ins Ortswappen gesetzt. Dieselbe Bedeutung wie Kalnach besitzt auch der tessinisch-leventinische Ort Calonico
Kallnach ist eine seit prähistorischer Zeit besiedelte Örtlichkeit (Funde aus der Hallstattzeit, römische Villa, in deren Ruinen sich frühgermanische Gräber faanden HBLS IV, 441ff)
Keltorom. – acum- Name, wahrscheinlich nach dem Zeugnis der franz. Lautung Chouchignie ursprünglich * Calcaniacum zu einem Personennamen Calcanius, wie in Chauchigny (Aube)
Mit dem ursprünglich gall.Adj-Suffix – akos, latinisiert – acus- wurde in römischer Zeit zu einem Personennamen ein Flurname gebildet, der ein Grundstück als zum Besitz der betreffenden Persönlichkeit gehörig bezeichnete, so etwa *fundus Rufiniacus <Gut eines Rufinius>.
Aber das Substantiv wurde dann als überflüssig empfunden und weggelassen. Deshalb heute nur Rüfenach(T). so eben auch Kallnach, Wichtrach, Erlach;vgl. etwa A.Bach, Dt. Nkde II,1 249 S. 221/2; W.Bruckner, S 18ff
Seltsam bleibt beider Deutung von Kallnach, dass der zweite patale Verschlusslaut in der zahlreichen deutschsprachigen Überlieferung seit 1225 nirgends erscheint – Kalchnach 1718 ist wie Kalnacht ca. 1528 secundäre Volksetymologie. Es muss sich also um sehr frühe Ekthlipsis handeln wie in Kelter (ahd. Kelktra, lat, calcatura) Mulde (ahd. Moultera, lat. Mulctra) vgl. dazu P.Aebisdcher ,ZONF 3 (1927/28), 34 P.Glatthard, Aare/Saane S.87, 150)