Jens

Jeuss, oder Jeis,französisch Jentes, Jensse 1335, Gens 1342, Jens 1382, Gensse 1405

Dorf in der Kirchgemeinde Bürglen, Amtsbezirk Nidau. Es liegt am südlichen Abhang des Jensberges, 5 ¾ Stunden von Bern und ¾ von Nidau entfernt.

Das Dorf hat in 78 Häusern 435 Einwohner. Mit Buggleren und Möösli bildet es die Gemeinde  Jens (83 Häuser, 459 Einwohner)

Auf dem Jensberg stand die Römerstadt Petinesca (siehe den Artikel)

Jens lag im „Jnselgau“ und gehörte den Grafen von Neuenburg. Nach der Theilung des „Jnselgaus“ verkaufte Ulrich von Sutz die Hälfte, die ihm zugefallen war, 1335 an den Grafen Rudolf III von Neuenburg (FRB VI 188) Dabei werden die ihm schuldigen Zinse aufgezählt: Jn Gens entrichtete ihm Heini Walthers 14 Yme Korn, 18 Yme Haber und 14 Schilling Pfennige, Chuni des lengen 7 Yme Korn und Heinrich von Altorf und sein Bruder Johans 7 Yme Korn, 9 Haber und 7 Schilling Pfennige.

1342 schenkte die Gräfin Elisabeth von Kyburg, Herrin zu Oltigen, dem Kloster Gottstatt zwei Eigenleute Johans von Smitton und Galminom seine Frau mit ihrem Gut zu Jens (FRB VI 633)

1349 vermachte Johanns von Oltigen Wittwe eine Schuppose zu Jens an Frienisberg zur Stiftung einer Jahrzeit (FRB VII 426)

Als 1375 die Gugler einbrachen, wurde der nördliche Theil des Seelandes von ihnen arg heimgesucht. „Sie lagen zu Gottstatt, zu Jns und da herum“, erzählt Justinger. Er hat sich aber verschrieben; bis nach Jns sind die Gugler nicht gedrungen; gemeint war Jens. Freilich hat auch das Siegeslied den Namen Jns (Justinger 146):

Ein vigent(Feinde) er (der Bär) vand ze ins
den gab er des todes zins.

Jm Guglerkrieg fiel bei der Vertheidigung von Büren Rudolf IV, der letzte Graf von Neuenburg-Nidau. Das Erbtheil, in welchem der „Jnselgau“ lag, fiel an seine Schwester Anna, Gräfin von Kyburg. Sie wurde aber gezwungen, den „Jnselgau“ – genannt sind Oberworb, Niederworb, die ganze Ortschaft Jens, Belmont, Wyler, Port – 1382 an das österreichische Freiburg zu verpfänden (Solothurner Wochenblatt 1825 S.495. Recueil diplomatique du Canton de Fribourg IV 161,178) Nachdem Freiburg die Pfandschaft an Oesterreich abgetreten hatte, blieb das Schicksal des „Jnselgaus“, als am Ausgang des Jahrhunderts der Friede geschlossen wurde, lange fraglich. 1398 kam er – und damit Jens – durch Schiedsspruch an Bern ( Solothurner Wochen Blatt 1829 S. 511-520) Er  wurde mit der Vogtei Nidau vereinigt.

Von einem adligen Geschlechte „von Jens“ sind bekannt Bucco 1229 und Heinrich (FRB II 102 III 671 IV 99) Das Wappen konnte ich nicht finden.

Den Zehnten von Jens, Lehen von Nidau, gab Heinmann von Grünenberg 1387 als Mannlehen an Rudolf von Schüpfen, Rudolf von Burgistein, Walther von Erlach, Berchtold und Hesso von Ersigen. Rudolf von chüpfen besass ihn 1405 ganz; er vermachte die eine Hälfte seinem Oheim Johann von Bichsee und dessen Nachkommen und die andere an Bertchtold und Hesso von Ersigen. (Urkunde im bernischen Staatsarchiv -Pagan 38.39)

Biedermann aus Jens haben sich in Bern 1876 auf Kaufleuten eingeburgert.

Etymologisch
Jens auch Jeiss ausgesprochen, 1229 Gens, wie Jeuss, 1340 Jentes,Juentes, benannt nach einem Gründer oder Besitzer Johannetus

Jeiss, Iens 1228, ze Jensse 1335, in dem dorf und dorfmarch von Jens 1337, den acher ze Gens 1342, twing und banne ze Gens 1349, ze Yenss 1353, ein schupposen, die gelegen ist in twing und banna des dorfes von Jens 1364 …. Wertnlini dicti hagniger de Gens 1376, zwo schupposen und ein mulistat ze Gens .. bi der selben muli ze Gens 1377, item totam villam de Gens 1382, daz manlehen dez zehenden von Genns in der parrochya von Burglon 1387, aud yens, apud hyens um 1398. ….

Die gleichartigen historischen Belege erlauben keine sichere Deutung. Gatschet S. 277/8 setzt unseren ON in Parallele zu Jeuss FR, sö von Murten, das 1340 belegt ist als Jentes, Juentes. Er betrachtet die Bildung als elliptischen Besitzernamen Johannetus. Jentes wäre in dt. Mund zu *Jents geworden, dann mit Verschlusslösung zu Jens und durtch das Staubsche Gesetz und Diphthongierung zu Jeuss. Die Verkürzung des PN.s wäre allerdings für den Seeländer Ort erstaunlich früh (1228) eingetreten. J.U.Hubschmied und nach seiner brieflichen Mitteilung dann Paul Oetlli stellen den Namen zu einem lat. Jenua,janua <Türe>, afrkprov *jenneo, asavoyisch gena (1566) und nehmen eine Bedeutung <Gittertor> an.

Das waadtländische Y>ens bei Morges (1059 Hiens) scheint nicht hieher zu gehören, sondern auf eine -ingen/-ens- Grundlage zum PN Icco, Igo zurückzugehen (Gatschet S. 78; jaccard S. 531)