Grächwyl
Grechwile 1311, Gerchwile 343
Dörfchen von 79 Einwohnern in 12 Häusern in der Einwohner- und Kirchgemeinde Meykirch, Amt Aarberg.
Es liegt ¼ Stunde nordöstlich von Meykirch an der Strasse nach Schüpfern, 2 ¼ Stunden von Bern und 2 Stunden von Aarberg entfernt.
Ob der Name wirklich von irgend einem Römer Gracchus stammt, wie angenommen worden ist, ist zweifelhaft. 1851 wurden im Grächwyl-Walde auf dem Gute des Herrn Courvoisier, zwischen dem Dorf und der Aarbergstrasse, zwei Grabhügel aufgedeckt, die Skelette, Schwerter, Dolche enthielten und namentlich eine prachtvolle 8“ hohe broncene Urne mit Relieffiguren, die jetzt im bernischen Museum aufbewahrt ist. Vielleicht hat in Grächwyl an der Stelle einer ältern helvetischen Ansiedlung eine römische bestanden. (Mittheilungen der AntiquarischenGesellschaft in Zürich VII. 5 S.109-118)
Jn den Grabhügeln ist allemannische Nachbestattung auf Gräbern der Hallstatperiode nachgewiesen worden (Mittheilung von Herrn DR. E.v.Fellenberg und Dr. Heierli)
Mit einer Schuppose zu Grächwyl, die jährlich 1 Mütt Spelt und 5 Schlling zuinste, war das Kirchenpatronat von Meykirch verbunden ( siehe den Artikel) Ritter Johannes von Sumiswald verkaufte sie 1343 an Ritter Rudolf von Schüpfen (FRB VI.730)
Wahrscheinlich waren, da also Grächwyl frühe schon zu Meykirch gehörte, die Edlen von Bolligen seine Besitzer. Ein Streit, den Herr Jvo von Bolligen mit dem Kloster Frienisberg um Grächwyl hatte, wurde 1438 zu seinen Ungunsten entschieden: die Leute auf den Höfen zu Grächwyl sollten unter dem Gericht des Klosters stehen. (Frieden, das Kloster Frienisberg 68)
Vor der Reformation besass Frienisberg noch zwei Schupposen im Dörfchen und bezog an Geld 5 Schilling, 1 Mütt Dinkel, 5 Mütt Haber, 2 Hühner, 4 Hähne, 40 Eier (Frieden 103)
Die weitern Schicksale theilte Grächwyl mit Meykirch.
Am Ende des letzten Jahrhunderts kaufte Generalcommissär Franz Salomo Wyss (mit der Lilie) einen Hof in Grächwyl und liess daselbst einen Landsitz aufführen, der in der Revolutionszeit von Ludwig von Wattenwyl von Fraubrunnen erworben wurde. Darauf gehörte er Ludwig Friedrich Rudolf von Wyttenwyl (1795 – 1856), dem Bruder des Generals in englischen Diensten, Offizier in England, darnach Appellationsgerichtsschreiber und des Grossen Rathes, einem sehr beliebten und geachteten Manne. Später wechselte das Landgut oft seinen Besitzer.
Ein B.de Grechwile erscheint als Zeuge 1311 (FRB IV.455)
Etymologisch
Grexwiu ts (Weiler) B. de Grechwile 1311, in villa et territorio de Gerchwile 1343, Grechwil 1389-1460, Grechwyl 1479-1563,Grewil, Grechwil 1528-29, Grächwil 1529 …. Der Hof Grächwyl 1621 Meikirch I
Kaum – wie iÎd,II, 701 annimmt – zu einem Appell. Grëch n. <Alphüttemit Stall> Vielmehr wird auch im 1.Glied dieses – wil – Namens ein althochdeutschen Personnennamen zu vermuten sein, der aber kaum mehr zu fassen ist; vergleiche immerhin Gracco, Graculf bei Fm I, 665