Golatten
Golaten oder Gollaten (Gulada um 990,Golatun 1277, Guolathun 1287, Golatom 1340
Dorf auf dem linken Ufer der Aare, gegenüber Oltigen, an der Strasse von Aarberg nach Gümmenen und Laupen, in der freiburgischen Kirchgemeinde Kerzers, Amtsbezirk Laupen. Die Entfernung beträgt von Bern über Gümmenen 4 1/2 , von Laupen 2, von kerzers 1 Stunde
Das Dorf hat in 22 Häusern 127 Einwohner. Die Gemeinde Golaten besteht aus dem Dorfe Wannenwyl und Wytenberg, dazu Lachen und Käppeli und hat in 58 Häusern 324 Einwohner.
Frühe schon hatte die Abtei St.Moritz (St. Maurice) in Agaunum (Wallis) hier Besitzungen.
Erzbischof Burkhard von Lyon, Bruder des burgundischen Königs, Abt von St. Moritz, vertauschte zwischen 983 und 985 an einen Egilo zwei Huben im Orte Gulada gegen eine Hube zu Malum Pratum in der Garfschaft Bargen (FRB I 282)
Golaten gehörte später zur Grafschaft und Herrschaft Oltigen. Die Abtei Peterlingen besass im 13.Jahrhundert den Zehnten zu Wiler, Golaten und Ried. 1277 verkaufte sie den dreijährigen Ertrag derselben um 20 Bernpfunde an Peter, Bastard von Oltigen. Damals gehörten die drei Orte in die Kirchhöre von Kerzers (FRB III. 196,772) Peter scheint den Zehnten noch länger inne gehabt zu haben, denn 1287 sichert seine Frau auf den Fall ihres Todes hin der Abtei den Rückfall des Zehntens zu Guolathun zu (FRB III. 430)
Bekanntlich wurde nach der Schlacht bei Laupen der Krieg gegen die Berner und ihre Verbündeten von demn Freiburgern und dem ihnen verbündeten Adel weiter geführt; der Graf Peter von Aarberg, der sich bei Laupen zu schädigen und die bewohner zu plagen; 1340 reichten die streitenden Parteien ihre Beschwerden ein, ein langes Verzeichnis von Raub und Mord und Brandstiftung. Auch in Golaten waren die Mannen des Grafen von Aarberg erschienen und hatten sechzehn Wagen geraubt, die sie mit gestohlenen Getreide beluden und nach Aarberg wegführten (FRB VI 522)
Als 1410 die Oltiger sich gegen ihren Herrn erhoben, fiel das herrenlos gewordene Land Bern 1412 zu. Die neue Vogteri lag grösstenteils auf dem rechten Uder der Aare; auf dem linken Ufer gehörten dazu nur Golaten und Gurbrü ( Blösch 48). So kam der Ort an Bern (siehe den Artikel Oltigen). Er blieb es als Bestandtheil der Landvogtei Laupen bis 1798. Jn der Revolution war sein Schicksal lange fraglich.
Der General Brune wollte eine rhodanische Republik errichten und dazu schlagen, was zwischen Murten und Nidau lag; so begaben sich auch die Wahlmänner von Wyleroltigen, Gurbrü und Golaten, weil zu Kerzers im alten Mediat amte Murten kirchgenössisch, nach Peterlingen zu den Wahlen. Darauf stütze nun Freiburg sein Begehren, die drei Ortschaften möchten ihm einverleibt werden. Nach dem ersten Projecte der helvetischen Constitution sollte aber von Bern nicht mehr als Aargau, Waadt und Oberland getrennt werden; dazu machte Bern geltend, dass die politische Zugehörigkeit( zum Amte Laupen) und nicht die kirchliche (zu Kerzers) entscheide; auch wünschten die drei Gemeinden selbst, bernisch zu bleiben. So beschlossen die gesetzgebenden Räthe am 1.Mai 1798, dass jene zum Kanton Bern gehören sollten. (amtliche Sammlung der Acten aus der Zeit der helvetischen Republik I 876,877) Noch 1853 veranlassten die Grenzverhältnisse eine Uebereinkunft zwischen Freiburg und Bern.
Die ganze Gegend ist reich an Spuren alter Niederlassungen. Bei dem Hofe Wytenberg finden sich Grabhügel.
Etymologisch nach Gatschet 1867
Calanda, Golaten. Letzterer Ort , im bernischen Theile der freiburgischen Gemeinde Kerzerz gelegen, heisst urkundlich villa Gulada um 990 Hist.patr.monum. Dipl. II 66; apud Golatum 1276 (Zeerleder) und wird vom Volke Goleten ausgesprochen. Eine Goleten ist eine von herabgestürzten Steinen und Geschiebemassen bedeckte Fläche oder Halde, vom dialektischen gol(mit kurzem o) Schutt, Trümmer. So sind die meisten mit Gold anlautenden Ortsnamen (Goldach, Golderen, Goldiwyl= Golatiwyl) durch Goleten zu deuten und auch der Name des trümmerreichen, auswitternden Dolomitberges Calanda bei Chur ist nur eine Romanisierung dieses Wortes.
Zimmerli 1895
Mit den Annexen Mannewil und Witenberg, zählt 64 Haushaltungen (324 Seelen) und ist vollständig deutsch. Der Ort hat keinen französischen Namen. Im Mittelalter gehörte er zu der im Jahr 1412 an Bern gekommenen Herrschaft Oltigen.
Urkundliche Blege: villa que dictur Gulada 983, FRB I, 282; Golatun 1277, ibid III, 196; Guolathun 1287, ibid III, 430
Golaten Über den Namen der wohl zu collata gehört, vgl. Hidber im Archiv des heistorischen Vereins des Kanton Bern VIII, 510, Stalder , Schweiz Idiotikon I, 464 und Gatschet, Ortsetymologische Forschungen S. 89