Gals
Französisch Chules Galles 1185
Dorf an der Strasse von Erlach nach Zihlbrück und Neuenburg am westlichen Abhange des Julimont, in der Kirchgemeinde Gampelen, Amtsbezirk Erlach, von Bern 8 ½ , vom Amtssitz 1 Stunde entfernt.
Das Dorf hat in 56 Häusern 323 Einwohner; die Gemeinde Gals besteht aus dem Dorf Gals, dem Jolimontgut, St.Johannsen und Bethlehem und hat in 80 Häusern 602 Einwohner.
Bei Gals sind römische Ziegel gefunden worden. Schon im 12. Jahrhundert hatte St.Johannsen hier Besitz in Folge von Vergabungen (FRB I.478) Sie erhielt noch mehr dazu, so 1217 von dem Kreuzritter Kuno on Aaragnon (FRB I.517, siehe auch I.499) und um dieselbe Zeit von Graf Ulrich von Neuenburg den Wein- und Feldzehnten des Ortes (II.22)Jn der Gestätigungsbulle Honorius III. für den Besitz von St.Johannsen 1221 ist Gals auch erwähnt ( II 31)
1225 vergabte Graf Ulrich den ganzen Zehnten von Gals, den er vom Bischof von Lausanne zu Lehen trug (II. 62). Ebenfalls zu dieser Zeit wurde von der Kirche Gampelen ein Gut zu Gals erworben, weil St.Johannsen trachtete, hier allen Grund und Boden zu besitzen (II.65) und dessgleichen von den Grafen von Neuenburg (II.102). Greogor IX. bestätigte der Abtei den Besitz des Zehntens 1232 (II.123)
Jn den langwierigen und immer wieder beginnenden Prozessen über die Benutzung des Grossen Mooses traten auch die Galser auf (Dokumentenbuch des Amts Erlach) ,so 1429, wo sie abgewiesen wurden.
Gals kam an Bern und zwar zur Vogtei Erlach, als das Kloster St. Johannsen fäcularisirt wurde (Blösch 69), aber die Zinse und Abgaben blieben und die Galser waren noch immer leibeigene Leute. (Documentenbuch des Amtes Erlach, vom Jahre 1509). Da baten sie 1551, weil wegen der Leibeigenschaft sie „Niemand fründen welle, sonders sie von menglichem desshalb gescheucht werdint, weil sie und ihre Nachkommen gar verachtet nit für kommen mögent und gar verarmt, wol alsbald die Güeter verlassen müesstind“, Bern möge sie frei machen. Das geschah denn auch laut Entscheid vom 4, Februar 1551, wie denn die Regierung von Bern überall das Loos ihrer Angerhörigen zu bessern trachtete (Schlafbuch des Schlosses Erlach S.125)
Burgergeschlechter von Gals sind: Neuhaus, Schreier, Schwab, Tschampion, Tribolet, Weissbrodt.
Von Tribolet ist ein zweig nach Neuenburg gezogen und dort zu Adel und hohen Ehren gekommen, ein anderer hat in Bern sich verdient gemacht, ein dritter ist seinem alten Heimathorte treu geblieben. Der zweite ist um die Wende des 15. Und 16. Jahrhunderts nach Bern gekommen und gehörte zu den vier sogenannten Herrengeschlechtern der Gesellschaft zu Pfistern ( die andern waren die Wattenwyl, Graffenried und Thormann) 21 gelangten in den Grossen, drei in den Kleinen Rath,14 wurden Landvögte und einer Venner. Mehrere traten in den geistlichen Stand und andere widmeten sich dem ärztlichen Berufe.
Ein Cunrad von Galles wird als Gotteshausmann der Kirche der H-Maria von Lausanne genannt 1229 (FRB II.102)
Von Gals gebürtig war auch Apollonia Schreyer, die 1601, als sie 17 Jahre zählter, solchen Widerwillen vor aller Speise spürte, dass sie sich derselben ganz enthielt. Grosse Doctoren beschäftigten sich mit dem Fall, Paul Lentulus, Leibarzt der Königin von England du Fabricius Hildanus. Sie wurde in die Jnsel und dannals Pfründerin nach Thorberg gebracht, wo sie sieben Jahre verweilte, ohne Speise und Trank zu sich zu nehmen. Als sie aber am Neujahrstag 1611 wieder zu essen begann, da habe sie, erzählt man, gar nie mehr satt werden können. Die Stadtbibliothek von Bern besitzt ein Bildnis von ihr (Leu XVI.475) – Holzhalb V. 437.)
Eine kleine Ansicht des Dörfchens enthalten der Schauenburgische Kartenbvand (Karte des 17.Jahrhunderts) im Besitz des Generalstabsbüreaus und die Amts-March des Klosters St.Johannsen von Albrecht Knecht 1751 (Staatsarchiv Bern)
Der schöne Hügel Julimont oder Jolimont hat seinen Namen weder von Julius Cäsar, noch von seiner hübschen Lage, sondern von dem französischen Namen von Gals, Chules; sein Name wird daher auch Tschulemont geschrieben. Auf ihm sind Reste römischer und Keltischer Zeit, namentlich Grabhügel gefunden worden. Auf dem hohen waldumgebenen Plateau des Julimont befindet sich ein schöner Bauernhof. Auch dieser ist in Knechts Karte deutlich abgebildet.
Am 22. März 1852 gingen in Gals durch Feuer 15 Häuser zu Grunde.
Etrymologisch
1185 1217 Galles, 1403 Choule, Chules 1577, Galtz, französisch Jules, am Fusse des nach diesem Orte benannten Julimont oder Galserberg. Zwischen 1212 und 1220 erscheint hier urkundlich Weinbau.
gaus, wo ? ts- (Dorf, Gemeinde;frz. Chules) Allodium de Galles 1185, pro allodio Galles 11208 oder 1209, decimam vini et terre de Galles zw. 1212 und 1220, apud Galles 1217, uriam de Galles, apud Galles 1221, decima de Galles 1225, Cunradi de Galles 1229/30, de Galles 1232( in villa) de Gals 1265,1269, de Galles 1274, Petrus dictus Prestro de Gals, Johannes Tori et dictus Ottli de Gals 1479-1563, zu Galsz um 1525 …. Galz 1593, Galtz 1626
Gaus- axer I Müntschemier -mös Gampelen I -berg, am galszberg, vff dem galszberg um 1525, am galschberg 1530 (NW-Teil des Jolimont) , am gausbergweg I Gals/Gampelen; gauswegli I Erlach
Vordeutsch. Möglicherweise zu vorromanisch *calu, bzw *calla, das oft an quellennahen Örtlichkeiten haftet (Vincent, Toponomie de la France, Nr.235; kaum zutreffend H.Jaccard 94)
Zimmerli 1895
Frz. Chules, in der Pfarrei Gampelen, ist ein deutsches Dorf von 98 Haushaltungen mit 602 Personen. In vier Familien stammen die Frauen aus dem benachbarten deutschen Gebiet; dazu kommen ein Dutzend vereinzelte Personen französischer Zunge, meistens Uhrenarbeiter. Die Familiensprache ist überall deutsch.
Durch die zu Anfang der siebziger Jahre von den Kantonen Bern, Neuenburg und Freiburg in dieser Gegend ausgeführten grossen Entsumpfungsarbeiten sind gegen 200 Jucharten Moosland im Gemeindegebiet von Gals fruchtbar gemacht worden, sodass gegenwärtig die Ausfuhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse aus der Gemeinde sehr beträchtlich ist. Die Galser sind für den Absatz dieser Produkte ausschliesslich auf ihre welschen Nachbarn angewiesen, sie fahren nach St.Blaise und vor allem nach Neuenburg zu Markte und aus dieser wirtschaftlichen Abhängigkeit erklärt sich die Erscheinung, dass die jungen Leute des Dorfes fast ohne Ausnahme für einige Zeit als Knechte oder Mägde ins französische Gebiet gehen und dass kaum jemand im Dorfe ist, der nicht des Französischen einigermassen mächtig wäre.
Die ältesten und verbreitetsten der lebenden Bürgergeschlechter heissen Schreyer, Wysbrot, Schwob, und Neuhaus. In einer Urkunde von 1393 erscheinen Mathys Gehartz, Clewsli Wysbrot und Petrus Zassulet von Gals (Gemeindearchiv Erlach). Nach Jahn, Chronik des Kanton Bern, s.379, stammt das angesehene, im Jahr 1488 eingebürgerte Bernergeschlecht der Tribolet aus dieser Gemeinde.
Eine Anzahl französischer Wörter sind vom hiesigen Dialekte rezipirt worden, so sagt man allgemein Lurschi (Gerste), Schurawe (Kohlrabi), Schuprüssell (Rosenkohl) Graffiung (eine Kirschenart), Tschurüdsch (eine Krautart) Schiggeree (Wegerich).
Die grosse Mehrzahl der Flurnamen ist fraglos deutsch. Romanisch sind indessen: Rotscheten, Lätscheletacker (im Grundbuch von 1806 Leschlet geschrieben), sowie der im genannten Grundbuch erscheinende, heute erloschene Name Tschampiung. Als deutsch sind wohl anzusprechen: Tschollenacker, Tschóletenacker, im Perlet, im Blattet, Rutschiacker, Chruschenbeermatte (im Grundbuch Chruschenbee), Tentschacker (alemannisch Tensch, Dänsch: Damm, auch Schleuse; vgl. Hebel,Statth,33). Zu dem romanisierten Namen auf den Gwaren (aus ahd. Wara) vgl. die Bezeichnungen auf dem Garren in Büchslen und Gardiacker in Oberried bei Murten.
Der Berg, an dem Mullen, Tschugg, Gampelen und Gals gelegen sind, führt offiziell den Namen Jolimont. Es ist dies offenbar eine moderne Französisierung des volkstümlichen Tschulimung, das ich seinerseits für eine Übertragung des auch heute noch etwa gehörten Namens Galserberg halte. Die unromanische Fügung des Wortes Tschulimont ist derjenigen von Delémont (Thalisberg) analog, nur dass im vorliegenden Falle ein Ortsname an Stelle des Personennamens erscheint. Der Berg hiess also ursprünglich Galserberg und hat wahrscheinlich während der langen neuenburgischen Herrschaft im Mittelalter den später falsch gedeuteten Namen Choulemont, Tschulimont erhalten. (leu’s Allgemein. Helvet. Lexicon, kennt nur die Bezeichnung Tschulimont).
Der Name Gals weist auf vorgermanische Gründung hin und dürfte zu den in ehemals rätoromanischem Gebiete erscheinenden Lokalnamen Galspert (Walenstadt) und Galstramm (Sevelen) gehören.
Urkundliche Belege: allodium de Galles 1185, FRB I, 478; Chules, Matile, Monuments de L’histoire de Neuchâtel I, no. 39 ; villa de Gals 1265, FRB II,630 ; Choules 1403, Jahn Chronik Bern s.379.