Finsterhennen

Französisch Grasse Poule oder Grasse Genille (Freineshun zwischen 1212 und 1220; Pinguis Gallina 1263, grassa Gallina 1345, zu der veisten hennen 1453, feissen hennen 1526, Feisster hennen um 1650

Dorf und Gemeinde in der Kirchgemeinde Siselen, Amtsbezirk Erlach, von 343 Einwohnern in 62 Häusern zwischen Siselen und Jns., an der Strasse von Aarberg nach Neuenburg, 5 ¾ Stunden von Bern

 Graf Ulrich von Neuenburg, Bruder Berchtolds, Bischofs von Lausanne, schenkte der Abtei Erlach unter anderem ein Eigengut in Freineshun zwischen 1212 und 1220 (FRB II.22) Jm St.Johannsenbuche II.134 (Staatsarchiv Bern) wird die Vergabung auch erwähnt, doch ist von einem Lehen und nicht von einem Allode die Rede. Als Datum wird da der 22.Juni 1225 genannt. Bischof Wilhelm von Lausanne bestätigte sie (St.Johannsenbuch II. 142) Rudinus von Treiten vergabte der Abtei Erlach eine Schuppose bei Pinguis Gallina zwischen dem 25.März 1263 und dem 24.März 1264. Seine Lehnsherrin Richenza. Wittwe des Grafen Rudolf von Neuenburg genehmigte den Act (FRB II.587,588)

Die Gräfin Verena von Neuenburg-Nidau trat am 4.November 1345 an die Abtei Erlach ab: einen Bodenzins von 30 Schilling Erlach Münze und 2 Capaunen von 2 Häusern und Mühlen unter dem Schlosse Erlach und 10 Schilling, welche ihr die Abtei jährlich von 3 Aeckern auf dem Erlachberg zu bezahlen hatte und empfieng dafür 24 Schilling, 2 Hühner und 40 Eier von 2 Lehengütern bei Treiten, ferner 15 Schilling auf Burkhard Hofer zu Finsterhennen und andere Zinse zu Finsterhennen (FRB VII.145)

Mit der Herrschaft Erlach kam das Dorf in den Burgunderkriegen an Bern ( Blösch 62)

Zum Mannlehen von Erlach gehörten Zinse zu Finsterhennen (Mannlehenurbar von Erlach 1676 im Staatsarchiv Bern). Auch zum Schlosse Erlach gehörten Bodenzinse von dem Orte ( N.17 im Documentenbuch des Amtsbezirks Erlach)

1405 verlieh Ulrich von Wiflisburg, Vogt zu Erlach, dem Uli Burkhard zu Finsterhennen und seinen Erben die gemeine Matte auf dem grossen Moos (Erlachbuch I.84)

Das Dorf war in weltlichen Gerichtssachen zu Jns in der Herrschaft Erlach gehörig, in geistlichen Sachen zu der Pfarre Siselen in der Grafschaft Nidau ( Hermann, Beschreibung von Jns)

Jn der Nähe des Dorfes sind 4 Häuser, die den Namen Grauenstein tragen. Auf den ältern Karten ist dieser „Stein“ eingetragen. Es ist unsicher, ob der Name Grauer oder Grafenstein lautete. Vielleicht war es ein Marchstein.

Jm Jahre 1731 verbrannte ein Theil des Dorfes.

Geschlechter von Finsterhennen sind: Balimann, Gross, Winkelmann, Probst; letzere haben sich zum Theil 1865 in Bern auf Mohren eingeburgert.

Etymologisch

Feisterhenne ( in villa Freineshvn zwischen 1212 und 1220 ) apud Pingeum.gallinam zwischen 1263-1264, Burcardus Hosser de Grassa gallina 1345, zu der veisten hennen 1453 ( E.F.v.Müllinen, Beiträge zur Heimatkunde des Kanton Bern Hetf 6: das Seeland 1893 S 203)
zu Veisserhennen, zu Feisserhennen 1485, Veoister hennen 1519, zu veisterhennen, Veisterhenne um 1525, von der Veyssenn Hänenn, Veister Hennenn 1530, Hanns Bropst zu der veisten hennen um 1532, Hansen bropsts von Feisterhennen 1533, Finsterhennen 1782-84, Finsterhennen (Feisterhennen) 1838, i de feisterhennestixe (Torf Abbau – Brüttelen)

Grundlage: mhd *ze dem (oder :der) veisten hennen; vergleiche die frühe Latinisierung pinguis, bzw. grassa gallina und den heutigen französischen Namen Grasse Poule, Benennung angeblich nach einer entsprechenden Naturalagabe (Friedli, Ins 1914, 337)
Doch kommt eine entsprechende Benennung auch weiterhin im deutschen Sprachraum vor: ein Wirtshaus in Köln heisst 1487 zo der vetter hennen u.ä. (Bach, dtnkde. 2 § 515)
Die Siedlung Fettehenne bei Steinbüchel im Bergischen Land wird im Jahr 1361 erwähnt von der Vetterhennen. Diese Deutung scheint unwahrscheinlich und seltsam.
schon im St.Johannsenbuch des 17.Jahrhunderts in Verbindung gebrachte urkundliche Lautung in Freineshun (zwischen 1212 und 1220 FRB II,22) gehört eher zu Frenschen (E.F.v.Müllinen)