Brüttelen
Französisch Brettiège (Britinie 1142, Britelgio 1148, Britillo 1182, Bertièges 1255, Briterillas 1255, Bretyege 1280)
Dorf und Bad in der Kirchgeemeinde Jns, Amtsbezirk Erlach, ¾ Stunde nordöstlich von Jns zwischen dem grossen Moos und dem Bielersee, 1 Stunde von Erlach, 2 von Aarberg und 7 von Bern entfernt. Das Dorf hat in 65 Häusern 443 Einwohner; mit den Hüsern Bad, Fluh, Feggen bildet es die Einwohnergemeinde Brüttelen ( 70 Häuser, 521 Einwohner)
Jn Brüttelen sind Reihengräber gefunden worden.
1148 nahm Papst Eugen III. das Stift Peterlingen in seinen Schutz mit all‘ seinen Besitzungen, darunter den Hof in Britelgio mit der Kirche in demselben (FRB I. 424)
Später geriethen die Abtei Frienisberg und Herr Ulrich von Neuenburg in Streit, weil von dessen Leuten zu Zeiten seines Vaters verschiedene Grundstücke auf ungehörige Weise waren an die Abtei gebracht worden. 1182 wurde der Streit beigelegt, indem die Abtei auf die Eigengüter Fingu (wahrscheinlich Enges bei Cressier) und bei Britillo verzichteten. Unter Britillo ist wohl nur Brüttelen zu verstehen. (FRB II.468-469) Jm folgenden Jahre bestätigte noch einmal ein Papst, Lucius III. die Besitzungen von Peterlingen, darunter Hof und Kapelle zu Britillo. (FRB I.472-473)
Zu Brüttelen besass Graf Rudolf von Neuenburg eine Mühle, die Heinrich (von Biel ?) der Meer gegen einen Zins von 3 Solidi zu Lehen hatte. Er genehmigte die Vergabung der Mühle an die Abtei Gottstatt durch den genannten Heinrich um 1255 (FRB II.409-410)
1255 am 5.Dezember vergabte die Gräfin Gertrud von Welsch-Neuenburg, Wittwe des Grafen Diethelm von Toggenburg, Herrn zu Uznach, des Brudermörders, mit Einwilligung ihrer Söhne Friedrich, Rudolf (Abt zu St. Johannsen) und Ulrich, ihre Güter zu Brüttelen an die Abtei St. Johannsen (FRB II 405-406, Solothurner Wochen Blatt 1829 S 310, Matile II 1170)
Zwei Schupposen besass Graf Rudolf von Neuenburg-Nidau zu Bretyege, die Ritter Peter von Mörgen von ihm zu Lehen hatte. Derselbe verkaufte sie um ein Pferd und 65 Solidi Berner Münze an die Abtei St.Johannsen am 18.August 1280. (FRB III. 289-290)
Die Kirche oder Kapelle von Brüttelen wird später fast nicht mehr erwähnt; das Dorf wurd zu Jns pfarrgenössisch.
Ein Theil des Zehntens zu Brüttelen gehörte der Pfarre zu Jns, ein anderer als ein Edellehen den Herren von Chambrier in Neuenburg, 1563 dem Herzog von Longueville als Grafen von Neuenburg (Pfrundurbare im bernischen Staatsarchiv)
1381 befanden sich hier ein Peterlinger- und ein Berner-Hof (St. Johannsen Buch II.280)
Westlich, in einem Thälchen ist das Brüttelenbad. 1737 liess Rudolf Kasthofer, Burger von Bern, Fürsprecher, zu bequemerem Gebrauch des Bades ein grosses Gebäude aus Stein aufführen, das im folgenden Jahr eröffnet wurde. Später verkaufte er es an David Wyttenbach. Ein späterer Besitzer, Herr Alt Regierungsstatthalter Müller von Nidau, richtete das Bad zu Kaltwassercuren ein, die grossen Erfolg hatten und verschönerte überhaupt seine Umgebungen. Die Anstalt wurde von 1843-1850 von Herrn Dr. Jonquière, darnach von Herrn Dr. Schneider geleitet. 1893 kaufte laut Handelscourier ein Zürcher Consartium die Besitzung, um darin eine Kaltwasserheilanstalt zu errichten.
Venner Meyer von Bern verlieh 1574 den Gebrüdern Weber von Brüttelen Wasserruns und Mühle und Acker darob, gelegen in Brüttelen, die er 1561 von Ludwig Huwen zu Jns gekauft. (Doc. Buch von Erlach)
Bekannt sind die beiden Söhne des Abraham Vincenz Weber von Brüttelen. Der ältere, der wie der Vater hiess, getauft 1748, trat als Soldat in das Berner Regiment von Ernst in Frankreich, wurde 1783 Lieutenant, 1789, Sous-Aide-Major, 1791 Aide-Major, 1793 entlassen. Jn der Heimath betheiligte er sich 1798 an den letzten Kämpfen. Als Hauptmann der ersten Musketiercompanie des zweiten Auszügerbataillons des Regiments Konolfingen (Oberstlieutenant Samuel Tillier) focht er im Grauholz. Weber , Oberst Tillier, Commandant Carl Gottlieb Daxelhofer waren von den letzten, welche die Unglücksstätte verliessen. – Jn der Helvetik wurde Weber Generalinspector der bernischen Truppen, 1806 Major im 3. Französischen Schweizerregiment, 1810 Ritter der Ehrenlegion, Oberst und Milizinstructor des Kantons Bern. (C.Müller, die letzten Tage des alten Bern s. 294-295)
Der jüngere Sohn, Johannes Weber, war geboren den 2. November 1752 (nicht 1750 wie es auf siner Grabschrift zu Frauenfeld heisst) getauft in der Kirche zu Jns den 12.Novwember 1752, trat in holländische Dienste, wurde Adjutant des Prinzen von Oranien, Generalquartiermeister, verliess nach 25 Jahren den Dienst; Adjutant des Generalquartiermeisters Rudolf von Graffenried, kämpfte er bei Neuenegg am 5.März 1798, wo er viel zum Siege beitrug. Vom Januar 1799 an commandierte er die erste Habbrigade der helvetischen Hülfstruppen und fiel im Treffen zu Frauenfeld den 25. Mai 1799 gegen die Oesterreicher durch die Kugel eines versteckten Tyroler Scharfschützen. Johannes Weber war ein Typus männlicher Schönheit und äusserst einehmende Umgangsformen vermehrten die Liebe, die seine Verdienste einferlössten.
Ueber Johannes Weber siehe: Johann Georg Heinzmann, Schweizer Chronik II 636 – 642 (1801) – die in Oel gemalten Portraits der beiden Brüder sind im Museum Schwab in Biel.
Von Brüttelen war auch Susanna Elisabeth Schreyer gebürtig, geboren 27.Mai 1760, gestorben in Peseux im Kanton Neuenburg 23.Mai 1861, im Alter von 101 Jahren ! (Bern Tschenbuch 1866 s. 463) Vielleicht war sie von derselben Familie wie Apollonia Schrye von Gals (siehe d Artikel)
Es gab auch ein Geschlecht, das den Namen des Dorfes trug. Ein Borcardus de Britinie war 1142 Zeuge Ulrichs von Neuenburg, ein Michael schwor mit andern umliegenden Adligen 1252 dem Peter von Savoyen und ein Kuno de Britillo war 1280 Zeuge. (FRB I 414 II 343 III 282)
Am 11.September 1854 zerstörte hier eine Feuersbrunst 8 Wohnungen mit allen Fruchtvorräthen. 64 Personen wurden obdachlos (Bern. Taschenbuch 1857 s. 291)
Eine kleine Ansicht des Dorfes gibt eine Karte aus dem 17 .Jahrhundert im Schauenburgischen Kartenband (im Besitz des Generalstabsbuereaus).
Etymologisch
Brütele frz. Bretiège, Patois boertiedz (hierher?) curia de Briteglio 1148 ( undatierte Kopie eines Vidimus) apud Britillo 1182 usw.
Brüttelen ist wahrscheinlich ein vorderster SN, dessen etymologische Bestandteile auf Grundlage der vorhandenen Belege nicht abschliessend geklärt werden können. Das LSG (194) vermutet hinter dem Sn eine Dim.- Form «Britellus zum häufigen lat. PN Britto oder Britt(i)us (Kajanto, Latin Cognomina, 201; Schulze, leteinische Eigennamen 423 und 446) der mit dem galloromanischen Ortsnamensuffix -iaca verbunden ist. Das vor allem in belgischen und nordfranzösischen SNN (vgl. Buchmüller-Pfaff, Belgica Prima, 20f.) vorkommende fem. Suffix -iaca ist eine Alternativform zum galloromanischen Suffix -acum, das in Verbindung mit einem Besitzer-PN zur Bildung von ONN diente. Laut LSG (a.a.O.) könnte die hypothetische Grundform *(villa) Brittéliaca, in welcher das nachtonige -a- nach der Sonorisierung des intervoklaischen -c- geschwunden wäre (> Brittelga) doe doppelte Entweicklung zu Brüttelen/ Bretiége erklären. Jedoch bleibt in der lautlichen Argumentation des LSG ungeklärt warum in der dt. Namenform das -g- geschwunden ist und in welcher Lautform der Name den alemannischen Siedlern überhaupt begegnet sein könnte. Auffällig bleibt die Vielzahl von ONN in der Romandie und Frankreich, die auf den entsprechenden Llateinischen PN -Stamm zurückgehen (vgl. dazu Brittenach t) – Bei der romanischen Namenform ist seit dem 13. Jh. Die Metathese von Bret- > Bert- zu beobachten
Zimmerli 1895
Frz. Bretiège, zu Ins pfarrgenössig, besteht aus 98 deutschen Haushaltungen mit 520 Personen.
Als älteste Bürgerfamilien werden die Gutmann ( kürzlich ausgestorben ), Weber und Hämmerli bezeichnet. Die Flurnamen sind alle deutsch. Ich erwähne: im Geyig, auf der Greutsche, im Brantebach, in der Fägge, ‘s Löli, Almenmatten und Jampenmatten. Der letztere enthält wahrscheinlich einen Personennamen
Urkundliche Belege: Curia de Briteglio 1148, FRB I, 424; allodium apud Britillo 1182, ibid I, 469: molendinum apud Bertieges 1255, FRB II, 410; bona apud Briterillas 1255, ibid II, 406; Cuno de Britello 1280, ibid III, 282; territorium de Bretyege 1280, ibid III, 290. Später erscheint der Ort als Brügdelen, Brigdelen, Brittelen, Brüggelen, Brüttelen (1577). Vgl. Jahn Chronik des Kantons Bern s 248