Brügg
Brugge 1262, Brucka 1330
Dorf und Gemeinde von 873 Einwohnern in 109 Häusern in der Kirchgemeinde Bürglen, Amtsbezirk Nidau, auf der nördlichen Seite des Aarekanals, gegenüber Bürglen und dem Jensberge, von Nidau 1 und von Bern 6 ½ Stunden entfernt.
Oestlich von Brügg befanden sich Grabhügel (G. de Bonstetten, Carte arch. Du Canton de Berne, Text p. 8)
Zwischen Brügg, Schwadernau und Zihlwyl hat man Pfeiler und Pfähle von zwei Brücken gefunden, deren eine ihrer Construction nach aus der römischen, die andere aus gallorömischer Zeit stammen dürfte. Die Baggerarbeiten für den neuen Zihlkanal, die zwar eine genannte Erforschung nicht erlaubten, förderten doch eine Menge werthvoller Gegenstände zu Tage, namentlich Bronceschwert der ältesten Zeit. Da die meisten Funde kriegerischer Art sind, hat man schon vermuthet, es habe bei den Brücken wohl zwischen Kelten und Römern eine heftige Schlacht stattgefunden (F.Heierli, 9. Pfahlbautenbericht, s. 74 ff. in den Mittheilungen der Ant. Bes. in Zürich XXII.1888) Ueber eine da gefundene römische Jnschrift siehe Anzeiger f. schweiz. Alt.-Kunde 1876 S.690.
Jm späten Mittelalter gehörte Brügg zur Grafschaft Neuenburg-Nidau.
Jm kyburgischen Zinsrodel von 1262 -1263 ist Brugge im Bezirk Oltigen erwähnt mit zwei Schupposen, die 12 Schillinge und zwei Fischteichen (deren unterer Bach genannt wird), die 18 Schillinge Zinsen (FRB II. 539) 1509 verkauften der Schultheiss Hans Rudolf von Scharnachthal und Jakob vom Stein an Rudolf Huber, Bauherrn und des Raths zu Bern, Bodenzinse im Amte Nidau, darunter auch solche zu Brügg. 1588 gehörten sie der Frau Verena von Lanten, genannt Heyd, Wittwe des Junkers Bartlome Ammann, Burgers von Bern. Jhre Brügger-Zinsbauern waren damals Adam und Georg Kocher, Niklaus und Michael Höuwer, Niklaus Wälti. Jn demselben Zinsrodel von 1588 (im Besitze des Herrn Prof. Lotmar in Bern) finden sich folgende Ortsbezeichnungen: die Burg Jnsel in der Zihl, bi der steininen Brügg uff der ussren Zälg, breytt Jnsel (Schwingmatt)
Es ist anzunehmen. Dass in Brügg das Cluniacenserproirat stand, Pons Bargiae, das vergeblich in Bargenbrügg gesucht wird.
Dieses und das Priorat zu Leuzigen bei Arch gehörten zusammen und standen wahrscheinlich unter dem Priorat zu Hettiswyl, dem sie später einverleibt worden zu sein scheinen. Kastvögte des Klosters waren die Grafen von Neuenburg-Nidau. Frühe schon standen seine Kirche und Spital; Bischof Tedewinus, Legat des Papstes Jnnocenz II. weihte den Altar, segnete den Friedhof und der Papst selbst nahm das Gotteshaus in seinen Schutz119 (FRB I. 409). Wie überhaupt wenige Nachrichten, sind auch nur die Namen von 4 Prioren überliefert: Jakobus 1270, Petrus 1299, Gerhard 1324, Johann von Chavornah 1350 und 1366.
Das Kloster besass eine Rebe bei Twann, die der Prior Jakobus von Pons bargiae und Leuzigen dem Johann Sutor von Biel 1270 verpfändete (FRB II. 741) Eine andere Rebe in Twann, genannt Bruke. Wingarten, gab der Prior Jakobus dem gleichen Schuhmacher Johann von Biel als Erblehen 1273 (FRB III.29) Dasselbe musste später an die Johanniter von Buchsee abgetreten werden 1278 (FRB II 241, VII 483). Lange Zeit blieben sie den Jahreszins schuldig; 1299 mussten sie acht jahreszinse von je 12 Schillingen nachzahlen (FRB III. 757). Agnes vom Stein und ihr Bruder Hartmann hatten 1390 Güter zu Brügg, die von Nidau zu Lehen giengen (Aarberg Doc B.S.42)
Das Kloster Gottstatt erhielt durch Abtretung seitens des Müllers Rudolf von Altreu 1333 dessen Mühlen und Stampfen zu Gottstatt und Brügg (FRB VI.39)
Der Zehnten von Brügg war ein Lehen von Nidau. Er gehörte 1390 dem Jost Rych, Ritter, Schultheiss von Solothurn und dessen Schwiegersohn Burkhard von Erlach. Später hat ihn, vermuthlich durch Erbschaft, Cordula von Büttikon besessen. Sie brachte ihn ihrem Melchior von Luternau zu. Dieser wurde 1482 von Bern damit als mit einem freien Mannlehen belehnt. 1498 besass ihn eine Jonatha von Erlach, Gemahlin des Hubert Göuffi des Raths zu Biel. Jonatha verkaufte den Zehnten an die Johanniter zu Biel mit Vorbehalt der Wiederlösung (Pagan 36. 37)
Burgergeschlechter: Hauer, Maurer, Rawyler, Salchli, Schneider, von welch‘ letzterem sich ein Theil in Bern eingeburgert hat (1866 zu Zimmerleuten, 1887 zu Obergerbern)
Etymologisch
Brük (Dorf,Gemeinde), apud Bruchga 1260, Brugge 1261-1263, in villa de Brucca 1269 usw.
Zu schwzd. Brugg, Brugge(n) Brügg, Brügge(n) entrundet Brigg für dim. Brügg( e)li usw. <Brücke als Übergang über einen Fluss, Bach, Graben usw.
Das Gemeindegebiet von Brügg weist bereits urgeschichtliche Funde aus der Bronzezeit und der Hallstattzeit auf und erlangte in spätrömischer Zeit historische Bedeutung als Stelle des Zihlübergangs der römischen Route von Petinesca über Bürglen-Brügg-Längholz-Mett in den Jura. In der Gegend um die Flur Isel und unterhalb der Kirche Bürglen wurden dendrochronologisch auf 368 bzw. 369 n.Chr. datierte Fundamentpfahlungen gefunden, die wahrscheinlich zu Festungsbauten gehören, die die Strasse und den damaligen Zihlarm (heute Nidau-Büren-Kanal) an einem wichtigen Brücken- oder Fährübergang ins heutige Gebiet von Brügg flankierten. Inwiefern eine spätrömische Brücke oder mittelalterliche Nachfolgebauten das Namenmotiv für den SN darstellen, lässt sich aus den Quellen nicht sicher erheben. Jedoch scheinen Abrechnungen über Brückenbaubeiträge im 16.Jh und glaubwürdige Berichte aus dem 18.Jh. und frühen 19.Jh. über die Reste zweier Brücken die frühere Existenz von Brückenbauten über die Zihl neben der sehr gut bezeugten Fährtätigkeit zu belegen (Moser,Nidau 100 f und 123)