Biel

Bielna 1141,Biilno 1179,Bielne 1184, Bilne 1225, Beenna 1233, Biello 1234, Bielle 1239, Byelln 1251

Stadt und Amtssitz am Bierlrsee, 6 ¾ Stunden von Bern entfernt

Die Gemeinde Biel (Roth-Gelb,-Blau- Grün-, Weiss-,Braun-Quartier) hat in 1007 Häusern 15225 Einwohner. Die Gemeinden Biel (Bienne), Bözingen. Boujean), Leubringen (Evilard) und Vingelz (Vigneules) bilden die Kirchgemeinde und den Amtsbezirk Biel. Derselbe hat 18493 Einwohner. Er grenzt an die Amtsbezirke Nidau, Büren und Courtelary.

Jn der Nähe von Biel, im Längholzwald, beim Bruggmöösli, im Luterholz und auf dem Büttenberg sind sogenannte Schalensteine gefunden worden, von welchen sich jetzt einige in den Museen von Bern und Biel befinden.

Wenn einer Randbemerkung im Bieler Rathsprotokoll von 1660, die ein Auszug eines alten Verzeichnisses ist, Glauben geschenkt werden darf, hat Kaiser Karl der Grosse 814 dem Kloster Münster in Granfelden Rechte und Besitz, darunter den Zoll in Biello bestätigt. Es wäre dies die erste Nachricht von Biel (Blösch I.25). 1141 vernehmen wir, dass das Kloster Bellelay Reben bei Biel besessen hat (Trouillat I.281) und 1179 bezog Münster in Granfelden einen Zins von 15 solidi aus Biilno (Trouillat I.372) 1225 besass Bellelay ein Haus in Bilne (Trouillat I.499) 1233 nennt Bischof Heinrich von Basel Biel seine Stadt( Solothurner WochenBlatt 1828, 325 – 326, Trouillat I.535) Der Uebergang an Basel würde sich mit jener ersten Nachricht begreifen lassen, indem Rudolf III. von Burgund 999 dem Bisthum Basel die Abtei Münster in Granfelden mit ihrem ganzen Besitz bis zum Bielersee übergab, was später von Kaiser und Papst bestätigt wurde.

 So stand in der beglaubigten Zeit Biel unter dem bischöflichen Hochstifte Basel.

Die mächtigsten Besitzer ringsum waren die Grafen von Neuenburg aus dem Hause Fenis. Die Reichsvogtei über diesen Theil des burgundischen Reiches, einen Theil des Comitatus Pipinensis, soll schon Barbarossa den Neuenburgern übertragen haben. Gewiss besassen sie sie im 13. Jahrhundert.

1234 verpfändete Berthold von Neuenburg die Vogtei, die er vom Bischof von Basel im Städtchen Biel und vom Ofen von Ligerz bis Bözingen zu Lehen trug, dem Bischof Heinrich von Basel um 52 Mark Silber (FRB II.144, Trouillat I.541)

Als der Bischof von Basel, Heinrich von Neuenburg, mit Rudolf von Habsburg in Streit gerieth, wurde auch Biel, als des erstern Stadt, vom spätern deutschen König belagert 1272. König Rudolf bestätigte die Kastvogtei Basels über Biel und gab den Bürgern von Biel die Rechte und Freiheiten der Basler (Troullat II.263)

Die Verwaltung von Biel besorgte im Namen des Bischofs ein Meyer. Die Würde verebte sich in einem Geschlechte, das sich Ritter von Biel benannte. Der Meyer führte den Vorsitz des Rathes von Biel.

1300 finden wir zum ersten Male die Grenzen des Stadtgebietes angegeben „von Bözingen har in und die uffir Suzse (Scheuss) zuhet unze (bis) zu veorderost sewes und alz sich uf zuhet du flihte( Schlucht) engegen Lömeringen und da wider abe engegen Böxingen“ (FRB IV.33)

Zum Pannert- d.h. dem militärpflichtigen Gebiete von Biel gehörte ausser der alten Vogtei am ganzen nördlichen Beilersee noch das 1264 vom Bischof von basel erworbene Erguel. Das Pannergebiet umfasste 1336 „ die von Pieterlen, von Meinisberg und St.Jmmerthal, alle vom gehauenen Felsen (Pierre Pertuis) hinweg bis hinauf an die Ufer der Zihl“ und 1388 das ganze Land diesseits des Gehauenen Felsens. 1368  war Neuenstadt mit dem Tessenberg davon getrennt worden (siehe den Artikel Neuenstadt).Biel musste nach langem Widersstande 1395 seine Ansprüche auf Neuenstadt preisgeben (C.A.Blösch I. 96, 145,153,162, Quiquerez, Histoire des Institutions del’Evêché de Bâle 214)

1279 schloss Biel mit Bern ein Bündnis, das 1297 und 1306 erneuert wurde. Oft war das Städtchen in die Fehden des Bischofs mit den benachbarten Herren, Neuenburg und Kyburg, verwickelt. 1318 gelang es den Bielern, einen Handstreich des Grafen von Kyburg auf ihre Stadt abzuwehren und diesen bis nach Solothurn zu verjagen (Justinger 51). 1352 erhielt Biel vom Bischof von Basel eine Handfeste. Aber auch mit den Bischöfen von Basel, die mehr und mehr nach der Landeshoheit trachteten, entstanden Misshelligkeiten, besonders als 1365 Johann von Bienne den Bischofstuhl bestieg. Streitsüchtig und reizbar wie er war, ärgerte ihn das Bündnis der Biler gefangen; da fielen die Berner in sein Land ein, ein beiderseitiges grauses Morden und Sengen begann; auch die Stadt Biel ging in Flammen auf 1367.

Sie erholte sich um so langsamer, als der Bischof ihre Nebenbuhlerin Neuenstadt auf ihre Kosten begünstigte. Kurz darauf fand der Kriegszug der Gugler statt. Die Roth der Stadt war gross unbd viele Einwohner, namentlich der Adel, waren weggezogen. Sogar der eigene Kirchensatz musste veräussert werden.

 Mit Neuenstadt kam Biel endlich überein 1395, sich zu verbinden „als ob beide Städte nur eine Stadt wären“.

Jmmer enger hatte sich Biel an Bern angeschlossen; von 1352 datirt ihr ewiger Bund. 1415 zogen Bieler, Neuenstadter, Neuenburger und Solothurner zu den Bernern, um den österreichischen Aargau erobern zu helfen. Zum Danke erhielten die Solothurner 2000, die Bielr 1000 Gulden. Jn der Zeit der Burgunderkriege hielt sich Biel so wacker, dass es als ein zugewandtes Ort dem Bund der Eidgenossen beitreten konnte. 1535, als der Krieg zwischen Bern und Savoyen am Ausbrechen war, zogen 450 Seeländer unter dem alten Hauptmann Jakob Wildermut von Biel nach der Waadt und schlugen einen viel stärkeren Gegner bei Nyon und als nach wenigen Monaten Nägeli ausrückte, um die Waadt zu erobern, führten Rudolf Rebstock und Mör von Biel ihm 240 Mann zu. Alte Bieler Fahnen enthält das Museum Schwab.

Die Behörden der Stadt waren der Bürgermeister , der kleine Rath (12 „alte“ und 12 „junge“ Mitglieder) der grosse oder gemeine Rath und die Gemeine. Diese bestand aus 8 Zünften: 1.Pfauen,2.Rebleute,3. Waldleute, 4.Gerber, 5. Pfister, 6.Schuhmacher, 7. Fischer, 8. Metzger. Unter dem Vorsitz des Venners besorgte der kleine Rath die Stadtverwaltung, unter dem Vorsitz des Meyers Panner (Militärisches) und Justiz.

Neue Gefahren brachte die Wahl Jakob Christoph Blaarers von Wartensee zum Bischof von Basel 1575. Er wünschte die katholische Religion wieder einzuführen, wo man sich zum neuen Glauben gewandt hatte und die weltlichen Rechte des Bischofs wieder zu vermehren. Allein da die Vermittlung der eidgenössischen Orte ihn seien Zweck  nicht  erreichen liess, sann er auf anderes, auf einen Austausch Biels an Bern. Am 21. September 1598 kam zwischen ihm und Schultheiss und Räthen von Bern zu Neuenegg das Tauschgeschäft zum Abschluss: Er übergab Biel mit allen Gütern, Oberherrlichkeit und Rechten nebst den Dörfern Vingelz, Lömeringen, Bözingen und Mett an Bern. Vorbehalten blieben ihm die Herrschaften Erguel und Illfingen (Orvin). Bern zahlte ihm dafür 15000 Kronen und gab das Burgerrecht mit den Münsterthalern auf. Wegen ausbrechender Unruhen und grosser Missstimmung in Biel selbst und des Neides der katholischen Orte wurde der Vertrag nicht ausgeführt, ja nach mehrjährigen Verhandlungen kam man überein, ihn aufzuheben. Biel aber entfremdete sich damit Bern und kam um so mehrt in ein drückendes Abängigkeitsverhältniss zum Bischof, der jetzt sein Landesherr war. Jmmerhin blieb das Erguel sein Pannergebiet. Diese  Bestimmung kam auch zur Geltung, als die Franzosen 1792 in das bischöfliche Gebiet einfielen. Das Erguel war weder in der „raurakischen Republik“ noch im französischen Departement Mont terrible inbegriffen, ebensowenig als Bellelay und das Münsterthal. Aber als Ende 1797 der Krieg mit der Schweiz beschlossene Sache war, entschied sich auch das Schicksal der „Herrschaft Biel“.

Mitte December rückten die Franzosen in das Erguel ein ; im Februar 1798 besetzte der französische General Nouvion Biel. Gezwungenerweise wurde dieses mit Frankreich vereinigt am 7.Februar 1798. Aus dem Mehlwagwalde führte man die Tanne herbei, die am 9.Februar als Freiheitsbaum aufgerichtet wurde.

Nachdem während zweier Jahre nach bekannter liederlocher Revolutionsweise Alles drunter und drüber gegangen war, brachte die Consularregierung festere Verhältnisse. Die Kirchgemeinden Biel, Illfingen, Püderich und Pieterlen bildeten den Canton Biel, der zur Unterpräfektur Delsberg, Departement Oberrhein gehörte. Der von Napoleon gewählte Meyer von Biel (Ort und Canton) war fast unumschränkt.

Die Mediationsverfassung änderte wenig daran. Als aber 1813 die Alliirten in die Schweiz einrückten, wurde auch Biel aufgefordert, die alte Verfassung  herzustellen, indem es wieder schweizerisch werden solle. Die Mächte verfügten im Wiener Congress die Vereinigung des Bisthums basel und Biels mit Bern, das den Aargau und die waadt verloren hatte. Am 21.December 1815 wurde das Gebiet an Bern, den neuen Landesherrn, übergeben,

So wurde Biel eine bernische Landstadt. Biel, Bözingen, Vingelz und Leubringen bildeten eine Kirchgemeinde. Der Wunsch der Bieler ein selbständiger Kanton zu werden, war nicht in Erfüllung gegangen; nun wurde Biel nicht einmal Hauptort eines Amtsbezirks. Neuenstadt und der Tessenberg kamen zum Oberamt Erlach, Pieterlen zum Oberamt Büren, Jllfingen zum Oberamt Courtelary; Biel, dem man freie Wahl liess, schloss sich dem Oberamte Nidau an.

1832 wurde Biel ein eigener Amtsbezirk, zu dem aber nur die Gemeinden Bözingen, Leubringen /Evilard und Vingelz gehören.

Das Biel -Capitel
nach der Reformation wollte Biel die geistliche Hoheit in den reformierten gemeinden des Bisthums ausüben. Durch Einmischung Berns geschah es aber, dass das Münsterthal sich dem neugebildeten reformirten Nidau-Capitel anschloss. Jmmer besass der Bischof von Basel viele Collaturen und so waren rebungen unvermeidlich. Deshalb ernannte Bern Ober-Jnspectoren der Propstei (Münsterthal) ; meist waren es Pfarrer zu Ligerz.

Jn der französischen Zeit bildeten Biel, St.Jmmer, Corgémont und Bévillard Consistorien der Synode Mülhausen. 1815 kamen durch die Vereinigung des Jura mit Bern alle Kirchensätze an Bern. Diese bestimmte, dass alle reformirten Pfarreien des Jura ein eigenes, das Biel-Capitel, bilden sollten.

1841 wurden die deutschen Pfarreien und Helfereien vom Biel-Capitel getrennt und dem Nidau-Capitel zugetheilt. –

Die alte dem heiligen Benedict geweihte Kirche hatte offenbar durch den Brand der Stadt gelitten und verlangte einen Neubau. Der Grundstein hierzu wurde 1451 gelegt, aber Hindernisse verschiedener Art, so 1481 der Einsturz des Thurmes, liessen das Werk nur langsam vorwärts schreiten. 1775 wurde die Kirche restaurirt.

Jn Biel war auch eine Niederlassung des Johanniter Ordens ( die letzte im bernischen Gebiete)

Aelteste Geschlechter von Biel:

Bellacher, von Büderich, von Biel, Blampan, de Chavannes, de Colombier, de Cortlary, de Duanna, de Egerdon, Geginan, Guthwirthm, Jordfan, de Kapellon, de Lamboëins, de Lomeringen, de Louveresse, de Madretz, de metto, de Müringen, de Pieterlon, Serjant, de Spegelberg, Stöcli, de Suncelboz, de Swadernowe, von Tasfelden, de Tesson, de Ulvingen,Pasenacht,von Wingrebs u.a. , die aber längst erloschen sind.

Stiftsvasallen im Erguel: Gumpagnet, von Flachsland, Haller von Courtalry, von Tremmlingen, von Sacourt, von Sonvillier, von Tasfelden, von Römerstal (Rambevaux).

Jm 15.Jahrhundert war die Burgerschaft Biel fast nur mehr aus Handwerkern und Gewerbetreibenden bestellt, weil der Adel das Städctchen nach der Zerstörung von 1367 verlasssen hatte. Da standen obenan die Aber, Alyne, Awentsch, Bertschi, Bredier, Bremgarter,Brobot, Büttinger, Gawessi, Göüffi, Gryg, Jungmann, Lisser, Martschan, Meiküng, Pfierter, Russli, Scholl, Smits, Stapis, Stöckli, Stunggi, Tellikon (Thellung), Tschadowe, Wattry, Wespi, Wiler, Wyttenbach, Wysshaar (Wysand)

Alles weitere sind fast nur Namen diese Auflistung muss anderweitig gesucht werden.

Etymologisch

Der Name Biel wird mit der heute noch vorhaandenen so genannten Römerquelle (der alten Brunnenquelle Biels) am Rande der Altstadt in Verbindung gebracht. Hier wurden einige hundert Kupfermünzen aus dem 1. – 4- Jahrhundert n Chr. Gefunden, welche als Opfergaben zu deuten sind. Letzere lassen auf einen – wohl bereits in gallischer Zeit zurückreichenden – Quellenkult schliessen. Nach heutigem Forschungsstand dürfte dieser als Heiligtum verehrten Stätte der feminine Name *Belena zugrunde liegen, eine Form, die sich von einem gleichlautenden Hydronym mit der Wz. Idg. *bhel- <weiss, hell, glänzend> herleitet (FEW I.317; Pokerny, IEW, 118 f,; Müller, Toponymie Suisse, 565; Belena <la brillante> Besse, Namenpaare, 62 ff; Holder, Sprachschatz I, 370 ff. und III, 826f;Staehelin, Schweiz, 541 und 638)

Das mit demselben Stamm gebildete Adj. Gall. *belenos/-ä <glänzend> scheint keltischer Zeit mehrfach zur Bezeichnung von Göttern und Flüssen verwendet worden zu sein (Greule, Gewässernamen, 180 ff) Als Flussnamen-Parallelen aus der frz. Westschweiz seien hier stellvetretend erwähnt: La Beinaz (heute Industriegebiet in Sugiez FR; urkundlich aqua vocata la beyna 1420)La Bennaz (Bach in Collombey-Muraz VS)La Beynaz (Fluss in Vouvry VS) oder le Bainoz (8 km langer Bach im Bezirk Broye FR; alle Hinweise von Wulf Müller, brtieflich)

Was die Götternamen und die Parallele zu *Belena anbelangt, so machen u.a. Weihungen an der Fons Bel(eni?) in Aquileia (Stadt in der it. Provinz Udine) und solche in Südgallien die Annahme wahrscheinlich, dass auch Belenus/Belinus als Gott einer Heilquelle verehrt worden ist (Pauly, Wissowa V, 199ff; Pauly Neu II, 546f) Durch die Römer erfolgte dann später die Gleichsetzung von Belenos mit Apollo, dem griechischen Sonnengott.
Die Tasache, dass die Form *Belena – entgegen der eingangs erwähnten Herleitung – in der Forschung semantisch auch zum Stamm keltisch *bel(l)o- <stark,mächtig>, < idg. *bel- <stark> gestellt wird, sspielt für die Identifizierung des Namens von Biel/Bienne keine Rolle (Delamarre, Dictionnaire de la langue gauloise , 71f; LSG ,153, Stüber, Schmied und Frau, 81f.)

Lautlich verläuft die Entwicklung von *Belena bis zu den ersten urkundlichen Belegen Bielnam/Byelne für die dt. und roman. Form gemeinsam, ausgehend von einer nordfrz. Diphtongierung des betonten -e- in der Anlautsilbe (Meyer-Lübke, Lautlehre, 53; s. auch Pieterlen und anschliessender Synkopierung des zweiten unbetonten -e-, Dann schwindet im Deutschen der Schlussvokal und aus Biel(l)n (s.Belege von 1251) wird Biel. Derselbe Namentypus findet sich mehrfach in Frankreich, etwa in der Form von Beaune (Côte-d’Or, Savoie, Loiret u.a.) oder Beaunay (Marne)(Lebel, Hydronomie Francaise 228f; Nègre, Toponymie générale I, 2559)

Zimmerli 1891

Biel, frz. Bienne, ist diejenige Stadt der Westschweiz, welcher die materielle Bewegung der letzten fünfzig Jahre und insbesondere das Aufblühen der Uhrenindustrie den grössten Zuwachs an Bevölkerung und Bedeutung gebracht hat. Im Jahr 1841 wurden hier die ersten Uhrenfirmen gegründet und seitdem hat die Einwohnerschaft rasch zugenommen, am meisten in den letzten zwanzig Jahren, während deren dieselbe von 8113 auf 15500 Seelen, bzw. von 1560 auf 3125 Haushaltungen angewachsen ist. Hand in Hand mit dem wirtschaftlichen Aufschwung ging eine ungemein lebhafte welsche Einwanderung, vornehmlich von Uhrenarbeitern. Im Jahre 1870 war das welsche Element durch 394 Haushaltungen vertreten, am 31. Dezember 1888 gab es deren 925, was eine Zunahme von 137,3 % bedeutet; die Zahl der deutschen Haushaltungen stieg im gleichen Zeitraume von 1166 auf 2200 Haushaltungen, d.h. um 88,7 %. Die Sprachverhältnisse gestalten sich also hier wesentlich zu Ungunstten des Deutschen; an eine Absorption des welschen Elementes ist nicht zu denekn, da dieses, im Gegensatz zu den in analogen Verhältnissen befindlichen deutschen Ansiedlern im wwelschen Jura, durch den starken Rückhalt guter Schulen gesichert ist. Schon im Jahr 1845 wurde hier die erste französische Primarschule errichtet; dieselbe wurde im Jahr 1850 erweitert, ging aber bald nachher ein, um erst 1860 bleibenden Bestand zu gewinnen. Im Januar 1890 gab es 9 französische Knabenklassen mit 398 und 9 Mädchenklassen mit 696, zusammen 1409 Schülern, neben 16 deutschen Knaben- mit 713 und 16 Mädchenklassen mit 696, zusammen 1409 Schülern. Am Progymnasium wird nur in deutscher Sprache gelehrt; die welschen Schüler erhalten in der ersten Klasse einen besonderen Vorbereitungsunterricht, in welchem sie an der Hand der Fibel und der in den deutschen Primarschulen gebrauchten Lesebücher in die deutsche Sprache eingeführt werden.

Es giebt hier eine protestantische Kirche, in der abwechselnd deutsch, französisch, eine katholische, in der abwechselnd deutsch und italienisch und eine altkatholische, in der nur deutsch gepredigt wird.

Die Strassennamen sind doppelsprachig. Bei den Gemeindeversammlungen werden die der Abstimmung unterbreiteten Resolutionen officiel in den beiden Sprachen verlesen. Von sieben Grossräten, die Biel gegenwärtig nach Bern schickt, sind zwei französisch.

Der Ort ist offenbar eine deutsche Gründung und der Name nichts anderes als das deutsche Bühl:Hügel. Noch in einer bischöflichen Urkunde von 1405  wird die Tuftbank, auf der das castrum de Biello gestanden, „der Büel“ genannt. (Archib Biel CIX). Dass schon früh romanische Elemente sich hier angesiedelt haben, ist aus dem bei Blösch gegebenen Verzeichniss der ums Jahr 1400 hier ansässigen Familien zu schliessen, in dem bereits eine ansehnliche Anzahl romanische Namen erscheinen.

In Biel, wie überall, wo ähnliche Mischungsverhältnisse sich finden, zeigt sich der Deutsche hinsichtlich seiner Sprache viel weniger konservativ als der Franzose:wenn  auch von einer Romanisierung. D.h. vo einem Aufgeben der Muttersprach nicht die Rede sein kann, so hält doch der Deutsche am allgemeinen die Erlernung des Französischen für selbstverständlich, während der Welsche nur ungern und nur unter dem Drucke zwingender Verhältnisse sprachlich dem deutschen Mitbürger sich anpasst. Daher denn auch die Erscheinung, dass eine ansehnliche Anzahl deutsche Geschäfts- und Wirtshäuser nur französische Aufschriften haben.

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