Belmund
Bellusmons 1107, Belmont 1228
Es gab in der Schweiz verschiedene Belmund: ein Schloss in Flüms und Hohentrims im Garuen Bund, ein Schloss in Saanen, ein Pfarrdorf bei Pully, ein Dorf und Schloss bei Yverdon; das bekannteste ist im Seeland an der Strasse von Aarberg nach Nidau, im Westen des Jensberges, 6 Stunden von Bern und eine halbe Stunde von Nidau entfernt, in der Kirchgemeinde Nidau, Amtsbezirk Nidau. Belmund und Jensberg haben in 54 Häusern 3308 Einwohner; mit St.Niklaus bilden sie die Gemeinde Belmund ( in 61 Häusern 357 Einwohner)
F.L.Haller leitet den Namen ab von Beli mons,, Berg des Bel oder Belenus, einer gallischen Sonnengottheit (Helvetien unter den Römern II 301)
Belmund, das nahe bei Petinesca gelegen war, scheint auch von den Römern bewohnt worden zu sein. Das Museum Schwab in Biel enthält 9 Eisenbarren in octaedrischer Form, die in der Kiesgrube zu Belmund gefunden worden sind.
1107 bestätigte Graf Wilhelm III. von Hochburgund die Schenkungen seiner Vorfahren an die Abtei Clüny und fügte bei, was ihm von seinen Vorfahren zu Bellus mons im Bisthum Lausanne zugekommen und die nahe Grafeninsel (St.Petersinsel) (FRB I 359-360) Jn Belmund wurde ein Cluniacenserpriorat gegründet, das aber bald auf die St.Petersinsel übersiedelte (siehe den Artikel St-Petersinsel)
Jm Lausanner Cartular von 1228 wird Belmund als eine Pfarre im Dekanat Solothurn mit der Bezeichnung solebat esse prioratus – war früher ein Priorat – genannt (FRB II.89)
Als Pfarre erscheint es auch 1291, wo der Ritter Hermann von Biel und die Seinen den Johannitern von Buchsee ein Haus zu Biel, Güter zu Latrigen und in den Pfarreien von Sutz und Belmund verkaufen (FRB II.498)
1453 stand dort noch eine Kapelle, die dem heiligen Gengulph geweiht war, eine Filiale von Port bei Nidau, dessen Pfarrei in der Reformationszeit aufgehoben und jener von Nidau einverleibt wurde. (Visitatiosbericht von 1453 im Archiv des historischen Vereins I 299,369)
Belmund gehörte zu dem nidauischen Gebiete, das bei der Theilung des deutschneuenburgiscshen Erbes an Ulrichs Sohn Rudolf gefallen war.
Ein Tagheil der Güter war an Katharina von Kyburg gekommen, die Gemahlin des Grafen Albrecht von Werdenberg und Schwester des Brudermörders Eberhard. Sie verkaufte sie „von Bargen bis nieder zur Aare geht und von da auf den Berg Leberre und von da hinauf bis zur Neuenstadt, bis zur Schneeschmelze“ an den Grafen Rudolf von Neuenburg-Nidau 1323 und 1325 (FRB V 382 und 450, Stettler, Regesten des Priorats auf der Jnsel mitten im See Nr.8)
Die Hälfte der Güter war an Ulrich von Sutz, Burger zu Bern, gekommen, der sie 1335 um 250 Pfund Pfennige an den Grafen Rudolf von Neuenburg-Nidau verkaufte, nämlich: Reben zu Rogget, in der Burg zu Nidau, in den Thwingen und Bännen zu Safneren und Orpunt, zu Studen, Egerden, zu Jens, Hermaringen, Belmont, Walprechtswil, Bargen, Gerlafingen, Epsach und Schwadernau und da umb Nidowa in der rivieri allenthalben (FRB VI. 188-190)
Katharinas Neffe Hartmann III. von Kyburg, Landgraf in Burgund, heirathete des genannten Rudolf von Neuenburg-Nidau Tochter Anna, die ihm reiches Gut zubrachte. Aber es ging im Ruin der Kyburg zu Grunde; 1382 mussten Anna und ihr Sohn der Landgraf Rudolf es um 1050 Florentinergulden an Freiburg verkaufen. Die Verkaufsurkunde nennt von dem veräusserten Jnselgau besonders die villa Oberword, die villa Niederworb, die villa Jens, die halbe villa Belmont, die villa Wiler, die villa Port, die Kastvogtei des Priorats der St.Petersinsel (Solothurner Wochenblatt 1825 S 495-498, Stettler, Regesten des Priorats auf der Jnsel mitten im See, Nr. 11, Recueil diplomatique du Canton de Fribourg IV .161) Doch scheint der Handel mehr eine Vwerpfändung gewesen zu sein. Jm gleichen Jahre 1382 mahnen die Gräfin und ihr Sohn ihre Amtleute undall‘ ihre Unterthanen im Jnselgau dem Jakob Ritsch, Vogt zu Nidau, in der Stadt Freiburg Namen zu schwören und gehrosam zu sein. (Recueil diplomatique IV.168) Die Gräfin erklärte, dass wenn der Herzog von Oesterreich den Pfandschilling nicht löse, sie ihn nur mit seinem Rath versetzen wolle (Recueil Diplomatique IV.178, Solothurner Wochen Blatt 1827 S.310) Freiburg trat die Pfandschaft des Jnselgaus an Oesterreich ab. Mit Nidau und Büren gelangte nach den erfolgreichen Kämpfen am Ende des Jahrhunderts auch das streitige Gebiet an Bern. (F v. Wattenwyl II. 91,302, Solothurner Wochen Blatt 1829, S. 511-520) Belmont, Port, Jpsach und St.Niklaus bildeten eines der 6 Viertel der „unteren Grafschaft“ des Landgerichts von Nidau.
Ein Geschlecht Belmund oder von Belmund war in Bern angesessen. Ein Niggli war 1414, ein anderer 1466 Burger, ein Bendicht 1476 (bernisches Burgerbuch von F.v.Mülinen I 37) Das Geschlecht ist nicht zu verwechseln mit den Herren der erwähnten Schlösser in Graubünden und der Waadt.
Etymologisch
Beumun, ts (Dorf auf einer Anhöhe) quidquid iure hereditatrio a maioribus meis mihi obvenit apud Bellum-Montem qui locus est in episcopatu Lausannsi 1107 (Kopie), Belmont solebat esse prioratus 1228, Curatus de Belmont 1275, Sigillo domini Petri incunrati de Bellomonte 1289, in parrochiis de Suzze et de Belmont 1291, in dien twingen und bennen ze Belmont 1335, totam villam de Pelmunt 1382, in dem twinge und banne des dorfes ze Belmunt 1384, in territorio de belmont um 1398, in belmond 1442, Capella de Belmont membrum ecc(les)ie de Port 1453, Zu Belmundt, Belmündt 1521, Der Kornzenden zu Bellmund und Port 1538, Bellmont pagus magnus 1577, Belmundt by Nydauw 1638-1641, Bellmund, Belmont (Dorf) 1838 Bellmund I
Belmundt strass 1521 IpsachI, vinetum dictum de Belmunt situm in territorio ville de Ligerz 1348 Ligerz I
Bellmund ufefm permunt (Wintergut, Vorsass im Chalberhöni; frz. Belmont) Belmont 1312, Belmunt, Belmont 1312, uff Bellmund 1659, Belmond (Häuseer) 1838, Burg Belmont 1850 Saanen IV
Bellmund: zu lateinisch-romanisch (apud) bellum montem > Belmont < beim schönen Berg> (Georges I 805 und II 996 f. Glatthard Aare/Saane 101) der Name bezog sich auf ein 1107 von Graf Wilhelm III. von Hochburgund gestiftetes Cluniazenserpriorat, welches vor 1127 auf die St.Petrsinsel (s.d.) verlegt werde (HBLS II, 94; Helvetia Sacra III/2 707f.) und versteht sich möglicherweise als Programmname. Nach Haufbrichs (Sakralisierung 45) bestand in karolingischer Zeit bei den Benediktinern die (im 12. Jh. Durch Zisterzienser stark ausgebaute) Tradition, neu gegründeten Klöstern verheissungsvolle Namen mit programmatischer Funktion zu geben. Über die Verbindung von metaphorischen Attributen (gut, hell, klar und schön) mit App. Der Flurbeschreibung (Berg, Au, Tal etc.) vermittelten diese Namen monastische und christliche Werte. Bei einer Reihe von später zu ONN gewordenen programmatischen Namen wurden etliche Vorgängernamen (gesteuert) umgenannt, erweitert oder ersetzt (vgl. Haubrichs, Sakralisierung 56). Da bereits vor der Gründung des Bellmunder Priorats eine dem heiligen Gangulf geweihte Kirche an diesem Ort bestand, ist eventuell davon auszugehen, dass der Prioratsname einen allfälligen älteren SN oder FIN überlagert oder erweitert hat. Bereits in der Stiftungsurkunde wird jedoch schon der (Neue?) Name bellun-montem genannt.
Seit dem 14 Jh.ist der Toponym die germanisierte Form Belmunt belegt, bei der in der Folge der Auslaut -nt zu -nd lenisiert wurde. Vgl. dazu Mont (BENB I/3 310)