Bargen

Bargen, Barges 1228

Dorf im Amtsbezirk Aarberg, ¼ Stunde von Aarberg, 4 ½ Stunden von Bern am linken Ufer des Hagneckkanals, an der Hauptstrasse von Aarberg nach Murten. Das Dorf hat in 110 Häusern 637, die Gemeinde (Dorf mit dem Aspigut und Hasensprung) in 113 Häusern 654 Einwohner.

Den Namen Bargen führte eine bedeutende Grafschaft diesseits des Jura, welche sich von dessen mittleren Gebirgen bis zum Stockhorn auf dem linken Aarufer erstreckte. Dass sie noch in das 7. Jahrhundert zurückreicht, ist zweifelhaft; wohl irrigerweise nimmt Schöpflin in seiner Alsatia illustrata I 657 an, die Vergabung Dagoberts an die Kirche von Strassberg von 662 (gedruckt in Grandidier, Histoire de l’Eglise de Strasbourg I. preuves XXVI), wo ein pagus species im comitatus Bargensis erscheint, betreffe unser Land.

Die Grafschaft Bargen wird in folgenden Urkunden genannt:
965 König Rudolf von Burgund hatte gezwungener weise das Kloster Münster in Cranfelden (Grandval) einem Lutfried zu Lehen gegeben. Desselben Erben vernachlässigten und schädigten es derart, dass König Rudolf II es wieder an sich nahm. Er bestätigte dabei seinen Besitz, nämlich im selben Thale die zwei Stephanskapellen und in der Grafschaft Bargen die villa nugerolis (siehe den Artikel) mit der Kapelle des h.Ursicinus, mit der villa Ulvingen(Illfingen, Orvin),der villa Summa vallis (Sombeval) mit ihrer Kapelle und eine Kapelle in Thesvenna (Tavannes), die Kapelle des h. Ymerius (St.Immer) und Curtis Alerici (Courtelary) Bidericus (Péry, Büderich) mit der Kappelle Reconvillard (Reconvilier bei Tavannes). (Herrgott II 77,78, Trouillat I 134-136 FRB I 277-278- Hibber, Urkundenregister I Nr 1061 sieh auch H. Trog, Rudolf I und Rudolf II von Hochburgund 73 (1887)

Zwischen 983 und 993 vertauscht Erzbischof Burkhard von Lyon, Probst von St.Moritz, ein Enkel der guten Königin Bertha, einem Egilo 2 der Abtei St.Moritz im Wallis (in Agauno) gehörige Huben zu Golaten gegen ein Hube zu Malum oratum in der Grafschaft Bargen um einen Zins von 12 Denaren (FRB I 281-282, Hibber I Nr.1131)

Um dieselbe Zeit vertauschte er eine Besitzung der Abtei zu Rugerol mit der Mauritiuskapelle dem Vogte Rudolf gegen die Marcelluskapelle  zu curtis Teudonis nebst andern Gütern (FRB I 284, Hibber I Nr.1153)

Einem Ulrich verlieh er zwischen 993 und 996 unter andern Gütern solche in der villa Corlinginus im Bau von Lausanne und in der Grafschaft Bargen, welche derselbe dem Kloster früher geschenkt hatte (FRB I 285, Hibber I Nr.1150)

1009 schenkte ein Hupold dem Kloster St.Moritz (St. Maurice ) sein Haus und seinen Weinberg zu Anestre in der Grafschaft Bargen (FRB I 293, Hibber I Nr.1226) F.v.Gingins erkennt in Anestre Anet, Jns (S Anzeiger für schweiz. Geschichte und Alterthumskunde 1859 53 – 56)

Zwischen 1011 und 1016 verlieh der genannte Erzbischof Burkhard der Frau Hildegard und ihren beiden Söhnen Wilhelm und Ulrich 1 ½ Huben zu Könitz in der Grafschaft Bargen gegen einen Zins (FRB I 294-295, Hibber I Nr.1239)

1019 tauschte Amiso, ein Vasall Rudolf’s III. von Burgund, von der Abtei St.Maurice 2 anstossende Huben in Thale Rugerol in der Grafschaft Bargen gegen einen Weinberg und einen Acker ebendaselbst (FRB I 298-299, Hibber I Nr. 1259)

1040 Jn der Bestätigungsurkunde, die König Heinrich III dem Kloster Einsiedeln ausstellte, ist eine dimidia colonia der villa Lanha in der sogenannten Grafschaft Bargen erwähnt (Hartmann, Annales Heremi 131, Hibber I. Nr.1313)

1076 die gefälschte Bestätigungurkunde Heinrich’s  IV. für Rüggisberg nennt die Kirche daselbst gelegen im Ufgau in der Grafschaft Bargen (FRB I 331-332, Hibber I. nr. 1410)

Von dieser Zeit an ist von ihr nicht mehr die edle und der Ort Bargen erscheint nur mehr unbedeutend.

1228 fand in Bargen eine Tauschverhandlung zwischen dem Propst auf der Jnsel und dem Abte von Frienisberg statt. (FRB II 86)

1278 tauschten Wilhelm und Dietrich von Aarberg u.a. eine Schuppose zu Bargen ein vom Kloster Frienisberg (FRB III.233-234)

1320 gab Wilhelm von Aarberg seine Tochter Agnes dem Walraf von Thierstein, Graf Ulrichs Sohn, zur Gemahlin und verpfändete für die ausgesetzte Ehesteuer von 300 Mark Silber ale seine Güter zu Bargen und Kappelen (FRB V.193)

1323 verkaufte Graf Hartmanns von Kyburg Tochter Katharina, Gemahlin des Grafen Albrecht von Werdenberg, ihrem Oheim , dem Grafen Rudolf von Neuenburg-Nidau alle ihre Leute und Güter mit Twingen und Bännen von Bargen bis zur Mündung der Zihl in die Aare und bis zum Leberberg und bis Neuenstadt um 1000 Pfund Pfennige (FRB V 382-383)

Agnes vom Stein und ihr Bruder Hartmann hatten 1390 Güter zu Lyss und Bargen, die von Aarberg zu Lehen gingen (Aarberger Documenten – Buch im Staatsarchiv 44b)

1462 verkauften die Predigermönche von Bern um 44 Rheinische Gulden den Frauen und den Johannitern zu Tedlingen den vierten Theil eines Gutes zu Bargen, das sie vonb einem Gysenstein erhalten. Vielleicht ist es die Jahrzeitstiftung des Hans von Gysenstein, die er von Gütern zu Bargen gemacht (Aarberg – Buch I. 357 und Klosterzinsbuch S. 45 und 464 im Archiv des Jnselspitals)

1831 wurden am Westende des Dorfes Schanzen errichtet.

Burger Geschlechter von Bargen: Andres, Gygi, Huber, von Känel, Scheurer, Schleiffer, Weber, Zesiger.

Jm bernischen historischen Museum befindet sich eine gemalte Bauernscheibe aus dem 17. Jahrhundert, drei Kriegsleute, laut Jnschrift die Brüder Niklaus, Bendicht und Peter Schürer von Bargen und oben einen Pflügenden, ihren Vater Hans Schürer darstellend. Jhr Wappen ist eine silberne umgekehrte Lanzenspitze auf drei Hügeln in Gold; ihr zur Seite auf dem Hügel rechts ein silbernes Kreuz.
es gab ein Geschlecht von Bargen. Ein Petrus von Bargen war 1318 in Bern angesessen (FRB V 1) Burger zu Bern waren Peter 1360, Hans 1398, der 1405 zum rothen Löwen (Metzgern) ging, Peter,des Grossen Raths 1435, Hans , des Grossen Raths 1455, Entz war 1435 Läufer (N.F. v.Mülinen, bernisches Burgerbuch I 79)

Die Kirche von Bargen wird 1228 im Cartular des Bisthums Lausanne als im Dekanat Aventicum (Wiflisburg) liegend erwähnt (FRB II.89 III: 391)

Der Pfarrer von Bargen wird 1285, am 24.Juni, zu einer Zehensteuer für das heilige Land im Betrage von 18 solidi Basler Währung angehalten(FRB III. 391)

Der Kirchensatz gehörte von Alters her den Edlen von der Fluh, de la Roche. Burkhard von der Fluh versetzte 1369 seine Hälfte seiner Frau Verena von Erlach für ihre Ehesteuer und erhielt 1379 von seinem Bruder Johann die andere Hälfte. Seine Wittwe, due genannte Frau Verena, vergabte den Kirchensatz 111415 dem Gotteshaus Frienisberg, das ihn behielt bis zur Reformation. Dann kam er an die Regierung von Bern. Die Pfarre gehört in das Nidaucapitel, während Aarberg in das Bürencapitel gehört. Durch Beschluss vom 7.April 1806 wurde Bargen wegen seiner geringen Bevölkerungszahl und der Nähe von Aarberg mit diesem zu einer Pfarre vereinigt, am 10.Mai 1832 wieder getrennt und selbständig und 1879 von neuem mit Aarberg vereinigt.

Die Kirche, mit viereckigem Chor und einschiffigem Langhaus, ist schmucklos; an der Südseite des Schiffs, sehr hoch, befinden sich drei kleine einfache Rundbogenfensterchen (Rahn, zur Statistik schweiz. Kunstdenkmäler im Anzeiger f. Sch. Altertumskunde 1872 327, 1881, 177)

Etymologisch: 1228 Barges, von lateinisch barca, Barke, kleines Lastschiff, Marktschiff.

In comitatu Bergas et in pago Nogorolense 944? (Kopie 17.Jh.) villy in Bargensi comitatu, que Nugetrolis dictur 968 ? (Kopie 11.12. Jh.) in loco qui dictur Malum Pratum in comitatu Bargensi 983-993 (Kopie), in comitatu Barggense et in villa Anestrie 1009 (Kopie) in commitatu Bargense in villa que dictur Corlinginus 1000-1031 (Kopie) in commitatu Bargense in loco qui dictur Nuerolus 1001-1031 (Kopie), in commitatu Bargense et in villa Chunicis 1011-1025 (Kopie) in comitatu Bargensi sive in valle Nugerolensi 1016 ( Kopie), in comitatu qui dicitur Bargen in villa Lanha dimidia colonia 1040 (Kopie) in pago, qui nuncupatur Species, et in comitatu Bargense Anf. 12. Jh. (auf 662 datierte Fälschung) in pago nomine Uffgowe in comitatu Bargensi 1147, in pago nomine Ufcowe in comitatu Bargensi 1152, 1161

Bärge, ds (Dorf,Gemeinde), facta sunt apud Bargen confirmata 1228, Barges 1228 (hierher ?) E. Bargere 1264, Uol. Plebanus in Bargen 1265, her Burkhart kilchher ze Bargen 1271, dominus Bur. Plebanus in Bargen 1275, una scoposa sita apud Bargen 1278, curatus de Barges 1285, Curatus de Barges 14.Jh., curatus ecclesie in Bargen 1308, du guter in den dorfern von Bargen und von Kappellen 1320, von Bargen nider untz in de Are 1323 usw.

Zum galloromanischen Appelativ *berga, * barga <Abhang, Uferböschung> welches sich im Frz. Zu berge f/m <Böschung,Uferweg > entwickelte (REW, 957, FEW I. 254) Während das FEW (I,254) ein gallisches Grundwort *barica ansetzt, plädiert Hubschmied (*berga 224ff) anhand einer Reihe von toponamistischen und dialektologischen Beobachtungen in der Romania (vgl. z.B. die Toponyme La Bergue und Bergues in F und Berga mehrfach in Spanien) für eine galloromanischen Grundform *berga. Dieser entspricht wohl auch unser Erstbeleg Bergas. Der spätere Wechsel von e> a ist wahrscheinlich durch das sich anschliessende -r- bedingt (Hubschmid.*berga, 224) Das gleichlautende gallische App. *barga <Hütte, Schopf> (REW, 958;FEW I, 253, RNB II, 33) kann als Etymon zwar nicht ausgeschlossen werden, ist aber aus sachlichen und lautlichen Gründen weniger wahrscheinlich

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