Arch
Archo 1236, Archon 1275
Pfarrdorf und Kirchgemeinde im Amtsbezirk Büren, am rechten Ufer der Aare mit einer Brückere über dieselbe, an der Landstrasse von Büren nach Solothurn zwischen Rüthi und Leuzigen, von Bern über Schüpfen 7 Stunden entfernt.
Das Dorf hat in 83 Häusern 597 Einwohner; mit Siebenmatt und Berghof bildet es die Einwohnergemeinde Arch ( 86 Häuser, 621 Einwohner). Die Gemeinden Arch und Leuzingen bilden zusammen die Kirchgemeinde Arch (1567 Einwohner)
Die Gegend von Arch war schon in sehr früher Zeit bewohnt. Links der Strasse von Leuzingen im Tannenwald Bisalee ist ein von der nahen Höhe durch einen Graben getrennter Hügerl, der auf der Ostseite noch Reste eines Erd- und Kiesel-Walles aufweist. Jahn vermuthet, dass er die Wohnung oder das Denkmal eines vornehmen Kelten gewesen sei. Auch der Burghügel oberhalb der Kirche ist von Gräben umgeben und dürfte aus keltischer Zeit stammen. Südlich vom Dorfe, in einem Walde, befinden sich 7 Grabhügel, deren einer eine Höhe von 25 und einen Umfang von 500 Fuss hatte. Er war von einem dreifachen Steinkreis umgeben, der aber, wie auch die innern Steinwälle, von den Bewohnern der Umgegend ausgebeutet worden ist. Auch auf der Siebenmatt war ein Hügel, der Sodhubel genannt. Die Gräber setzen sich Nordwest fort; siehe darüber den Artikel Leuzingen. (Ueber die Teufelsburg siehe den Artikel Rüthi) Ueber eine römische Terracotta- Jnschrift, die in der Erdburg Bisalee bei Arch gefunden wurde, sieh Meisterhans, im Anzeiger für Schweizer Alterhumsforschung 1888, s.75
Biszum 13.Jahrhundert haben wir dennoch keine Kunde von Arch. Damals gehörte es zu der Herrschaft Büren- Strassberg. Herr Ulrich von Ergenzach aus dem Hause Neuenburg tauschte am 13. Oktober 1236 eine Schuppose zu Arch an die Abtei St. Johannsen gegen den Hügel bei Büren, der einst die Burg Strassberg trug (FRB II 164/165)
Als 1338 Herzog Leopold von Oesterreich Solothurn belagerte, steissen Freiburger zu ihm, die ihren Weg durch das Seeland nahmen und vielen Orten, darunter Arch, grossen Schaden zufügten (FRB V 93) Die Kirchherren und Vicare dieser Gemeinden, auch der Vicar Nikolaus von Arch, leisteten fünf Jahre später Verzicht auf Entschädigung (FRB V 335)
Graf Jmer von Strassberg war der letzte Nachkomme seines Zweiges. Wie seine Herrschaft und damit Arch, nach verschiedenen Schicksalen an Bern gelangte, ist bei den Artikeln Büren und Strassberg zu ersehen. Arch blieb bei der Herrschaft und Vogtei Büren.
Jn kirchlicher Beziehung gehörte Arch in’s Bisthum Constanz, Archidiakonat Burgund, Dekanat Wengi, dann Büren oder Aarberg. Bis in unsere Zeit gehörte es noch zum Bürenkapitel.
Der Kirchensatz, wahrscheinlich eine Stiftung der Herren von Strassberg, gehörte denselben, bis Jmer 1364 seinem Vetter , den Grafen Rudolf von Neuenburg-Nidau, zum Erben einsetzte (Solothurner Wochen Blatt 1816 S 89 bis 90) Dieser vergabte Patronatsrecht und Kastvogtei der Kirchen von Selzach und Arch 1378 an das Kloster Gottstatt (Solothurner Wochen Blatt 1815 S. 595-599) Nach der Reformation kam der Kirchensatz an den Staat Bern.
1272 musste der Leutpriester von Arch 20 Pfund an den Kreuzugszehnten geben (FRB III.158)
Ein Wohltäter der hiesigen Kirche war Ludwig von Strassberg, der von 1322 – 1343 Probst in Solothurn war.
Die Cluniacenser von Hettiswyl besassen den nahen Probstwald, dessen Mitbenutzung sie 1343 der Dorfmark und Gebursame von Arch gegen eine jährliche Abgabe von 12 Schillingen gestatteten (FRB VI 808)
Graf Rudolf von Neuenburg-Nidau hatte 1333 einen Streit zwischen den Dörfern Arch und Grenchen zu schlichten über die Archallmend auf dem Stadt(auf dem linken aarufer) bei Grenchen. Er entschied, dass wenn Korn, Haber oder Dinkel gesäet worden sei, die Archer die ganze Nutzung haben sollen, in den andern Jahren aber die Nutzung zwischen den Archern und Grenchern in gleicher Weise zu theilen sei (FRB VI.73-74)
Ein Zehnten im Twing von Biel, zu Bözingen und Mett, bischöflich-baslerisches Lehen, hiess Zehnten von Arch.
Der Pfarrer von Arch muss auch in Leuzingen Gottesdienst haltern.
Im Chor der Kir c he prangen drei schöne Glasgemälde der Städte Biel 1534, Bern 1538 und Solothurn 1539. Jm Kirchthurm hängen zwei Glocken aus der solothurnischen Giesserei von 1777 (Rüscheler 7-8)
Eine kleine Ansicht des Dörfchens gibt S.Bodmer in seinem Plan und Grundriss der Landmarch von Bern (Staatsarchiv Bern) von 1705.
Geschlechter von Arch: Hohl, Hürzeler, Jscher, Kuster, Mülchi, Neuhaus, Oerli, Schlup, Schwab, Wyss
Es gab ein Geschlecht von Arch. Ein Hans von Arch war 1477 Burger von Bern. Das Wappen ist unbekannt.
Am 7. August 1876 brannten in Arch 14 Firsten und am 15.Mai 1893 8 Firsten ab.
Etymologisch:
Arch, Gemeinde Dorf, in villa que Archo nominatur 1236, de Archo 1270, de Archo, Archa 1273, plebanus in Archon 1275, in Archo 1281,1294, de Archon 1300.
Gemeinde und Dorf an der Aare, schon prähistorisch besiedelt; in der Römerzeit an der Strasse Petinsesca-Salodurum. Der Name kann vorgermanisch sein und auf Lateinisch arcus- Brückenbogen, Wölbung zurückgehen. Die Bedeutung Flusswindung existiert zwar auch, scheint aber in der Toponymie nicht gebräuchlich zu sein. Die auf arcus zurückgehen, gehören alle zum römischen Brücken oder Aquädukten. Doch ist auch die Grundlage latenisch arca Brückenbogen, -pfeiler nicht ausgeschlossen, da weiterhin toponymisch gut belegt. Eine andere Bedeutung von arca, die vielleicht durch die vorgefundenen verschiedenen Wallbauten gestützt wird (Tschumi, Urgeschichte Bern 1953 S.178) ist Befestigung der Ufer durch Wehre. Dies Wort ist freilich in der lautverschobenen Form Arch für Brückenjoch, Uferbefestigung in unserm deutschenschweizerischen Schrifttum vom Mittelalter bis in die Neuzeit belegt