Jns

Oder Eis, französisch Anet (Anestre 1009. Anes 1179, Ins 1181, Anesi  um 1185 Hyns, Hanes 1265

Grosses und schönes Pfarrdorf auf einer 500 Meter über Meer hohen, das grosse Moos überragenden Höhe im Amtsbezirk Erlach an der Strasse von Bern nach Neuenburg, wo auch die Strassen von Erlach und Murten sich treffen, von Bern 7 Stunden 20 Minuten, von Neuenburg 3, von Erlach 1 Stunde entfernt.

Das Dorf hat in 200 Häusern 1255 Einwohner. Die Einwohnergemeinde besteht aus dem Dorfe, den Häusern Hofmatte und Moos und Hat 1339 Einwohner. Die Kirchgemeinde Jns besteht aus den Einwohnergemeinden Jns, Brüttelen, Gäserz, Müntschemier und Treiten und hat 2678 Einwohner.

Man hat in der Umgegend des Dorfes verschiedene Alterthümer aus römischer Zeit gefunden. Zwischen dem Dorfe und der Hasenburg, im Einungswalde, sind 15 Grabhügel, die im Jahr 1848 untersucht wurden und eine reiche Bedute gewährten. (G de Bonstetten, les Tombelles d’Anet, Recueil d’Antiquités Suisses, Carte arch. Du Canton de Berne p.3-4)

Ein blutiges Ereigniss ist es, das den Namen von Jns zum ersten Male bekannt macht.

Ein Herr von Tegerfelt tödtete im Jahr 851 den Bischof David von Lausaanne in Anes (Ins) neben dem Bache, der durch das Dorf fliesst, bei einem grossen Steine. Noch lange Jahre nachher waren auf demselben die Blutspuren zu sehen. Bischöfliche Leute aus der Nähe gaben ihren Herrn selbst preis. Desshalb nannte man ihre Heimath Treitun (Verrath). So erzählt das Cartular von Lausanne (FRB I. 230-231) Alle näheren Umstände sind uns unbekannt.

Vermuthlich ist das Anestre, das wir in einer Urkunde von 1009 finden, unser Jns. Damals gab ein Hupald der Abtei St.Moritz (St. Maurice) Haus, Hofstatt und einen Weinberg zu Anestre in der Grafschaft Bargen und tauschte dafür von ihrem Vogte Burkhard die Kirche zu Lyss ein; nach seinem , seiner Frau und seines Sohnes Tode sollten beide Besitzungen an die Abtei fallen (FRB I. 292-293)

Wann und wieso das Kloster St.Moritz seine G¨üter im Seelande veräusserte oder verlor, wissen wir nicht; nach der geannten Urkunde wird es hier nicht mehr erwähnt. Jm folgenden Jahrhundert tritt die  Abtei von St.Johannsen in den Besitz seiner seeländischen Güter ein: Jn der Bestätigungsbulle Lucius III. für St.Johannsen wird unter dessen Gütern der Hof von Anesi genannt, der wahrscheinlich eine Vergabung der Stifter der Abtei war (FRB I. 478)

Nicht die Kirche von Jns war der Abtei übergeben, wie Lohner 493 berichtet; die Bulle erwähnt nur den Hof und ausserdem erscheint die Kirche bald darauf, 1228 als selbständige Pfarre. Jn der Bestätigungsbulle Honorius III. von 1221 wird auch der Hof zu Anes erwähnt (FRB II. 30)

Später hatten noch andere Klöster Besitz im Dorfe:

Gottstatt erhielt 1351 das Recht, seine Mühle zu Mett mit Mühlesteinen aus Jns zu versehen (FRB VII. 560)

Altenryf erhielt vom Grafen Rudolf von Neuenburg 1230 das Recht, jährlich zwei Mühlesteine aus dem Mühlesteinbruch zu Jns zu beziehen. Wenig später ward ihm erlaubt, jährlich vier Mühlesteine zu holen (FRB II. 106, 271.

An Andreasbrunnen wurtde um 1250 von Ulrich von Jns, Ritter, ein Zehnten zu Jns um 8 Pfund Pfennig verpfändet (FRB II. 333)

Werner Cherro besass 1277 eine Schuppose zu Jns als Erblehen des Priorats der Petersinsel, für welche er jährlich ein halbes Pfund Wachs zu entrichten hatte (FRB III. 213/214)

An Bellelay hastte Rainald von Tavannes zu seinem Seelenheil Güter zu Jns und Neuenstadt vergabt; später beanspruchte sie Johann von Tavannes, aber in offenem Gerichte zu Biel 1337 erklärte derAbt von Belllay eidlich, die Güter seien von Rainald vergabt (FRB VI. 365)

Laut Schiedsspruch von Bern von 1439 gehörte der Heuzehnten von Jns der Abtei Gottstatt, der Kornzehnten Jakob von Endlisberg und Petermann von Buchsee ( N.F.v.Mülinen, Lexikon V. 92 Mss)

Freilich erscheint als der grösste geistliche Besitzer im Dorfe immer die Abtei St.Johannsen.

1267 setzte ihr Nikolaus von Gürbrü einen Hof am Orte Costel bei Jns zum Pfande. Die Gräfin Richenza von Neuenburg schenkte ihr im gleichen Jahre zu ihrem und ihres verstorbenen Mannes Seelenheil ein Eigengut zu Jns. 1296 schenken ihr Adelheid, Wittwe Walthers von Tavannes, ihr Sohn und dessen Schwiegervater Simon von Courtlary eine Eigenschuppose zu Jns (FRB II. 697-698 III. 657) 1347 verkaufte Heinrich Papst an die Abtei seine Beunde oder Hofstatt, eine Juchasrte, zu Jns um 115 Schilling weisser Münz und nahm sie gegen einen jährlichen Zins von 5 Schilling, 1 Kapaun und 20 Eier wieder zu Lehen (St. Johannsenbuch im Staatsarchiv Bern II. 232)

Grund und Boden gehörte den Grafen von Neuenburg-Nidau, - der Zehnten dagegen ihren Vettern, den Herren von Welschneuenburg und zwar scheinen diese viel auf ihn gehalten zu haben (FRB III. 183, 204, 213-214, 336) 1265 musste Rudolf von Neuenburg, «Graf von Erlach», für Erlach und das Eigengut in Jns dem Garfen von Savoyen huldigen (FRB II. 628)

Auch von Bern, als dieses 1476 zur Herrin des Landes geworden, sind Belehnungen bekannt: Es gab am 7.November 1484 dem Wilhelm von Endlisberg den halben Laienzehnten zu Jns und Twing und Bann zu Schüpfen zu Lehen (Schlafbuch des Schlosses Erlach S.29)

Der Etterzehnten oder kleine Zehnten von umfriedeten Grundstücken (Krautgärten, Baumgärten, Hanfbündten, Weinbergen,Wiesen) in der Nähe des Dorfes gehörte im Jahre 1713 der Pfarre (Erlachbuch I. 141), im Jahre 1761 zu ¼  der Frau Oberst Baudard, geborener Zeender, zu ¼  dem Schlosse Erlach und zu ½  der Pfarre. Frau Baudard verkaufte am 4.Juli 1761 ihren Theil um 8000 Pfund Pfennige an Johann Knecht, Vogt zu Oron; dessen Enkelin brachte ihn ihrem Gemahl zu, dem Schultheissen Niklaus Friedrich von Mülinen und dieser tauschte ihn am 23.September 1857 um das Bächigut neben der Chartreuse zu Thun an Bern (Erlachbuch II. 264 N.F.v.Mülinen Lexikon V. 92, Jnventarium über J.Knechts Verlassenschaft, Mss in des Verfassers Familienschriften)

Die Mühle zu Jns, einst zum Mannlehen von Erlach gehörig, wurde 1676 von einem Samuel Meister betrieben (Mannlehen von Erlach im Staatsarchiv S.209).Sie gibg am 16.Juli 1728 durch Kauf an Franz Ludwig v. Graffenried, später an die Lentulus und am 9.Dezember 1808 an Franz Ludwig von Rougemont von Neuenburg über (Mannlehen von Erlach)

1681, am 27.August, verkaufte Bern die alte Zehntscheuer zu Jns an Landvogt von Muralt und B.C.Stürler um 400 Kronen (Erlachbuch I.122)

ZU verschiedenen Zeiten haben die Bewohner von Jns sich als wackere Kriegsleute erwiesen. So wurde die Mannschaft des Grafen von Romont vor der Schlacht von Murtern, als sie in’s Seeland einbrach, von den Jsnern, die sich Alle, Mann und Weib bewaffnet hatten, zurückgetrieben.

Seeländer und Neuenburger wagten 1535 den Vorstoss zu Genfs Befreieung; sie besiegten die Feinde, von denen sie bei Gingins in ein Falle waren gelockt worden.

Jm Bauernkriege waren «die aus der Herrschaft Erlach» die einzigen des deutschen Gebietes, welche der Regierung unverdrossen und treu zu Hüöfe eilten.

Dagegen sind die Gugler 1375 nicht bei Jns geschlagen worden, sondern bei Jens

Feursbrünste suchten Jns heim am 28.Juli 1562, wo in Folge von Brandstiftung das ganze Dorf verbrannte, im Mai 1655, wo 24 Häuser an der Gampelenstrasse zerstört wurden, ebenso vom 7. Auf den 8.Mai 1798 und 1849.

Berühmt ist die Aussicht, welche man von Jns aus geniesst. Sie erstreckt sich über das Gelände der drei Seen, nach dem Jura und den ASlpen, vom Titlis bis zum Montblanc. Jhrer überwältigenden Schönheit hat Sigmund Ludwig Lerber vor bald hundertfünfzig Jahren beredten Ausdrtuck verliehen in seinem Gedichte la Vue d’Anet.

Nördlich vom Dorfe, auf dem Wege gegen Erlach, westlich vom Galgenhubel, stand eine dem heiligen Jodocus geweihte Kapelle, deren Stelle noch St.Jodel heisst (N.F.v. Mülinen, Lexikon V. 121 Mss)

Burgergeschlechter von Jns: Anker, Blank, Durni, Feissli, Füri, Gugger, Gaschen, Gatschet, Geissler, Graser, Gutmann, Heubi, Jenni, Kissling, Probst, Reubi, Scheurer, Schwab, Tribolet, Tüscher.

Albert Anker, geboren den 1.April 1831, Sohn des Samuel, ist einer unserer beliebtesten Genremalert.

Es gab ein edles Geschlecht von Jns (de Anes) das zum neuenburgischen Dienstadel gehörte (FRB I. 515).

Etymologisch
Eis französisch Anet, 1215 Anes, Hanes; weder von lateinisch insula, noch von der heiligen Anna, sondern von keltisch inis, bretonisch Enez, Jnsel

Die Sprachgrenze ist am dt.-rom. Doppelnamen Ins/Anet und am Wechsel der dt.-rom. Urkundenform ablesbar. Etymologische Grundlage ist die romanische Form Anes, die Hubschmied (VR 3,125) auf gall. *anäs <bei den Sümpfen> zurückführt. Die an den heutigen topographischen Verhältnissen orientierte These ist zu überprüfen, da neuere archäologische Forschungen für die Zeit der Kelten das Seeland als trocken und fruchtbar erkennen lassen; die Versumpfung tritt erst im Mittelalter ein (vgl. H.Schwab, die Vergangenheit des Seelandes in neuem Licht, 1973 S. 141 ff.)

Zimmerli 1895

Im Volksmund Eis, frz. Anet, in einem wein- und getreidereichen Gelände, ist eines der grössten und schönsten Dörfger des Kantons Bern. Es zählt 297 Haushaltungen mit 1339 Personen. Eine Pächterfamilie und etwa 20 vereinzelte Personen gehören der welschen Zunge an. Der Name des in der Nähe gelegenen Waldes Galgenstauden erinnert und daran, dass in Ins einst das Landgericht der alten Herrschaft Erlach seinen Sitz hatte.

Als älteste Bürgerfamilien gelten die Lausselet, Scheurer, Eicher (ausgestorben), Blank, Füri, Gatschet und Anker.

Interessante Flurnamen z.T. romanischer Provenienz sind im Clos (Fundstätte römischer Altertümer), unter der Rif (sub ripa), im Greischi( zu crista, cresta: Kamm,Erdwelle ?) , auf der Gästleren ( zu castellum? Vgl. casale situm apud Anes, in loco qui dicitur Costel 1267, FRB II, 697), im Looch ( urkundlich zeme lo 1228,Jahn Kt. Bern antiquarisch- topo. Beschr. S.493, mhd. lôch, Gebüsch), im Reuschelz (Runsholz), im Lüschbach (spr. Lüschi, iwie der Dorfname Lyssach zu altem Lisc-ahi gehörend), in den Muhleren ( in einer Urkunde von 1650,Archiv Müntschemier: Mulchöhrle, auf dem Inser Katasterplan von 1776, ist aber heute erloschen.

Urkundlich erscheint der Ort als villa Anes 851, FRB I, 231; villa Anestre 1009, ibid I, 293; Borcardus de Anes 1179, Gall. Christ. XII i.c. 158; Burchardus de Ins 1181, FRB I, 468; Gerardus de Hyns 1182, ibid I, 472 ; curia de Anesi 1182, ibid I, 478 ; curia de Anesi 1185, ibid I, 478 ; villa de Hanes 1265 , ibid II, 628 ; Yollin Brancho de Anes 1338, Gemeindearchiv Erlach, no.9

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