Bözingen
Französisch Boujean, Bezingen 1181, Busingen 1234, Bochesingen 1281, Böxingen 1300, Boeuxingen um 1380
Dorf und Gemeinde mit 2493 Einwohnern in 510 Häusern im Amtsbezrik und in der Kirchgemeinde Biel, 7 ¼ Stunden vomn Bern entfernt. Das Dorf, städtisch gebaut, liegt zwischen Biel und Pieterlen am Eingang der Scheussschlucht (Taubenloch)
Bözingen gehörte von Alters her zum Herrschaftsgebiete von Biel. Es bestand dort ein Dinghof, cour colongère, weo jährlich zweimal das Landgericht vom bischöflichen Meyer abgehalten wurde. Die Rechte des Bischofs von Basel waren in einem noch erhaltenen Rodel festgwestellt. (C.A.Blösch, Geschichte der Stadt Biel I , 71-76, FRB II. 144, Troullat I 541, IV. 119, L.Stouff, le pouvoir temporel des Evêques de Bâle, in den Pièces justif. 64-67. L.Stouff, le Régime Colonger dans la Haute-Alsace et les Pays voisins, I.c.)
Bereits 1181 besass die Abtei Bellelay bei Bözingen ein Allod Trideluonnis (Trouillat I.386)
Um die Mitte des 14.Jahrhunderts hatte der Ritter Gottfried von Eptingen auf dem Bözingerfelde Einkünfte als Burglehen von der baslerischen Burg Biel zu beziehen (FRB VII.391)
Mit Biel erlebte Bözingen den Tauschhandel des Bischofs und Berns und 200 Jahre später die Einverleibung in Frankreich. 1815 kam es als ein Theil der Pfarrgemeinde Biel zum Amte Nidau; als Biel 1832 ein eigener Amtsbezirk wurde, gehörte Bözingen dazu und ist es seitdem verblieben.
Es gab auch ein Geschlecht, das den Namen des Ortes trug. Jakob de Boujean und seine Frau verkauften einen Acker bei Biel an das Kloster Bellelay, was der Bischof von Basel 1254 genehmigte.(FRB III. 379, Trouillat I. 600). Ein Geschlecht Bötzinger war in Solothurn angesessen (Holzhalb I. 304)
Burgergeschlechter: Biberstein, Bratschi, Dänger, Hossfeld, Lienhardt, Monning, Oster, Ritter, Ryffe, Tschäppät, Vogt, Wyssbrod, Zeiher, Zimmermann. (Rämy 192)
Aus Bözingen stammt Herr Hermann Lienhard, geboren am 26. Dezember 1851, bernischer Oberrichter 1882-1886, bernischer Regierungsrath seit 1890, Regierungspräsident 1892, Mitglied des Ständeraths seit 1890-
Im Juni 1874 wurde das Dorf durch eine Feuersbrunst heimgesucht.
Etymologisch
Primärer SN, der eventuell eine romanische Lehnbildung mit einem germanischen PN und dem romanischen Siedlungsnamensuffix – ens < -ingos oder ach eine alemannische Bildung mit einem ahd. PN und dem ahd. Suffix -ingun (s. Suffixglossar) zeigt (Besse, Namenpaare,66 ff.; Wuld Müller, brieflich; Glatthard, Aatre/Saane 196f s. auch die Besprechnug von Magglingen in BENB I/3 212) Der zugrundeliegende PN lässt sich aus den romanischen und deutschen Namensformen nur schwer erschliessen, Besse (a.a.O) schägt unter Berufung auf W.Haubrichs einen PN *Böd(o)gis zum Samm *böd- vor (Förstemann I ,323, Kaufmann, Ergänzungsband 65f) eine Schreibung Boggis zu demselben Stamm ist belegt. Die Schreibungen Bochesingen 1281, Bogsingen 1284 und Böxingen 1300 erinnern an parallele Lautwiedergaben im Fall von Leuzigen (BENB I/3, 95f) Logesingen 1182/83 Loxingen 1231, Luxingen 1275, Lochsingen 1296, Lussinguen 1301. Die x-Graphien stehen im Obd. Häufig für in- und auslautendes gs,cks, und chs (Boesch, Urkundensprache, 17) Auch im Fall von Leuzigen lässt sich der urspr wohl zweigliedrige PN nicht mehr zweifelsfrei bestimmen. Sowohl bei Bözingen als auch bei Leuzigen ist von einer starken Verschleifung der Namenformen bereits in den frühesten Belegen auszugehen. Hinsichtlich der lautlichen -ks- (Böxingen, Bögsingen) zu dentalem -ts- (Bözingen) ab dem beginnenden 16.Jh dokumentiert ist – Zur Besprechung von nicht eindeutig identifizieren Belegen, die in manchen Publikationen wohl fälschlich zu Bözingen gestellt wurden vgl. ausführlich Besse (a.a.O)
Bezirk Biel Bözingen – Zimmerli 1891
Frz. Boujean, ein Dorf von 2504 Einwohnern, ist in Biel, mit dem es durch eine Tramway-Bahn verbunden ist, kirchgenössig. Eine grosse Anzahl Uhrenmacher, die in den Bieler Fabriken beschäftigt sind, haben hier ihr Domizil. Von 510 Haushaltungen sind 33 französisch; im Jahr 1870 gab es 369 deutsche und 15 französische Haushaltungen. In der Primarschule sind vom 4.Schuljahre an wöchentlich 6 Stunden dem Unterricht im Französischen eingeräumt.
Der Name des Ortes spricht für deutsche Gründung, während die zahlreichen romanischen Flurnamen, einzelne alte Familiennamen, sowie der Häuserbau auf zeitweise Romanisierung schliessen lassen. Es existieren hier folgende vollständige geläufige welsche Flurnamen: Hoport und Bäsport (mundartlich Hopert und Bäspert), Versanne, Schoford(mundartlich Schofor) Barei (Paroisse), Scharuque (mundartlich i der Scharugge):sechs Waldabteilungen im Norden des Dorfes, auf den Höhen gegen Vauffelin und Reuchenette; Bianchamp (mundartlich Bĭātšā),ein Stück Wald ob dem Taubenloch; im Tschäpsägä, ein Wald im Nordosten von Pieterlen; in der Rotscheten, ein Quartier des Dorfes; Comben, ein Feldauf der Seite von Mett; Champagnefeld, im Südwesten des Dorfes: in der Tschetela (mundartlich Tschätele),Rebberg und Matte in Norden; Piengsch (mundartlich Piantsch), Acker im Norden; Tschenni, Reben im Nordwesten, Echine (mundartlich Etschetschinge), Wald im Norden; Tschausele, Rebberg im Westen; i der Scholeitschi, Acker in unmittelbarer Nähe des Dorfes.Der Flurname Siwi, auf dem Grundplan der Gemeinde Süwi geschrieben, ist wohl deutsch (mudartlich s’Iwi, das Land, wo Eiben wachsen) und dem Flurnamen s’Erli zur Seite zu stellen (vgl. iwi im Schweizerischen Idiotikon I, 613)
Die ältesten Bürgerfamilien heissen, Tschappät, Moning( in einer deutschen Urkunde von 1684 noch Monnin geschrieben) Wyssbrod und Biberstein. Tschapät ist die mundartliche Form des im welscvhen Jura häufg vorkommenden Namens Chappatte, während Wyssbrod die deutsche Version des im Kt. Freiburg und im Jura noch heute sich findenden Namens Blacpain ist, der früher hier ebenfalls exisitiert haben soll. Wyssbrod und Blacpain sind ein Besipiel jener onomatischen Doppelformen, die in unbseren sprachlichen Grsanzgebieten öfters wiederkehren. Vgl. die Namen Allemaand in Evilard und Deutsch in Ligerz, Cornu im Murtenbiet und Hurni in Kerzers und weiterhin im Kanton Freiburg: Gras-Schmutz, Gendre-Techtermann, Vieillard-Alt, Dupaquier-Vonderweid, Bugniet(freiburgisch bönie=frz. Beignet mit der bedeutung Brödchen)- Weck u.a.
Die ältesetn im Gemeindearchiv erhaltenen Urkunden gehen nicht vor den Anfang des 16.Jh. zurück und sind alle deutsch.
Die meisten Häuser sind städtisch gebaut, doch gibt es noch einige alte Bauten mit romanischen Steinbogen und Flur; eine Anzahl Häuser dieser Art seien durch eine grosse Feuersbrunst im Jahre 1874 zerstört worden.
Urkundliche Belege: Bezsingen 1008 Trouillet I, 150; ecclesia de Bassiniaco 1148, Sol. Wochenbl. 1829, 618; advocacia a Lieresie usque Busingen um 1234 (FRB II, 144) usw.