Wingreis

Französisch Vingras, Windgrabs 1235, Windegrabs 1236, Wingrebs 1321, Wingreps 1397, Wyngreps 1409, Wingres 1530, Wingröws 1534

Dörfchen von 92 Einwohnern in 13 Häusern am nördlichen Ufer des Bielersees, Gemeinde Twann, Amtsbezirk Nidau. Es liegt zwischen Tüscherz und Twann, 20 Minuten von Twann, 25 von Tüscherz, 2 Stunden von Nidau und 8 ¼ von Bern entfernt. Bei Wingreis befand sich in der Steinzeit eine Pfahlbausation. Jm April 1880 wurdeam Ufer ein Kahn (Einbaum) aus Eichenholz von 9 ½ Meter Länge entdeckt und glücklich dem Seegrunde entnommen (V.Gross im Anzeiger für schweizerische Alterthum. 1880 S.69-70). Von Funden am Seeufer sind Ziegel, Eisenstücke und zahlreiche Pfeifen aus Eisen und Thon zu erwähnen (G.de Bonstetten Carte arch. 45)

Die Abtei Engelberg kaufte 1235 vom Freien Ulrich von Ulfingen um die beträchtliche Summe von 49 Mark Reben in Wingreis und Rogget mit zwei Theilen Wald, letzteren vielleicht zur Beschaffung von Rebstöcken. Papst Gregor bestätigte 1236 die Besitzungen der Abtei, darunter auch die Rebgüter in Burgund mit Wingreis (FRB II.155. B.C.FGrunz und H.v.Liebenau, Engelberg im 12.und 13. Jahrhundert S. 69-70)

Die Abtei Fraubrunnen kaufte 1344 von Hugi Thüllis Wittwe und Sohn einen Weinzins von 4 Mannwerk Reben oberhalb Wingreis, die an die Reben von Engelberg anstiessen, 2 Mannwerke von Claus von Tess 1409, Reben von Tschanpyrri von Corgemont 1412. Laut Reburbar von 1534 besass Fraubrunnen 20 Mannwerk in Wingreis (Amiet, Regesten von Fraubrunnen N. 191,316, 320, 327, 350, 360, S. 176)

Wingreis gehörte zu der Herrschaft Twann und gelangte mit dieser 1487 an Bern. Es blieb bei dem Gerichte Twann der Landvogtei Nidau.

Von einem Geschlechte , das den Ortsnamen trug, sind erwähnt: Heinrich 1321, Ulrich 1332, sein Sohn Johann 1342, Ulrich 1397.

„An der Bachtelen zu Twann, schreibt Alexander von Wattenwyl in seinem Nidoviensia S.51, stuhnde ein starker Thurm und hinter demselben neben dem Pfrundhause des Herrtschaftsherren seine Wohnung; dieselbe besasse neben dem Hauss und Güteren zu Wingrebs Bendicht Schütz, dess Raths zu  Bern. Nach seinem 1540 erfolgten Absterben fielen solche auf Peter Zeender, seinen Grosssohn, der sie 1560 Venner Hanss Sager verkauft.“

Der Venner Hans Sager kaufte damals verschiedene Reben in Wingreis undbildete aus ihnen ein stattliches Rebgut. Das Setzhaus besass er bereits 1560. Als er 1571 starb, behielten seine Söhne Hans Rudolf und Michel die Güter ungetheilt bis 1580, Hans Rudolf Sager ist der bekannte Schultheiss von Bern. Er wurde fgeboren 1547, 1570 des Grossen Raths, 1573 Landvogt zu Unterseen, 1580 des Kleinen Raths und Venner, 1586 Bauherr, 1594 Teutsch-Seckelmeister und 1597-1622 Schultheiss von Bern. 1584 war er Abgesandter bei der Beschwörung des Bundes mit genf, 1589 Kriegsrath im Zuge gegen Savoyen; 1602 beschwor er in Paris den Bund mit Heinrich IV. von seinem Bruder Michel ward er 1587 zum Erben eingesetzt.Die Güter kamen nach seinem Tode an seine einzige Tochter Maria, Gemahlin von Johann Anton Güder, Besitzer von Holligen (der Burgern 1591, Landvogt nach Thorberg 1594, nach Fraubrunnen 1605, starb 1627).Sie hatten zwei Töchter, deren eine, Maria, 1614 Nijklaus Kirchberger, des Raths und Herrn zu Bremgarten, heirathete, dem sie das Obere Gut (bei Twann) zubrachte. Die andere, Anna, heriathete 12607 David von Büren, Herrn zu Dettingen und Mitherrn zu Seftigen ( 1582-1625, der Burgern 1608, Grossweibel 1612, Landvogt von Aarwangen 1615, des kleien Raths 1623) und erbte Wingreis. Deren einzige Tochter Anna von Büren vermählte sich 16378 mit Herrn Albrecht von Erlach von Spiez, Sohn des Schultheissen Franz Ludwig (1614-1651 (1652), der Burgern 1638, Schultheiss zu Thun 1644, Hauptmann in der französischen Schweizergarde) Nach ihm besass sein Sohn Albrecht, Freiherr von Spiez und Herr von Riggisberg (1644 – 1723, der Burgern 1673, Landvogt von Frienisberg 1679, des Raths 1693, Venner 1696)das Gut 1651; er vermehrte es durch Ankäufe.Beide Erlach liessen am Hause neu bauen. Steinerne Pfosten tragen die Jahrzahl 1640 (aus früherer Zeit, 1624, stammt die grosse Thüre); das Portal schmückten die Wappen von Erlach und von Büren. 1688 kaufte Herr Victor von Erlach,(1648 – 1730), der Burgern 1680, Landvogt zu Aarberg 1683-1690, Vogt zu Sumiswald 1701-1707) das Gut um 28‘600 pfund und hinterliess es seinem Sohn Victor (1672-1745), der Burgern 1710, Hauptmann in Frankreich, Hofmeister von Könsigsfelden. Nach dessen Tode kam es in der Theilung um 32‘000 Pfund an Franz Ludwig von Erlach. Dieser verkaufte es am 6.Oktober 1755 an seinen Schwager Alexander Ludwig von Wattenwyl, Gemahl seiner Schwester Dorothea Salome, den bekannten Historiker, um 35‘000 Pfund und 45 Dukaten. Seine Wittwe trat das Gut am 16.April 1786 ihren Kindern ab. Durch das Loos fiel es am folgenden 30.Juni an die Ehemännder ihrer Töchter Alexandra und Henriette, Abraham Friedrich von Wattenwyl (1738 – 3.Oktober 1803, von der Linie von Diessbach und Montbenay;Hauptmann in Frankreich, der Burgern 1775, Landvogt zu Erlach 1781, Oberst über das Jägercorps, Commandant der Berner Garnison zu Genf 1792, des Raths 1794, Venner 1794) und Bistor Franz Effinger (1734 – 27.Dezember 1815, von der Linie von Wildegg; der Burgern 1775, Schultheiss nach Büren 1778 – 1784, des Raths 1788, verwundet im Grauholz, Mitglied des Grossen Rathes 1803) Dieser übernahm das Gut allein und trat es 1805 seinen Kindern ab. Seine Tochter Maria heirathete Franz Albrecht von Forer von Landshut (1768 – 1841, Canzleisubstitut und Commissionsschreiber, des Grossen Rathes 1814- 1831, Vogt zu Signau 1817) der das Gut am 1.Januar 1810 übernahm. Von diesem kam es an seinen Sohn, der es der Tochter seiner Schwester (vermählt an Friedrich Rudolf Steiger von Tschugg) vermachte Frau Thormann, die es noch besitzt (Gefällige Mittheilung von Frau Thormann)

Jn Wingreis befand sich ein Steinbruch, die Thomas-Gasse genannt.