Twann
Französisch Douanne, Duana 1185, Duan 1213, Tuanna 1225, Tvanns 1235, Tuwanno 1237, Duane 1253, Tuanne, Tuanna 1335, Twanna 1338, Twanne 1357, Duanna 1453
Grosses Pfarrdorf am nördlichen Ufer des Bielersees zwischen Ligerz und Wingreis, im Amtsbezirk Nidau, von diesem 2 und von Bern 8 ½ Stunden entfernt. Es bildet eine lange, dem See nach gebaute enge Strasse und besteht aus den Dörfern Gross- und Klein-Twann. Das Dorf hat in 73 Häusern 439 Einwohner, die sich meist mit Weinbau beschäftigen. Die Gemeinde Twann besteht aus Gross- und Klein-Twann, Moos, Jnsel, Wingreis, Gaicht, Kapf, Megglingen und Tschüppeli und hat in 147 Häusern 187 Einwohner. Die Kirchgemeinde Twann umfasst Twann, Tüscherez und Alfermee und hat 1198 Einwohner.
Eine wenn auch nicht bedeutende Pfahlbaustation aus der Steinzeit befand sich vor Twann (Mittheilung von Herrn Dr. E. von Fellenberg) Auch in der römischen Zeit war der Ort besiedelt. Das lehrt uns das in den Felsen oberhalb des Dorfes befindliche Hohliloch. 1875 wurde es von Herrn Dr. Edmund von Fellenberg systematisch untersucht, der mir darüber Folgendes mittheilte:
„Die Höhler ist nicht tief im Boden, indem der Boden, Juraklak, rasch in einer terrassenförmig abgestuften Fläche ansteigt. Diese zeigt viele schalenförmige Einsenkungen und kreisrunde Schalen, die aber nicht künstlich sind, sondern von dem herabfallenden Wasser herrühren, sogenannte Cascadellenlöcher. Vorn durch die Höhle hingegen zeiht sich von einer Ecke zur andern eine sehr sorgfältig gearbeitete Mauer, welche den abfälligen Boden der Höhle zu einer geraden Terrasse umgestaltet hat. Sie zeigt das Charakteristische der aus regelmässigen kleinen Quadern mit Fugen über Quadermitte gebauten römischen Mauern. Hinter ihr war der Boden 1 – 1 ½ Meter tief zusammengesetzt aus feiner Erde, Kohle und Asche. Darin fanden sich die zerschlagenen und halbverbrannten Knochen vieler – durchaus junger – Thiere, Ferkel, Ziegen, Lämmer, daneben zahlreiche Bruchstücke roher keltischer oder kelto-römischer Töpferwaren. Die Funde und der Fundort lassen kaum einen Zweifel übrig, dass, wie zuerst Amiet erklärt hat, hier eine kelto-römische Opferstätte bestand“ (S.Pagan, historische Beschreibung der Vogtei Nidau S.14-15 (1768)
Vom Orte vernahmen wir erst wieder etwas, als das Mittelalter bereits weit vorgeschritten war.
Da gehörte das Gebiet einem freien Geschlechte, das sich von Twann (Duana) nannte. Seine Burg scheint in der Mitte des 13.Jahrhunderts noch gestanden zu haben (FRB II. 358). Ueberreste findet man noch auf der Twannfluh („Burgfluh“) oberhalb dem Dorfe, von wo man eine schöne Fernsicht geniesst. Der „Bigisacker“ oberhalb Wingreis wird 1568 als Pyquartsacker in der alten Burg unter Geyacht gelegen bezeichnet. Auf der etwas weiter östlich gelegenen Schlossfluh hat, wie es scheint, niemals ein Schloss gestanden (Mittheilung von Herrn F.Hirt in Twann)
Die Herren von Twann vergabten im 12.Jahrhundert die Hälfte des ganzen Weinzhntens von Twann, den Zehnten von 9 Häusern ausgenommen, an St. Johannsen (FRB I. 478 II. 66)
Die Herrschaft Twann erstreckte sich von Twannbach bis zur Fluh, einem in den See ragenden Felsen und eine handwurfsweit in den See. Bereits im 13.Jahrhundert gehörte sie den Edlen von Tess. Clara, Erhards von Tess Tochter,brachte sie 1334 ihrem Gemahl Otto von Vauxmarcus zu, bei dessen Geschlecht sie verblieb, bis Elisabeth von Vauxmarcus sie erbte und an Jvo von Bolligen brachte. Dessen Sohn Jakob verkaufte sie 1422 an den bernischen Schultheissen Rudolf Hofmeister (C.A.Blösch, Geschichte der Stadt Biel I. 124, Rudolf Hofmeister , von G.Tobler in der Sammlung bernischer Biographen I. 408). Ein Bann- und Marchbrief von 1426 giebt folgende Grenzen der Herrschaft an: Zum 1. Ze Funtschmann an dem Grien und so weit in den See, als ein Knecht mit einem Stein werfen kann und von Funtschmann auf und an die Krützete Eich, vo da in grubete Matte und den Bielweg hinauf und zu der alten Bläue zu Lamligen und darnach den Bach ab und in den See ein Handwurf weit. 1441 kaufte Herr Rudolf Hofmeister das Eichebahnholz von Rudi von Ligerz, Burger zu Bern, Bauholz für die 2 Mühlen vorbehalten. Rudolf Hofmeisters Wittwe, Cäcilia von Reinach, verkaufte die Herrschaft am St.Ulrichstag 1454 an den Ritter Caspar vom Stein, ebenfalls Schultheissen von Bern. Es erbte sie sein Sohn Petermann, dessen Wittwe Anna von Dachsfelden sie an Wilhelm von Diesbach, Schultheissen von Bern, verkaufte um 1100 Gulden, nämlich: Gericht, Twing und Bann des Dorfes Twann, das heisst die ganze niedere und die halbe hohe Gerichtsbarkeit.Wilhelm von Diesbach verkaufte sie 1487 an Bern. Twann und Nidau steuerten selbst jedes 100 Gulden dazu (Rathsmanual 57. S.41 zum 13.Januar 1487. Anshelm III. 322)
Die hohe Gerichtsbarkeit gehörte halb dem Twingherrn und halb der Grafschaft Nidau. Bern erwarb sie durch die Eroberung von Nidau 1388 und den ASbkauf vom letzten Twingherrn Wilhelm von Diesbach.Bereits 1426 waren von bern und Abgeordneten Biels, Nidaus und Bürens die twingherrenrechte, namentlich die Rebhut, genau festgestellt worden.
Den Bauern von Twann wurden 1485 auf ihre Bitten 2/3 der Steuern erlassen und 1494 kauften sie sich um 100 Rheinische Gulden von der Leibeigenschaft ganz los.
Jm Bauernkriege blieben die Leute am See (nicht nur das Amt Erlach S 263) der regierung treu; die eine Hälfte ihres Auszuges stiess zu Bern, die andere zu Biel; 2 Mann wurden noch in das Schloss Nidau gesandt. 1673 wurde den Twannern und Ligerzern für bezeugte Treue das Ohmgeld erlassen.
Herr Kuno von Twann musste 1213 die von seinem Onkel Konrad der Kirche von Cressier entzogenen Zehnten von Enges und Wams (?) zurückerstatten (FRB I.513,514) Noch 1311 war sein Geschlecht im Orte begütert.
Folgende geistliche Stifte hatten hier Besitz: St.Johannsen, Bargenbrügg-Leuzigen, Thorberg, Tedligen, das Priorat der Jnsel, besonders aber Fraubrunnen und die Johannitert von Buchsee und Thunstetten (FRB I.c., Amiet, Regesten von Fraubrunnen, Stettler, Regesten von Buchsee, Pagaan 131) Die reben der Tedlinger- Frauern, bei 28 Mannwerk ( 3 ½ Jucharten), 786 Mass Weinzinses, erhielt nach der reformation das Spital in Bern.
Rebbesitzer weltlichen Standes waren: Die Tess, Illfingen, Biel, Wyler, Mutzwyler (Montsevelier), im Thurm von Basel, Büderich, Courtelary, Täuffelen, Vaumarcus, Coergemoont und vom 14. Jahrhundert an auch Burger von Biel, Bern, Solothurn u.s. 1427 erhielt der bernische Schultheiss Rudolf Hofmeister das Gut Kross in Twann von den Johannitern in Buchsee uzu Lehen (Stettlers Regseten N. 187). Am 1.Dezember 1483 verkauften der Alt-Schultheiss Rudolf von Erlach und Hans von Erlach, Edelknechte, um 12 Rheinische Gulden einen Zins von 2 Sester Wein, sowie 5 ½ Sester Wein von Stücken zu Alfermee und 3 ½ von Gütern zu Gross-Twann jährlichen und ewigen Zises, an das Kloster St.Urban (Luzerner Archiv, Acten von St.Urban) Jm Beginn des 16.Jahrhunderts besass Glado May Reben zu Klein-Twann, die dem Pfarrer von Ligerz zinspflichtig waren ( St. Johannsenbuch I .653). Jakob Tillier, gewesener Stiftsschaffner, der bereits Haus und Reben in Klein-Twann besass, kaufte am 11.November 1677 ein anstossendes Haus und Trüel von Alexander von Wattenwyl um 100 Kronen.
Ein Haus und Gut in Twann bersass der bernische Schultheiss Johann Rudolf Sager (1597 – 1623). Es scheint jenes des Twingherrn Wilhelm von Diesbach, zunächst der Kirche, zwischen dem See und der Strasse, gewesen zu sein. Sagers Tochter Maria brachte es ihrem Gemahle Johann Anton Güder von Holligen zu (gestorben 1627). Jhre glerichnamige Tochter heirathete Niklaus Kirchberger, Herrn zu Bremgarten und des Raths, der das Gut erhielt. 1737 gehörte es der Hofmeisterin Steigert, 1768 Herrn Rudolf Steigre, des täglichen Raths von Bern. Heute besitzt es Herr Karl Engel (Steck, historische Nachrichten über den Spital vom heiligen Geist in Bern II. 141, Pagan S.82,ein Plan von 1737 im Besitz der Frau Thormann in Wingreis)
1737 besassen östlich von der Kirche gegen Wingreis zu noch Reben: Hofmeister Victor von Erlach, Herr Landvogt von Büren, Herr Heimlicher Steiger und ein Herr Frisching. Biel hatte ebenfalls in Twann Reben, die in der Revolution 1798 um 2730 Kronen losgeschlagen wurden. Ein Jahr vorher hatte ihre Schätzung einen Werth von 4596 Kronen ergeben (Blösch, geschichte der Stadt Biel III. 179) Auch in den zu Twann gehörigen Weilern Wingreis , Gaicht, kapf, Engelberg und Rogget brfinden sich schöne Rebgüter. Haus und Hof zu Geyacht (Gaicht) kauften die von Twann am jakobstag 1529 vom aalten Johanniterhause Buchsee um420 Pfund (die Artikel Wingreis, Engelberg und Rogget)
Die Krichgemeinde von Twann wurde durch Decret des Grossen Rathes am 17.Mai 1876 um Ligerz und 1879 um Tüscsherz und Alfermee vergrössert. Duerch ein Decret vom 8. November 1889 wurde Ligerz wieder eine eigene Pfarrei.
Geschlechter von Twann: Engel, Fassnacht, Haben in Bern 1622 , Gertsre 1824 und 1867 Burgerrecht genommen, jene sind auf Schmieden, diese auf Moghren zünftig geworden. Aus der cfamilie Gerster sind viele Notarfien und auch Geistliche hervorgegangen ( N.F.v.Mülinen, Landgeschlechter Mss, 268, 270)
Jn der malerischen Twannbachschlucht heisst eine Höhle die Täuferhöhle, was wohl auf Neutäufer hindeutet, die einst hier ihr Wesen getrieben.
Zimmerli 1891
Frz. Douanne, ein städtisch angelegter Flecken am Fusse des Twannberges, zählt 105 deutsche Haushaltungen. Auch hier weisen eine Anzahl Flurnamen darauf hin, dass wir uns auf ursprünglich romanischem Sprachboden befinden. Es gibt Grundstücke mit den Bezeichnungen : Tschampet, Domagassele, Plampeten, Pinschenetli, Champ de Merles (mundartlich tšampę de merle – Amselfeld oder so ähnlich), Mont Plaisir (nicht Mont Bijout, wie der Grundplan der Gemeinde angibt; der Name lautet im Volksmunde Mumpližūr), Tschamór, Gumeneggen, Gumenholz. Urkundlich sind indessen schon aus dem 13.Jh. Flurnamen belegt, aus denen hervorgeht, dass der Ort damals schon ganz oder teilweise germanisiert war; ich finde in einer Urkunde von 1255: Vinea que dictur zem hut Wingarten sita apud Duanna, Solothurner Wochenblatt 1831, s. 405 und weiterhin 1274: vinea sita apud Duanne que dictur „ze der Huton“ ,FRB III, 69;1278 vinee dicte Bruggelwingarten, site in Twanne, ibid III, 243; 1287 vinetum situm in banno de Twanne in loco qui theutonice dictur „under der Balmen“, ibid III, 431; vineta in territorio ville Twasnne quorum primum vocatur „Jacobessezze“ et continet in spacio XIIII cim jurnalia seu sectus qui vulgo dinctur „manewerg*, secundum Albrehtes sezze, ibid IV, 66. Ein Weg heisst in einer Urkunde von 1291 „Zer Staphon“: in villa de Tvanne, sub via dicta „Zer Staphon“, ibid III, 496.
Die vorwiegenden Geschlechter sind Krebs, Engel, Feitknecht und Mürset (frz. Murizet)
Von urkundlichen Belegen citiere ich: vinum de Duana 1185, FRB I, 514; Chono de Tuwanno 1237, Ibid II, 170; vinetum dictum Roset, ssitum in Twanne um 1293, ibid III, 573
Die Annexe Wingreis (frz. Vingra) mit 14 , Klein-Twann mit 58 und Gaicht (frz. Gigi) mit 23 Haushaltungen sind ebenfalls deutsch.
Die Reben von Wingreris sind urkundlich oft erwähnt, so 1235: vineae in Wingrabs, FRB II, 155; 1302 Wingrebs, Trouillet III, 681; ze Wingremps, Trouillet IV, 46
Das Mannwerk (mundartlich Mammert) ist auch heute noch die an diesem Seeufer übliche Flächeneinheit; ein Mannwerk ist 450 m2