Tschugg
Dschuck 1578
Am südlichen Abhang des Jolimonts hübsch gelegenes Dörfchen in der Pfarre und im Amtsbezirk EWrlach, von Erlach ½ , von Bern 8 ¼ Stunden etnfernt. Das Dorf hat 205 Einwohner in 34 Häusern. Tschugg, Matte, Buditsch, Entscherz,(dieses ist zu Gampelen kirchlich genössisch) und Fovernwald bilden eine Einwohnergemeinde (283 Einwohner in 47 Häusern)
Nördlich von Tschugg, auf dem Jolimont sind 4 helvetische Grabhügel. Zwischen den 2 erratiscchen Blöcken des „Heidensteins“ hat der verdiente Forscher Müller von Nidau keltische Spuren entdeckt (G.de Bonstetten , Carte arch.p. 21)
Jn Tschugg selbst hat man viele römische Spuren, Steine und Ziegel gefunden.
Aus dem Dorfe stammt das patricische Geschlecht der Berseth in Bern. Zu Ende des 16.Jahrhunderts bürgerte es sich hier ein, um zu hohem Ansehen zu gelangen. Jch zähle 16 „der Burgern“ , 14 Landvögte, 2 Mitglieder des kleinen Raths und 1 Venner aus diesem Geschlecht. Viele Berseth begaben sich in fremde Dienste, nach Modena, Venedig, Frankreich, Oesterreich, Piemont und namentlich nach Holland. Der letzte des früher sehr reichen Geschlechts, Jmbert Jakob Ludwig, ein überaus braver Mann, wurde 1785 „der Burgern“ und Ohmgeltner, im Februar 1798 als Regierungscommissär nach Lenzburg geschickt, dort nach Berns Fall von den freiämtlichen Bauern überfallen und mit Bajonetten misshandelt. Später war er Stadtschultheiss. Er starb den 7. August 1821
Die schönen Familiengüter zu tschugg brachte Anna Catherina Berseth ihrem Gemahl Christoph Steiger (schwarz), dem Schultheissen von Bern 1718-1731 zu. Jhr Erbe war ihr 2.Sohn Christoph, der 1747 ebenfalls Schultheiss wurde. Da er ohne Kinder starb, erhielt der älteste Sohn seines ältesten Bruders, Christoph, Schultheiss zu Thun 1766-1772, den Landsitz, sodann dessen Sohn Karl Friedrichm, Oberamtmann zu Erlach 1803-1810 und dessen SDohn Rudolf Friedrich, des grossen Raths 1818-1831. Dieser ist der Vater Friedrichs, der 1879 Tschugg verkaufen musste. Jetzt dient das vorher reich ausgestattete Haus als Anstalt Bethesda unglücklichen Epiletischen. Die Anstalt erwarb die Schlossdomäne vom Staate Bern im Spätherbst 1893 um 50‘000 Franken. Schöne Güter zu tschugg und Entscsherz besass auch das Jnselspital. Ulrich Louffis von Entscherz hatte seine Reben allda 1480 dem Jnselkloster verkauft. Ein grosses Steinernes Haus mit Trüel, anstossend an Reben der Regierung und des Herrn Johann Berseth (Catharinas Vater), kaufte die Jnsel vom Schultheissen Samuel Frisching dem ältern (vor 1679). Dazu kamen Zehnten von Gewächs und Werch und Heu und Wein und das Risoldhölzli hinter der von Erlach Burger Holz. Diese Güter gehörten der Jnsel, deren Schaffner alljährlich zum herbsten Tschugg bewohnte, bis 1879, wo ihre sämmtlichen Liegenschaften zur Deckung der Kosten des Neubaues auf der Kreuzmatte veräussert wurden. (Jnsel-Reb-Urbar von 1679, Bodenzins- und Zehnt-Urbar von 1676, Zehntrodel und Pläne (Nr. 1,51,53,57 in der grossen Kiste) im Archiv des Jnselspitals in Bern. Gef. Mittheilungen von herrn Notar Albert König, gew. Jnselschaffner)
Auch die Stiftsherren erwarben hier ein Rebgut (Klosterzinsbuch von 1466 S. 253-259) 1527 verkaufte Eberli von Vanel an Niklaus Manuel, der damals Vogt zu Erlach war, zu Tschugg um 92 Pfund (Erlachbuich I. 63b)
Eine Alte Ueberlieferung will, dass in Tschugg die Kirche von Erlach gestanden habe. Es dürfte sich wohl um eine früh abgegangene Kapelle handeln.
Zimmerli 1895
Am östlichen Abhang des Jolimont gelegen, besteht aus 60 deutschen Haushaltungen mit 283 Personen und gehört ebenfalls zur Pfarrei Erlach. Hier wurden im Jahre 1851 in den sogenannten Steinackerbeunden beim Umgraben einer Parzelle Landes eine grosse Anzahl römischer Kaisermünzen aus dem 3. Jahrhundert gefunden.
Mehrere Flurnamen sind romanischer oder unsicherer Herkunft, so Laritsch, in der Parleren, im Buditsch, in den Blingenen, im Maritzli, Allmelireben, in den Gurlen. Das letztere mag zu Gurrle, Strassenkot (Schweiz Idiotikon II, 211) gehören und von ahd. Gor, Mist , abzuleiten sein. Vgl. aber auch gor, Pfütze in den waadtländischen Patois.
Der Name des Dorfes selber ist offenbar nicht deutsch; er findet sich im St.Gallischen in ursprünglich rätoromanischer Gegend als Tschugg in der Gemeinde Pfävers. Als Tschugge, Tschuggenerbach in der Gemeinde Wartau und als Tschuggerüti in der Gemeinde Quarten, ferner als Tschuggen bei davos und Tschugguns bei Schruns.
Die ältesten Bürgerfamilien heissen , Garo, Bönzli, Tribolet, Bobermann ( ausgestorben), Bucher und Hämmerli.Am Ende des 15 Jh. Erscheint urkundlich häufig der Name Berset.
Die Tschugger Mundart wird von den Bewohnern der benachbarten Gemeinden ihres singenden Charakters wegen persiflirt.
Ein in der Nähe des zugehörigen Hofes Entscherz befindlichert Bergvorsprung heisst Heidenkirchhof, ein Name der auf vorgermanische Ansiedelung hindeutet.
Urkundliche Belege: Shuc 1221, Zeerleder Urk I, 203; Shugg 1420, Jahn, Chronik d Kt.bern S.19; Bärtschi Bremer von Entschraz 1358, Gemeindearch. Erlach; Entschers 1420, Ainssier 1476, Jahn Kt. Bern antiq- topo. S. 671