Treiten
Französisch Treiteron, Treitun, Treiton 1221, Treitun 1225, Treton 1284, Treyton 1342
Dorf von 288 Einwohnern in 55 Häusern in der Pfarre Jns, Amstbezirk Erlach. Es liegt am grossen Moos südlich der Waldungen zwischen Brüttelen und Finsterhennen, von diesen beiden Orten je ½, Ins ¾ , von Erlach 2 und von Bern 6 ¼ Stunden entfernt. Mit den Häuasern Jm Moos bildet es eine Einwohnergemeinde (300 Einwohner in 58 Häusern)
Der Name soll vom französisch-lateinischen Worte trahison, Verrath, stammen. Es wurde nämlich dort im Jahre 851 der Bischof David von Lausanne von einem Herrn von Tegerfeld erschlagen. Den Ort kannte man später noch genau: Die Frevelthat geschah in der Niederlassung Jns, neben dem Bache, der durch sie fliesst, bei einem grossen Stein, an dem das Blut noch lange sichtbar war (FRB I.231, Ruchat, Hist. Ecclésiast. Du Pays de Vaud 19)
Jm Beginn des 13.Jahrhunderts erwarb St.Johannsen Besitz in Treiten, tauschte aber um 1225 zwei Jucharten – vielleicht eben diesen Besitz – an die Kirche von Gampelen aus. 1284 überliess ihr der Ritter Werner Kerro seine Rechte an einer Schuppose in der Dorfmark von Treiten (FRB II.31,65. III.376)
Am 4. November 1345 tauschte die GHräfin Verena von Neuenburg-Nidau Zinse zweier Lehensgüter zu Treiten von der Abtei St.Johannsen (FRB VII. 145)
Bern verlieh den Jakob Malagorge, Stadtschreiber zu Neuenstadt, 1497 mit 1/3 des Zehntens von Treiten und 1509 dessen Kinder Jakob, Benedict, Hugo und Hans (Erlach, Schalfbuch 38, 56) Enneli Malagorge in Biel verkaufte ihn an Heinzmann Ruf, Schultheissen zu Erlach, unter Vorbehalt von je 3 Mütt Korn und Haber an das Schloss Erlach und die Pfarre Jns (Documenten Buch Erlach) Caspar Willading verkaufte 1613 den halben Zehnten von Treiten an Bern (Erlachbuch I. 81)
Dieser C.Willading war ein wenig würdiger Sohn des reichen Venners Christian, dessen Vater und Grossvater auch Venner gewesen.
1666 kaufte Johann Ludwig Frisching, Vogt zu Aarberg, von der Regierung die Mühle am Kanal zu Treiten zwischen dem Grossen Moos und dem Kanal. 1737 besass sie der Lieutenant Schaufelberger und 1774 Artilleriehauptmann Gabriel Mutach, der in der letzten Zeit des alten berns sich als Militär und Politiker hervorthat (Erlach Schlafbuch 247,254,319)
Es hat ein geschlecht von Treiten gegeben.
Ein Rudinus von Treiten, Mann der Grafen von Nidau, vergabte 1263 eine Schuppose zu Finsterhennen an St. Johannsen. Berchinus von Treiten hatte 1342 ein Stück Land zu Jns (FRB II. 587-588, VI. 651) Ulrich von Treiten war 1347 Leutpriester in Büren (FRB VII. 241)
Zu Bern kam Treiten gewiss mit Erlach zur Zeit des Burgunderkrieges. Es ist seitdem beim Amt Erlach verblieben.
Im Juni 1759 brannten hier 14 Häuser ab.
Zimmerli 1895
Frz. Treiteron, mit 71 deutschen Haushaltungen (300 Personen), ist in Ins kirchgenössig. Die Hälfte der Häuser sind mit Stroh bedeckte Holzbauten. Es sind nur wenige Personen im Dorfe, die etwas Französisch verstehen.
Die vorherrschenden Geschlechtsnamen sind Schumacher, Schönenberger , Niklaus, Heubi, Maurer und Löffel. Als interessantere Flurnamen verdienen erwähnt zu werden: im Gostel (Abteilung des Dorfes), Tschäppitacker (vgl. dieselben Namen unter Vinelz), Kastelacker, Groschangraben, Gräschiakcer (zu cresta ?), im Grammert, Krayenacker und Elsenmöösli.
Das Dorfarchiv ist im Jahre 1852 mit der Gemeindeschreiberi ein Raub der Flammen geworden.
Nach der Chronik des Castulars von Lausanne würde der Name des Ortes auf traditionem oder traditores zurückgehen und an den Tod des Bischofs David von Lausanne erinnern, welcher um 850 zu Ins von seinen eigenen Leuten verraten und durch den Ritter von Tegerfelden erschlagen wurde. Der Heimatort der Verräter habe seither Treitun geheissen: quidam homines dicti episcopi ipsum prodiderunt.
Unde et villa et unde ipsi erant adhuc vocatur Treitun. (1228, FRB I , 231)
Gatschet, Ortsetymologische Forschungen I, 259, leitet, im Gegensatz zu dieser traditionellen Etymologie, den Namen von territorium ab, eine Deutung die aus lautlichen Gründen abgelehnt werden muss.