Tedligen heute Detligen
Tedlingen 1282, Tedelingen 1284, Tetlingen 1351, Tedlingen 1391, Tedlingen 1472
Dörfchen von 239 Einwohnern in 34 Häusern in der Einwohner- und Kirchgemeinde Radelfingen, Amts Aarberg, am westlichen Abhang des Frieswylhubels ¼ Stunde oberhalb der Aare an der Strasse von Radelfingen nach Frieswyl gelegen 3 ½ Stunden von Bern entfernt. Es ist nicht zu verwechseln mit Dettigen in der Gemeinde Wohlen, Amtsbezirk Bern.
Es bestand dort ein Frauenkloster Cistercienserordens, dessen erste Nachrichten aus dem Ende des 13.Jahrhunderts stammen. Stiftungsjahr und Stifter sind unbekannt. Die Aufsicht führte die Abtei Frienisberg. Die ersten Besitzungen umfassten das Gebiet zwischen der Kreuzbuche(?) und der Aare, 1 Schuppose zu Landerswyl und eine Rebe zu Twann, 1282 (FRB III.335). Bekannt wurde das unbedeutende Gotteshaus durch Mechthild von Seedorf, Wittwe des m Kloster Frienisberg verstorbenen Heinrich von Seedorf. Es wollte diese dem Convente in freier Weise angehören und ihm ihr Gut vermachen, wenn er sich Frienisberg anschliesse 1284. Der Bischof von Constanz genehmigte die Schenkung und auch die Verlegung des Convents nach Brunnadern bei Bern. Als aber dieser wie Frienisberg dagegen sich sträubte, einigte man sich dahin, dass Mechthild gegen Entschädigung d.h. Abtretung ihrer reichen Güter im Seeland ihre Schenkung zurücknahm sie den Predigern, in der Absicht in Brunnadern ein Augustinerinnenstift zu gründen. Wie nun hier rötig gebaut wurde, überfielen auf Anstiftung des Abts von Frienisberg und der Aebtissin von Tedligern bewaffnete das neue Haus (Winter 1285/1286), besetzten es und quartierten Tedliger Nonnen ein. Auf vielfache Klagen wurde der Landgraf von Burgund, Heinrich von Buchegg, zum Schiedsrichter bestellt. Er entschied 1286, das Haus zu Brunnadern mit 4 Nonnen solle den Predigern verbleiben, den Klöastern Frienisberg und Tedligen aber, wass sie vorhin besessen und die Prediger sollten noch 154 Mark Silbers an Frienisberg bezahlen.Aber schliesslich hatte Friensiberg den ganzen Gewinn und Tedligen gieng leer aus (E.v.Wattenwyl, Geschichte der Stadt und Landschaft Bern I.318- FRB III. I.c.)
Das Klost6er besass viele zerstreute doch nicht bedeutende Güter: Den Hof Mazwyl, Schupposen und Wiesen zu Frieswyl, Kerzerz, Salvisberg, Kalnach (1452 von Ulrich und Petermann von Erlach erkauft), Urtenen, Bargen, Oltigen, einen Hof zu Tedligen (1470 an Pter Rot von Baggwyl zu Lehen gegeben, Buchseebuch III.373); Zehnten zu Salvisberg, Tedligen,Reben zu Fontanel bei Biel, Twann, Landeron, Leubringen, Ligerz, Vingelz, Bühl; Zinse zu Wyleroltigen, Radelfingen, Kerzerz, Murzelen, Büren; 1395 Häuser in der neuen Stadt zu Biel, 1371 an der Golattenmattgasse in Bern (Stift Documenten Buch I. 324, Ev.Rodt, Bern. Stadtgeschichte 189) ; 1/3 des Gerichts zu Ostermundigen mit 2 Zinsgänsen vom Gansacker und die Acherum für die Klosterschweine im Radelfingerwalde (1409) von Hans von Bubenberg, Buchseebuch III. 363). Es erwarb ferner 1421 den Altar und so fort in der Kirche von Radelfingen durch Vergabung Heinzmanns von Bubenberg, dessen Familie bereits im 13.Jahrhundert in Tedligen begütert war. (M.v.Sürler, Genealogie von Bubenberg, Mspt. Auf der Stzadtbibliothek in Bern). Vogtei und Kirchensatz von Mwykirch wurden ihm 1401 vergabt von Rudolf von Schüpfen und dessen Gemahlin Amphalissa von Burgistein. 1417 gewährte Papst Martin V. die Einverleibung dieser Kirche in das Kloster und bestimmte 1418 noch ,dass die Einkünfte der Kirche, 40 Mark, dem Kloster zugewiesen wurden, dieses aber die Nonnen damit zu unterhalten habe (blaues Register im Staatsarchiv).
Dass es nur bescheidene Einkünfte hatte, ersieht man aus der Glockensteuer, zu wwelcher Bern 1505 die Stifter seinesGebiets anhielt. Während Köniz, Frienisberg, Erlach, Thorberg 200, Jnterlaken 300 Pfund entrichten mussten, stand Tedligen mit Trub und Hettiswyl auf der untersten Stufe und zahlte nur 20 Pfund (Amiet, Regeseten von Fraubrunnen nr.510)
Von Aebtissinnen sind bekannt: Jta 1282, Elisabeth von Schrnachthal 1343, Clara von Buchsee 1353, Clemento Semy 1394, Elsa von Engelberg 1419, Anna Büetinger 1424, Agnes von …. 1437, Margaretha Lisser 1454, Änneli Allwand 1484, 1492, 1496, Clara von Büren (?) 1503; ferner ohne Jahrzahl weitere.
Jn der Reformation wurde das kleine Kloster, in dem nur mehr 4 Nonnen waren aufgehoben.
Bwereits 1527 hatte es in Vincenz von Werdt einen provisorischen Vogt erhalten. Der neue Pfarrer von Radelfingen sollte abwechselnd in Radelfingen und tedligen predigen. Der grosse Rebbesitz wurde vom Staat dem Spital geschenkt. Anton Lombach kaufte 1529 die übrigen Güter mit Twing und Bann zu Tedligen um 1200 Gulden (Anshelm im Geschichtsforscher X 323, Rathsmanual 1529, S.61) verkaufte sie aber bald wieder an einen von Diesbach. Ludwig von Diesbach besass 1536 die Mühle zu Tedligen(Aabergbuch I. 269) 1737 war der Welschseckelmeister Fischer Besitzer des ehemaligen Klosters (ebenda I .461). Bern erwarb die Güter wieder und trat die Einkünfte dem grossen Spital ab, behielt aber die Gerichtsbartkeit und vereinigte sie mit Aarberg, zu welchem Amtsbezirk Tedligen heute noch gehört. Das Klostergebäude kam 1752 an einen Bauern und wurde in der Folge zu einem Bade umgewandelt (Klösterli- oder Tedligenbad) Altes ist dfaran wenig mehr zu sehen.
Den zehnten von Tedligen besass das Teutschordenshaus zu Bern; erst 1484 kam er um 200 Pfund durch Kauf dem Frauenkloster zu (Buchseebuch III.378). Durch die Reformation erwarb ihn Bern und legte ihn zum St.Johannsenhaus. 1619 aber verkaufte es ihn an den Ratsherrn David Ammann. Der Kauf scheint nicht vollzogen worden zu sein, denn 1664 erhielt das obere Spital den getreide-Zehnten, während das Heuzehntgeld dem St.Johannsenhaus verblieb, 1806 fand der Loskauf statt (BUchsee-Buch III. 68,373,378, Steck historische Nachrichten vom Spital des Heiligen Geistes in bern II.310)
So gut als unbekannt ist, dass der Johanniterorden in Tedligen eine wahrscheinlich ganz geringe Niederlassung hatte: 1462 verkauften die Dominicaner von Bern den Frauen und den Johannitern zu Tedligen ¼ eines Gutes zu Bargen (Aarbergerbuch I. 357)
Ein Haus von Tedligen war des Raths zu Bern 1396, Peter 1411
Leu berichtet, 1311 hätten die Frienisberger, die nach Bern zu Markt ziehen wollten, hier auf der Aare Schiffbruch erlitten. Aber Justinger (44) schreibt, zu Tettingen sei das Unglück geschehen.
Etymologisch
SN mit dem Ortsnamensuffix – ingen und einer ahd. PN-Koseform Dadilo, Tatilo, Tatili o.ä. als Basis (Förstemann I, 388; s. Suffixglossar; vgl. Dätt-/Dett-). Die hist. Belege und die mda. Lautung weisen auf Primärumlaut im Stammviôkal hin, der durch das -i- im Suffix ahd. -ilo, -ili bewirkt wurde.
Das ehemalige Zisterzienserkloster Tedlingen wurde 1528 aufgehoben und das Gebäude verkauft. Es diente später alsBadeanstalt (HLS XII, 226: GLS I, 608)
Vgl. auch noch das Toponym Därligen , das historisch z.T. ebenfalls als Tedlingen belegt ist