St.Petersinsel

Insula comitum 1107, insula in lacu de Nirvez (Nugerol) 1127, Insula 1275, Insula medii lacus (mitten im See) 1277, Insula in medio lacu 1302, Gotteshaus St.Peter in der Isla 1319, du Isle 1323, La Motte 1423, Nidowse Insel 1530 heute auch Bielersee genannt.

Eine Jnsel von 36 Hektaren Jnhalt im Bielersee, zur Einwohner- und Kirchgemeinde Twann gehörig, Eigenthum des Burgerspitals in Bern. Vor der Juragewässerkorrektion war die Erhöhung der kleinen oder Kanincheninsel vollständig durch Wasser von der grössern, der eigentlichen St.Petersinsel getrennt, während nun die Verbindung nicht mehr unterbrochen ist.

 Die herrliche Lage, der prächtige Eichenwald (mehr als Reben) und eine weite Fernsicht gestalten den Aufenthalt auf der Jnsel zu einem überaus ländlichen, genussreichen und man kann sich nicht verwundern, dass zu allen bekannten Zeten die Jnsel besucht oder bewohnt war.

Bei der Tieferlegung der Juragewässer konnten durch Herrn E.v.Fellenberg 1871-1875 Nachforschungen angestellt werden, welche in ergiebiger Weise Aufschluss über den Stand der Pfahlbauten am Ufer der beiden Jnseln gaben. Zur Ufersicherung dienten Pfahlreihen im Süden der grossen Jnsel, sowie in deren Norden gegen die kleine Jnsel und endlich noch im Süden der kleinen Jnsel. Die Steinzeit hat nur wenige Spuren zurückgelassen. Bemerkengswerth sind Reste einer Niederlassung der später Steinzeit auf der Jnsel selbst. Um so zahlreicher waren auf der Westseite am sogenannten Heideweg die Funde der Broncezeit, Spangen, Haarnadeln, Ringe, Schwerter, Töpfereien, die auf eine reiche aber nicht grosse Pfahlbauansiedlung hindeuten. Aus der Hallstatt- und La Téne-Periode ist weniges vorhanden, aus dieser einige lange Einbäume, sogenannte Heidenschiffe (jetzt in Bern)

Die Lage der Jnsel mochte auch spätere Geschlechter zu Ansiedlungen verlocken; dass die Römer auf der grossen Jnsel sich niedergelassen, ist wahrscheinlich. Dagegen haben sich auf der kleinen eine Menge Reste aus römischer Zeit, Geschirr und Schmiedeschlacken vorgefunden, die den Bestand eines römischen Gebäudes unzweifelhaft machen; noch heisst eine Erhöhung daselbst der Römerwall. Der „Heidenweg“ der nach Erlach führt, ist niemals eine gangbare Strasse gewesen.

 Auch in fränkischer Zeit ist die Jnsel besucht worden; ihr werden die Gräberfunde zugeschrieben.

Die Nachricht, dass schon im 3.Jahrhundert auf der Jnsel ein Stift bestanden, das von König Konrad von Burgund an die Propstei Münster in Granfelden geschenkt worden, klingt wenig glaublich.

Um das Jahr 1100 gehörte die Jnsel dem Grafen Wilhelm von Burgund und Macon, der vielleicht Enkel des Grafen Cono von Oltigen und als solcher hier im bernischen Seekland begütert war. Er schenkte, was er ererbt bei Belmund und die sogenannte Grafen-Jnsel, so weit es ihm gehörte, der Abtei Clüny (FRB I.360) Dass die Jnsel so benannt wird, lässt wohl schliessen, sie sei ein bevorzugter Aufenthalt der burgundischen Grafen gewesen. Der bei Peterlingen 1127 ermordete Graf Wilhelm von Burgund wurde in der neuen Stiftung auf der Jnsel bestattet(FRB I.399(

CLüny errichtete zuerst in Belmund ein Gotteshaus (ut dicitur esse antiquitus solebat prioratur Sti. Petri de insula, sagt der Visitationsbericht von 1453) das aber bald auf die Jnsel verlegt wurde. Das Cluniacenserpriorat St.Petersinel bestand bis 1484.

23 Priore des Cluniacenserstiftes sind im Namen bekannt ( Ihr Vrzeichnis in E.F.v.Mülinen, Helvetia sacra I. 139-140) Es sind fast ausschliesslich welsche Adlige.

Es besass Güter zu Werdt (ausgetauscht an Frienisberg um ein Gut zu Worben 1228) zu Galmitz (siehe unten) zu Seedorf(ausgetauscht an die Johanniter von Buchse um Güter zu Lyss 1256), 1 Schuppose zu Jns (Werner Kerro, der sie zu Lehen trug, verkaufte sie an St.Johannsen 1277) 5 Schupposen zu Gomerkingen (Heinrich von Eriswyl zu Lehen gegeben 1294) im Birchi (Hugo von jegistorf, der sie zu Lehen trug, übergab sie an Fraubrunnen 1296, das nun an die Jnsel Zins zu zahlen hatte) ferner Zinse und Rechte zu Scheunenberg (die 1293 Johann von Oltigen gehörten) zu Biglen und Höchstetten( an die Brüder Senn verkauft 1306) zu Vinils (1300 le Clos de Vinils-Vinelz ?) zu Marcholtingen 1319, zu Rappoldsried 1322, zu Gerolfingen (von einem Gute, das Ulrich von Sutz dem Grafen von Neuenburg verkaufte 1335) zu Vingelz 1357, zu Freiburg 1413, zu Säriswyl und Frieswyl 1415, Zu Erlach und Wyler 1417,  zu Mörigen 1420, auf dem tessenberg 1444, zu Lamligen 1448, Merzligern 1475; auch gehörte ihm die Collatur von Port bei Nidau (Visitationsbericht im Archiv des hist. Vereins von Bern I.298)

Ein Prozess mit Ulrich Moser, Ministerial des Grafen von Kyburg, um das Patronatsrecht der Kirche von Seedorf hatte 1242 misslichen Ausgang. Die Schiedsrichter sprachen die Kirche dem Ulrich Moser zu, der aber sein Allod zu Galmitz dem Priorat abtreten musste (Stettler Regesten 1.FRB II.234-237) Nicht glücklicher war es 1376, als es Reben zu Neuenstadt ansprach, die Fraubrunnen gehörten, 1400, als ein Zehnten in der Pfarre Port zwischen ihm und Bertschin Wyttenbach streitig war und 1431 als ein Acker zu Uetlligen den Johannitern von Buchse zugesprochen wurde.

Nach alldem scheinen die Mönche der Jnsel, deren Zahl auf sechs bestimmt war, nicht die besten Haushalter gewesen zu sein, so dass schon vor der Reformation dem Priorate die Stunde schlug. Bei der Erhebung der Leutkirche St. Vincenzen zu Bern zur Collegiatkirche gestattete Papst Jnnocenz VIII. 1484 die Aufhebung der Klöster von Amsoldigen, Jnterlaken, Münchenwyler und St.Petrsinsel und die Vereinigung ihrer Einkünfte mit jenen des neuen Stifts in Bern. Aber dem Mangel wurde dadurch nicht geholfen. Der Gpottesdienst litt erst recht, so dass 1488 das St.Vincenzenstift in Bern die beiden Jnseln im Nidauer-See mit den Einkünften der ehemaligen Propstei auf dem Tessenberg an St.Johannsen unter der Bedingung egelmässigen Gottesdienstes und Unterhalts der Gebäude übergab. Aber auch dieses half nicht. 1502 wurde neuerdings bestimmt, nach dem Absterben des Abtes (Hans von dr Landeren starb 1507) solle die Jnsel an das Stift zurückfallen. Als dieses bei der Reformation aufgehoben und viele alte Klostergüter liquidiert wurden, erwog der Rath von Bern die Frage, was mit der Jnsel zu geschehen habe und beschloss am 19. Februar 1530 der Berg in der Jnsel bei Erlach solle zu Handen des Grossen Spitals in Bern gekauft werden. Da dieses aber in der letzten Zeit mit grossen Kosten geplagt war, schenkte ihm der rath am 1. Juli 1530 die Jnsel mit allen Einkünften und den Korn und Haberzinsen von Tedligen in Biel.

Die Kastvogtei. Liest man, habe den Grafen von Neuenburg aus den Zweigen Nidau und Aarberg gehört. Jndessen dürfte es wahrscheinlicher sein, dass sie den Zähringern zustand. 1228 gehörte sie den Grafen Werner und Hartmann von Kyburg, welche jener Erbenwaren (FRB II.86) Elisabeth von Kyburg trat 1314 von allen Ansrtpüchen an die Jnsel zurück; sie scheint dazu gezwungen worden zu sein. (FRB IV.582) Die Gräfin Katharina von Werdenberg, Schwester des Grafen Eberhard von Kyburg, verkaufte 1323 ihre Güter zwischen Aare und Jura an ihren Oheim, den Grafen Rudolf von Neuenburg-Nidau, mit Ausnahme der Kastvogtei des Gotteshauses der Jnsel (FRB V.382, 450) Die Gräfin Anna von Kyburg, Schwester und Erbin des letzten Grafen von Neuenburg-Nidau und ihr Sohn mussten 1382 ihre Güter im Jnselgau und die Kastvogtei an Oesterreich, dem Namen nach an die österreichische Stadt Freiburg abtreten. Nach dem für diese unglücklich geführten Kriege mussten der Jnselgau und die Kastvogtei an Bern abgetreten werden 1395 (siehe Artikel Jnselgau, F.v.Wattenwyl II. 290,303)

Theile von Fresken des alten Klosters fand man 1882, sie stellen das Lamm Gottes und eine Verkündigung dar Anzeiger für schweiz. Alterthumskunde 1882 S.342)

Die St.Petersinsel lag im Dekanat Solothurn im Bisthum Lausanne. Nach der Reformation war es fraglich geworden, in welche Kirchhöre die Jnsel eingepfarrt sei. 1818 ward erkannt, dass sie zu Twann kirchgehörig sei.

Nachdem die Jnsel in den Besitz des Spitals von Bern übergegangen, begannen grosse Reparaturen an den alten Klostergebäulichkeiten, welche die erheblich Summe von 1535 Pfund kosteten. 1557 wurde die Kirche abgebrochen und an ihrem Platze ein neuer grosser Keller angelegt, 1650 ein neuer Bau erstellt, den auch Glasgemälde schmückten, 1720 das Thürmchen mit den Zeittafeln aufgeführt. Seit 1763 war von Neubauten die Rede. So sehr sie drängten, erst 1809 geschah etwas. 1813 erstand die Herbstwohnung des Spitalverwalters, wobei man Sorge trug, das Rousseaustübchen unverändert zu belassen. 1810 fand man westlich vom Hause beim Graben der Fundamente der neuen Scheuer 18‘ unter der Erde Schädel, Zeigelsteine, Eisenstücke, Schlacken. Der Landungsplatz am See musste 1506 erneuert werden. Jm 18 . Jahrhundert führte man viele Mauern auf, die aber sämtlich nicht genügten. Noch steht ein viereckiger Stein mit der Jnschrift „Im Jahr 1770 ist diese Mauer angefangen und A° 1774 vollendet durch Meister Hans Ulrich Spillmann von Willenacheren, Amts Castelen“ 1882 wurde ein neuer Hafen erstellt.

Frühe schon wurden auf der Jnsel Reben gezogen. Ein eigener Rebmann besorgte sie; im 17. Jahrhundert vereinigte man indes seine Stelle mit der Schaffnerei. Die schönen Waldungen bestanden früher namentlich aus Eichen, auch aus Kastanien. Die Eichelmast war so gross, dass die Schweine des Spitals auf die Jnsel in’s Acherum geführt wurden. 1803 bestand der Flächeninhalt der Jnsel aus 104 Jucharten, davon 31 Hausplätze, Gärten und Mattland, 33 Reben, 39 Wald.

Bekannt ist die Jnsel noch besonders geworden durch den Aufenthalt, den J.J.Rousseau auf ihr Machte. Aus Frankreich, dann aus Genf so gut als verbannt, erreichte er im August 1765 die St.Petersinsel, wo er nun während dreier Monate ein ebenso stilles als glückliches Leben führte. Aber dem Verfasser des Contrat social und anderer revolutionärer Schriften wollte auch Bern nicht in seinem Gebiete dulden. Der Landvogt von Nidau übermittelte ihm den Befehl, es zu verlassen. Rousseau that es am 24. Oktober. Wir verdanken ihm die reizendsten Schilderungen der St.Petersinsel (Réveries). Wenn von ihren Besuchern die Rede ist, mögen auch der wunderbare Cagliostro (um 1780) erwähnt werden und Thomas Pitt, Baron de Cramelford, der 1804 starb und verordnet hatte, dass sein Leichnam auf der St.Petersinsel, die er so sehr liebte, seine letzte Ruhestätte finde. Zur Ueberführung der Leiche kam es nicht, wohl aber wurde ein Theil seines bedeutenden Legates ausgerichtet.