Siselen
Sisilh um 1160, Sisello 1221, Sisellun 1249, Siselo 11253, Sisille 1265, Siselle 1269, Sisellon 1328, Sizellon 1453, Sysellon 1395
Pfarrdorf im Amtsbezirk Erlach an der Landstrasse von Aarberg nach Jns und neuenburg, etwas erhöht über dem grossen Moos, von Aarberg 1, von Erlach 1 ½ und von Bern 5 ½ Stunden entfernt. Dorf und Gemeinde haben 625 Einwohner in 101 Häusern. Die Kirchgemeinde Siselen besteht aus den Gemeinden Siselen und Finsterhennen und hat 969 Einwohner. Der südlich von der Kirche gegen die Schoosbrücke liegende Theil des Dorfes heisst Juchen.
Zwischen 1185 und 1221 erwarb die Abtei St.Johannsen Besitz zu Siselen. 1236 schenkte ihr Ulrich von Jegistorf seine halbe Schuppose im Orte, die er von ihr zu Lehen trug mit Vorbehalt der Vogteri (FRB II.31,168). Siselen lag in der neuenburg-nidauischen Grafschaft. Das Tellbuch von 1395 bezeichnet das Kirchspiel von Siselen als zu Nidau gehörig.Mit Nidau kam es an Bern (Blösch 42,96) Es sind aus dieser ganzenfrühern Zeit fast keine Nachrichten über das Dorf vorhanden.
Siselen bildete einen der 6 Viertel der „obern Grafschaft“ der bernischen Vogtei Nidau. Von 1798 bis 1803 gehörte das Dorf zum Districte Seeland, dessen Hauptort Erlach war. Nach der Mediation verblieb es bei Erlach. Vergeblich petitionierte die Gemeinde im Jahr 1814 um Wiedervereinigung mit dem Amte Nidau.
Bodenzinse von Siselen wurden 1509 vom Schultheiss Rudolf von Scharnachthal und Jakob vom Stein an Rudolf Huber, Bauherrn und des Rathes zu Bern, verkauft. 1588 besass sie Frau Verena von Lanten genannt Heyd und 1642 Bernhard Tscharner, der 1651 Landvogt nach Romainmotier, 1662 Landvogt nach Lausanne und im gleichen Jahre des Rathes wurde. Die Zinsbauern waren 1588: Hans, Samuel und Ulli Wäber und Niklaus Höubi. (Rodel im Besitze von Herrn Prof. Lotmar in Bern)
Die Kirche von Siselen, im Dekanat Solothurn, später St.Immer, des Bisthums Lausanne gelegen, gehörte dem Domcapitel von Lausanne, scheint ihm aber auf irgend eine Weise genommen worden zu sein, denn das Cartular von Lausanner meldet, Bischof Landerich (1159-1177) habe sie ihm wieder zurückgegeben. Das Domcapitel verlieh sie 1225 dem Geistlichen Friedrich von Waperswyl um 10 Schillinge Zins und ^gab sie 1228 dem Magister B. von Dellens mit allen seinen Rechten. 1285 musste der Pfarrer 24 Basler S chillinge Zehntsteuer für das heilige Land entrichten (FRB I.445, II. 63, 86, 89, III. 392) Dass die Collatur später zum bernischen Amt Nidau gehörte, liest man im Documentenbuch von Erlach. Wie sie zu Nidau gelangte, ist unbekannt. Pagan bemerkt, es sei die einzige, welche die Grafen nicht verschenkt hätten. 1440 gehörte sie bereits Bern (Lohner 523) Die Kirche befand sich 1453 in einem so schadhaften Zusatnde, dass der Regen ungehindert eindringen konnte (Visitationsbericht, im Archiv des hist. Vereins von Bern I. 319,383)
Der Zehnten von Siselen war ein Theil des Mannlehens von Erlach ; später gehörte 1/3 dem Schlosse Erlach , 2/3 der Pfrund (Documentenbuch von Erlach 705)
Siselen, Jns und Vinelz gehörten zu den gesuchtesten Pfarrpfründen im Seeland.
Es brannten in Siselen 1731: 5, 1746: 26 und 1834: 15 Häuser ab.
Jn Siselen ist im letzten Jahrhundert Tabak gebaut worden.
Geschlechter in Siselen: Graden, Meyer, Schwab, Wälti, Warmbrodt, Winkelmann ( Gef. Mittheilung von Herrn Pfarrer Gerster in Kappelen)
Etymologisch
Wohl zu einem Subst. Roman. *caesilia <Hecke, Palisade>, einer Ableitung von mlat. Caesa f. <barrière;Barriere, Einzäunung, taillis;Dickicht, Niederwald> (LSG, 837; FEW II/I, 38; REW, 1471; Besse, Namenspaare, 259: Blaise, Dictionnaire, 124; Zinsli , Erlach, 71) Caesa ist in frkpr. Mda. Der Romandie (in Neuchâtel, Aigle, St.Maurice) nachgewisen als sise, siza < Lebhag; Palisade> (FEW II/I, 38: Besse, Namenspaare, 259) und fand auch Niederschlag in der Toponymie, vgl. die FINN en Sisaz, ès Sizes und les Sises VD (Jaccard, Essai, 438: Bossard/Chavan, Lieux-dits, 139)