Radelfingen

Ratolingun 894, Ratolfingen 1131, 1261, Ratelfingen, Ratolvingin 1267

Es gibt zwei Ortschaften dieses Namens im Kanton Bern, die eine liegt in der Pfarre Vechigen, die andere ist das Pfarrdorf im Amt Aarberg, ¾ Stunden südlich vom Amtssirtz am westlichen Abhang des Frienisberges auf dem rechten Ufer der Aare, ¼ Stunde von dieser entfernt und 4 Stunden von Bern (über Säriswyl). Das Dorf hat 483 Einwohner in 70 Häusern. Mit Tedligen, Jgelrain, Lamderswyl, Jucher, Otsermanigen, Wyzwyl, Oberruntigen, Thalmatt und Oltigen bildet es eine Einwohner- und Kirchgemeinde (1478 Einwohner in 217 Häusern)

 Dass in Radelfingen eine römische Niederlassung bestanden, beweisen zahlreiche Funde. Auch ist der Name des Waldes Kästelrain als von einem römischen Castelle herrührend erklärt worden.

Unter den vielen Gütern, die das Kloster St.Gallen in der Westschweiz, im heutigen Kanton Bern, in Folge von Vergabungen besass, wird auch eine Hube in Radelfingen erwähnt, ein geschenk der edlen Frau Pirin, das König Arnulf 894 bestätigte (FRB I. 255-256) Der Ort muss frühe schon eine gewisse Bedeutung gehabt haben; bereits um 1131, also 60 Jahre vor Berns Gründung, ist von einem Leutpriester in Radelfingen die Rede (dass die betreffende Urkunde wahrscheinlich eine spätere Unterschiebung ist, dürfte daran nichts ändern (FRB I.404)

Mühle und Wald bei Radelfingen gehörten als kyburgisches Lehen dem Ritter Heinrich von Schüpfen, der sie 1267 seinem Schwiegersohne Hemmann von Mattstetten vermachte (FRB II. 687) Aber gleichzeitig gehörte das Land bereits den Grafen von Thierstein. Die hohen Gerichte gehörten zur Herrschaft Oltigen – sie kamen mit dieser Herrschaft 1413 an Bern (Blösch 48) – die niedern den Edlen von Schüpfen, darnach den Bubenberg. Die Bubenberg hatten in Radelfingen viele Zinsen zu beziehen (Aarberg Buch I 320) Adrian von Bubenberg, der Sohn des berühmten Adrian von Bubenberg und dessen Frau Jordana von La Sarraz, (des Raths zu Bern 1480, gestorben 1506) verkaufte bei zunehmender Verschuldung 1502 um 800 Gulden die Herrschaft Radelfingen sammt WWald, Pfennigzinsen, Hühnern, Hahnen, Tavernenzins, Landgarben, Twing und Bann an das Kloster Frienisberg. Die Regierung von Bern aber löste den Kauf ein und zog ihn an sich (Frieden, das Kloster Frienisbergg S.70) Radelfingen wurde dem Amt Aarberg beigelegt, bei dem es geblieben ist. (Nur von 1798 bis 1803 gehörte Radelfingen zum District Landgerticht Zolloîkofen) Antheil am Zehnten von Radelfingen hatte Hermann Labhardt, Propst zu Amsoldingen; er verkaufte ihn 1438 n das Kloster Frienisberg. Auch das „“Mühlizehntli“ von radelfingen, Lobsigen (siehe den Artikel) und Mühlethal gieng 1441 an dieses Stift über.

Der Getreide- und Heuzehnten gehörte im 18. Jahrhundert der Stift in Bern (Pläne im Staatsarchiv)

Die Dominikaner von Bern bezogen einge Zinse aus dem Dorfe; wahrscheinlich sind es dieselben, welche das Jnselspital noch nach Jahrhunderten bezog (KlosterZinsbuch von 1466, S.46 und Bodenzins- und Zehnten-Urbar von 1676 S 1021 im Archiv des Jnselspitals in Bern)

Die Kirche Radelfingen lag im Dekanate Wangen(später Büren) des Bisthums Constanz (FRB III.158)

Diie Kirche gehörte den Herren von Bubenberg.

Heinzmann von Bubenberg, Edelknecht, Herr zu Spiez, Burger von Bern, schenkte am 14, August 1421 den Altar U.L.F. in der Kirche zu Radelfingen, mit dem Patronats- und Vogtsrecht dieses Altars, an das Frauenkloster Tedlingen (E.F.v. Mülinen. Helvetia Sacra II. 134) Mit der reformation von Radelfingen enthält keine alten Glasgemälde. Jm Thurme hängen zwei Glocken.

Es erscheinene verschiedene nicht adlige Familien, die den Namen von Radelfingen tragen; die eine führt ihn vom Dörfchen bei Vechigen, die andere angesehene vom Pfarrdorf bei Aarberg (FRB IV.489. 520 V. 516, VI. 470) Dieser wird wohl Margaretha, die Klosterfrau von Tedligen, angehören (Amiet, Regesten von Fraubrunnen Nr. 677)

Burgergeschlechter von Radelfingen sind:Aeschbacher, Barth, Beck, Bürki, Geiser, Hausammann, Heimberg, Hübscher, jaberg, Krieg, Minder, Peter, Sahli, Schlecht, Schori, Schwab, Stalder, Stuber, Tschannen. Weingart, Zitterli. Davon ist bekannt geworden: bendicht Tschannern, Jngenieur, Grossrath und Nationalrath (Geboren 1847)

Feursbrünste suchten das Dorf heim 1771, 1778, 1865 (Berner Taschenbuch 1869 S. 340) Die Strasse nach Frieswyl wurde 1851 und jene nach Aarberg 1852 neu erbaut.

Etymologisch
bei den Höfen der Nachkommen des Radolf

SNN, die auf eine -ingen-Bildung (vgl. Suffixglossar) mit einem ahd. PN Ratolf zurückgehen und als solche Orte benennen, an denen sich im frühen Mittelalter Gefolgsleute eines Ratolf ansiedelten. Der in ahd. Zeit häufig belegte, zweigliedrige PN Radolf, Ratolf, Radulf ist u.a. 759 als Ratulf im Kloster St.Gallen verzeichnet (Förstemann I, 1219). Der Erstbeleg von Radelfingen bei Utzigen lässt sich über den Kontext relativ sicher identifizieren, die auffällige Schreibung ohne -f- bleibt singulär in der Belegreihe.

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