Port
Port 1228,Borte 1262, Por 1285
Dorf, früher Pfarrdorf, in der Pfarre und im Amtsbezirk Nidau, am nordwestlichen Abhang des Jensberges und am rechten (südlichen) Ufer des Zihlkanals gelegen, ½ Stunde von Nidau und 6 ¼ Stunden von Bern entfernt. Das Dorf hat in 28 Häusern 258 Einwohner, die Gemeinde (Dorf, Lohngasse,Bellevue, Neumatt) in 44 Häusern 374 Einwohner.
Port hat wohl seinen Namen aus dem Lateinischen; es ist anzunehmen, dass der See sich weiter bis zum Fusse des Jensberges ausdehnte.So wäre Port in der That der Hafen von Petinesca gewesen. Genaue Nachforschungen, die ein niedriger Wasserstand erleichtterte, haben denn auch im Winter 1888/1889 und 1890/1891 manchen wichtigen Fund ergeben.Zunächst der Weiden_allee „bei den Stüdeli“ steht noch eine kleine Reihe eichener Pfähle in der Zihl, die wahrscheinlich ein Theil einer Flussbrücke gewesen sind. Schwerter, Lanzen, Speerspitzen, Sensen, Sicheln der La Tène-Periode (siehe die Einleitung), Aexte, Kessel römischer Zeit, fränkische Aexte und Speerspitzen, mittelalterliche Dolche wurden entdeckt. Die Arbeiten der Baggermaschinen im Aare-Zihlkanal haben vor einigen Jahren manches zu Tage gebracht, aufgewühlt vielmehr. Die merkwürdigen Funde neuester Zeit sind ein Amulet, Broncering mit aufgesetzten Thiergestalten, jetzt im bernischen Museum und ein römischer Legionärhelm, jetzt in Zürich (E.v.Fellenberg, im Anzeiger für schweiz. Alterthumskunde 1891 S.480-482, und R.Ulrich, ebenda S. 575-576) Ueber die ältern Funde siehe: Jahn E.v.Fellenberg, C.Vougas,les Helvètes à la Tène , B.Gross la Tène un oppidum gaulois und den IX. Pfahlbaubericht.
Jm spätern Mittelalter war in Port eine Pfarrkirche, 1228 zum Dekanat Solothurn (1285 zum Dekanat St.Immer) des Bisthums Lausanne gehörig (FRB II.89, III.392) Ein Pfarrer Petrus von Port wird von 1289 – 1320 als Zeuge und Schiedsrichter oft genannt.
Der Kirchensatz gehörte im 15.Jahrhundert der Cluniacenserpropstei auf der St.Petersinsel, vielleicht schon zur Zeit von deren Gründung, da Graf Wilhelm von Burgund dem Orden Grund und Boden am rechten Ufer des Bielersees geschenkt (sehe die Artikel Belmund und St.Petersinsel)
Aber der Ort sdcheint seine Bedeutung verloren zu haben. 1453 hatte er nur mehr 8 Feuerstellen. Doch war Belmund damals noch eine Filiale von Port.
Der Kirchensatz gieng wahrscheinlich 1484 mit der St.Petersinsel an das neue Stift zu Bern und in der Reformation an den Staat über. Wohl erhielt der Ort noch 1537 die Erlaubnis einen Pfarrer zu haben; aber es scheint nicht mehr zu der Ernennung eines solchen gekommen zu sein. Die Ortschaft war darnach zu Bürglen und später zu Nidau pfarrgenössisch. Die Kirche wird 1588 noch erwähnt.
Gottstatt erwarb 1350 eine Schuppose in Port(FRB VII.512); Besitz in Port hatte Gottstatt noch 1588.
Die Gegend von Port gehörte den Grafen von Neuenburg-Nidau. 1262 hatten die Grafen von Kyburg 1 Schuppose zu Porte in ihrem Bezirke Oltigen (FRB II.539). Von dem letzten Grafen, Rudolf Hartmann von Kyburg die seeländischen Güter. Sie und ihr Sohn, der Landgraf Rudolf, sahen sich 1382 gezwungen, den Besitz im Jnselgau, nämlich Ober- und Nieder-Worb, Jens, Wiler, Port und halb Belmund an das damals österreichische Freiburg zu verkaufen. 1398 giengen diese Ortschaften an Bern über (siehe den Artikel Jnselgau).
Am 12.April 1509 verkauften Hans Rudolf von Scharnachthal, Ritter, Herr zu Oberhofen, Schultheiss von Bern und Peter Wymann, Burger von Bern, als Vogt Jakobs vom Stein, Caspars Sohnes, dem Raths und Bauherrn Rudolf Huber Zinse von Gütern in Bürglen, Brügg; port, Orpund,Safneren, Epsach, Mörigen, Siselen, Täuffelen und Gerolfingen um 2200 Bernpfund. Das Guthaben war am Ende des 16.Jahrhunderts im Besitze der Frau Verena von Lanten, genannt Heyd, Wittwe des Junkers Bartlome Ammann, Burgers von Bern. Als inspflichtige Bauern von Port werden darin angeführt: Bendicht Kocher, Niklausd Bundeli, Daniel Meister. Das Guthaben zerstückelte sich bald darauf; die Zinse von Portz kamen 1616 durch Heirat an den Junker Johann von Luternau (Rodel von 1588 im Besitze von Herrn Prof. Lotmar in bern)
Nördlich vom Dorfe befindet sich das Landgut Bellevue, das der Familie Heilmann und später dem General und Alt-Bundesrath Ulrich Ochsenbein (Geboren 3.November 1811 in Schwarzenegg, gestorben den 3 November 1890 in Bellevue) gehörte.
Aus Port stammen vermuthlich die von Bondeli in Bern. Jm 16.Jahrhundert nahmen sie in bern das Burgerrecht und wurden auf Pfistern zünftig. Während ein Theil der Familie im Handwerkerstande verblieb, kam der andere zu hohen Stellungen. Gegen 20 wurden der Burgern, mehr als 10 Landvögte, zwei des Raths. Einige traten in fremde Kiregsdienste, in Holland, Piemont und Brandenburg. Samuels, des Landvogts zu Wangen und Lausanne, Söhne Gabriel, Simeon,Emanuel und Johann Erhard wurden vom König Friedrich I. von Preussen am 17.April 1703 in den Freiherrenstand erhoben und die Beziehungen der Familie zu Preussen wurden noch häufiger, als Emanuel 1727 für sich und seine Nachkommen das Burgerrecht in Neuenburg erhalten hatte. Simeon war preussischer Gesandter an die Eidgenossenschaft 1688, nach Savoyen 1691, nach Ryswick 1696, nach England 1699 und nach den Niederlanden 1701. Johann Erhard wurde Oberst des Alt-Dohnauischen Regiments 1710 und Festungskommandant in Pillau 1711. Emanuel (1660-1734) war Professor in Lausanne und Bern, preussischer Kammerjunker, erster Landvogt zu Lausanne, dann zu Tscherlitz, endlich dees Raths. 1708 kaufte er von den von Tavel die Freiherrschaft Chàtelard bei Vivis, die seinen Nachkommen bis 1805 verblieb. Zwei seiner Söhne , Jonas Emanuel und Beat Heinrich, zeichneten sich als gewandte Geschäftsleute aus, so dass die Regierung sie zu Commissaren der in England angelegten Gelder ernannte. Aber auch von den Frauen des Geschlechts machten sich mehrere bekannt: Katharina, Gabriels Tochter, geboren 1683, heiratete den englischen Gesandten in der Schweiz, Abraham Stanyan. Sie begleitete ihn nach Wien und Constantinopel, wo ihre Schönheit so sehr die Eifersucht einer Circassierin erweckt haben soll, dass diese Katharina erdolchte. Emanuels Enkelin Jlie, eine ebenso gelehrte als liebenswürdige Dame, machte sich in der deutschen literarischen Welt einen Namen. Auch die Romantik fehlte nicht: Jonas Emanuel verehrte die liebensürdige Bernardine Couvreu von Vivis; als aber die Eltern die Verbindung missbilligten, entführte er sie aus der „Aile“ zu Vivis uund heiratete sie. Nach seinem Tode verschönerte sie das Schloss Châtelard.-Noch besteht die Familie fort und namentlich scheint sich in ihr die Geschäftsgewandheit zu vererben.
Etymologisch
Zu lat. portus m. <Seeeinfahrt, Hafen> (Georges II, 1794 f.) in Port befand sich vermutlich der Hafen (GLS IV,17; HBLS V, 468: HLS IX, 817f.; LSG, 712) der römisdchen Militärstation Petinesca (s.d.)
Zum App. Schwzd. Porte(n), Port f. <Pforte, Tür, Zaunlücke>, mhd. Porte, port f. < ahd. Porta <Pforte,, Öffnung, Mündung>, einer späten Entlehnung aus lat. porta <Tor, Durchgang, Öffnung> (Id. IV, 1632 f.;Lexer II, 286 f. ;Georges II, 1789; Kluge/Seebold, 697) -Der FIN Portnermattli verweist auf den FN Portner, der vor 1800 für die Gemeinde Burgistein, Uebeschi, Wahlern und Wattenwil bezeugt ist (FNB IV, 320) und den Ramseyer (Dok) für das 16.Jh. auch in der Blumensteiner Nachbargemeinde Rüeggisberg belegt.