Ortschwaben
Nortsuaben 1185, Norcsvaben 1221, Norswaben 1249, Nortswaben 1306
Kleines Dorf von 182 Einwohnern in 21 Häusern in der Einwohner- und Kirchgemeinde Meykirch, Amtsbezirk Aarberg. Es liegt an der alten Landstrasser von Bern nach Aarberg, zwischen der Neubrück und Meykirch 1 ½ Stunden von Bern entfernt. Es hat ein Wirtshaus und eine Mühle am fisch- und krebsreichen Ortschwabenbach, der die Gegend von Kirch- und Niederlindach durchfliesst und bei Reichenbach in die Aare fällt. Vom südlichen Theile des Seelandes ist Ortschwaben der vorgeschobenste Posten, indem Uettligen (im Südwesten) und Kirchlindach ( im Norden) zum Amte Bern gehören.
Ueber einen Grabhügel zwischen dem Dorf und Meykirch (s. Jahn, Kanton Bern antiquarisch beschrieben 368.)
Kuno von Bremgarten, dessen Geschlechte überhaupt in diesen Gegenden viel begütert war, veräusserte um 1160 sein Allod von Ortschwaben an die Abtei St.Johannsen (FRB I.477, II.31) Später trugen Ulrich von Bremgarten und seine Kinder vier Schupposen im Dorf und Bezirk Ortschwaben von St.Johannsen zu Lehen. Vermuthlich hat das Geschlecht das einstige Allod als Lehen weiter innegehabt.
Landesherren sind wahrscheinlich hier die Zähringer als Erben der Rhinferlder gewesen. Von den Zähringern muss das Erbe an die Kyburger gelangt sein. Deren Lehnsleute waren Rudolf und Heinrich von Schüpfen, Ritter, die 1249 mit jener Erlaubniss ihre Güter zu Ortschwaben, Wierezwyl und Ried der Abtei Frienisberg gegen andere Grundbesitze austauschten (FRB II.313) was noch im Besitz der Bremgarten geblieben war, ihre ganze Herrschaft mit aller Zubehörde, verkauften sie im Anfang des 14. Jahrhunderts an die Johanniter von Buchse. Jenes Lehen von St,Johannsen wurde 1308, nachdem Ulrich von Bremgarten es aufgegeben, auf Peter von Gisenstein, Stadtschreiben von Bern und Peter von Krauchthal, Burger von Bern, übertragen (FRB IV.281,329, 330). 1375 verkaufte Egidins von Holz den halben Laienzehnten von Ortschwaben an Conrad Scheurer um 200 Pfund Pfennige (Aarberg- Documenten Buch s.42) Das Kloster Frienisberg wusste auch die Wälder von Ortschwaben mit Twing und Bann zu erwerben; Rudolf von Erlach wurde 1417 mit einer Gegenforderung von Schultheiss und Rath abgewiesen (Frieden, Friensiberg 42,67, Frienisberg-Buch I. 352) Laut Urbar von 1528 hatte Frienisberg aus Ortschwaben zu beziehen: an Geld 15 Denare, 2 Mütt Roggen, 15 Mütt 6 Mass Dinkel, 8 Mütt Hafer, einen Weinzins von 1 Pfund 12 Schilling, 9 Hühner, 17 Hähne und 170 Eier. Diese Abgaben wurden in das Frienisbergerhaus in Bern geliefert (Frieden 107) Um 1440 verkaufte Frienisberg das Gericht Ortschwaben an den Lerwer (Lerber) von Solothurn. Noch 1454 war es im Besitze dieser Familie, (Jahn, Artikel Frienisberg 360 – Karl v. Lerber-Marcuard, Familienchronik der Lerber S.270)
Geschlechter in Ortschwaben: Etter, Schmid
Etymologisch
Wie aus den ältesten historischen Belegen ersichtlich wird, lautete das urssprüngliche Bestimmungswort des Siedlungsnamens Nort-. Ab dem 15.Jh. ist das anlautende N- deglutiniert worden. Der SN war in seiner urspr. Gestalt also eine Zus. Aus dem BW Nort und dem GW Suaben. Bisherige Deutungsansätze nahmen Abstand von der Zuordnung dieses Toponyms zum Ethnonym Schwaben (vgl. Id.IX, 170 ff., bes.1713;Glatthard, Aare/Saane, 406; Wernli, Ortsnamenkunde, 108 f.)Bzw. Nordschwaben. Als wahrscheinlicher sah man einen Bezug zu einer Gen.-Form des ahd. PN Swabo (Förstemann I, 1373 ff.)an, wobei auf das Problem eines schwierig zu erklärenden Erstglieds Nort- hingewiesen wurde (Fösrstemann I, 1373 nennt lediglich die Zuss. Erchanswab, Altschwab und Adalschwab) Der PN geht seinerseits aber auch auf den Stammesnamen Svab zurück, was die Trennung der Siedlungsnamen, die auf den PN oder eben doch auf das Ethnonym zurückgehen erschwert.
Eine Namensparallele findet sich im badischen SN Nordschwaben, einem heute zur Stadt Rheinfelden D gehörigen Dorf. Die ältesten Belege dieser Siedlung (Nortswaben 1267, Nortswoben 1376; Krieger, Baden ,354) entsprechen den Belegen des bernischen Dorfes. Als weiterer SN, der sich auf Schwaben zuzrückführen lässt, findet sich im Obertelsass das Dorf Schwoben bei Altkirch (in Suaben 1286, ze Swaben 1380; Stoffel, Ober-Elsass , 509) welches in direkter Nachbarschaft des Dorfes Franken ( Franchon 1144, terram de Francon 1194, Franken 1324;Stoffel , Ober-Elsass, 171) liegt.
Im Fall von Ortschwaben bzw. Nordschwaben besteht nun aber das besondere Problem des BW Nort-. Da die Zus. Aber bei zwei SNN alt belegt ist , muss man annhmen, dass ahd./mhd. Nort st. <Norden, das Nördliche> (Starck/Wells , ahd. Glossenwb, 443,Lexer II, 102) hier als weiteres Differenzierungsmerkmal oder als besondere Herkunftsbezeichnung fungierte. Möglicherweise wollten sich die Siedler von Siedlern anderer (schwäbischer) Herkunft abgrenzen oder wurden durch diese abgegrenzt, wobei die genaue Bed. Des BW. Nort (s.Nord) im Fall der hier besprochenen SNN nicht endgültig geklärt werden kann.