Orpund
Orpunt 1255, Orbunt 1331, Ortpunt 1350
Dörfchen in der Pfarre Gottstatt, Amt Nidau, nördlich von Gottstatt und vom neuen Kanal, am Abhang des Büttenberges. (Das obere Dorf von Orpund gehörte bis vor kurzem zur Pfarre Mett.) Es hat in 71 Häusern 470 Einwohner; Mit Gottstatt und Zihlwyl bildet es die Einwohnergemeinde Orpund, die in 85 Häusern 603 Einwohner zählt.
Ein Grab ohne Hügelbedeckung, wohl der vorrömischen Periode angehörig, wurde 1869 in der Nähe von Orpund entdeckt. Es enthielt ein Skelett mit einer gläsernen Armspange und einem goldenen, gewundenen Fingerring (F.Bürki, Anzeiger für schweiz. Alterthümer 1870 S.151)
Zum neuenburg-nidauischen Gebiete gehörend wurde vom Grafen Rudolf 1255 der Ort Stadowe mit aller Zubehörde vom Orte Orpund bis nach Meienried dem Prämonstratenserorden zur Gründung einer Abteri (Gottstatt) geschenkt (FRB II. 401,409) 1305 geriethen das Kloster und die Dorfsschaft Orpund in Streit über eine Jnsel in der Zihl, welche die Dorfschaft als Allmende ansprach; ein Schiedsgericht sprach sie dem Kloster zu (FRB IV. 234) Dieses erkaufte 1331 von Jakob Schultheiss von Büren eine Scheune im Bezirke Orpund an der Zihl (FRB V.808) und 1343 vergabte ihm Rudolf zum Seelenheil ihres Vaters zwei Schupposen im Dorfe (FRB VI.788) Durch den Rückkauf der Güter des Ulrich von Sutz im Jnselgau hatten die Neuenburger 1335 auch hier den einstigen Besitz wiedererworben (FRB VI.188, siehe auch den Artikel Jnselgau)
Zu Nidau gehörte auch die Schirmvogtei von Gottstatt mit dessen Gerichten zu Orpund und Meienried; als Nidau am Ende des 14.Jahrhunderts bernisch gworden, behielt sein Landvogt die Gerichtsbarkeit von Gottstatt und so gehörte Orpund ( als ein Theil des Gerichts Scheuren) zum Landgericht der sogenannten untern Grafschaft Nidau. Später ward dem Landvogt von Gottstatt ein eigener Gerichtsbezirk geschaffen, der Gottstatt, Safneren, Bartholomähof, Scheuren und einen Theil von Orpund umfasste.
Jn der Helvetik war Orpund, wie Gottstatt dem Distrikte Büren zugetheilt; 1803 kamen beide wieder zum Amte Nidau. (Holzhalb II.174, Blösch 42,51 siehe auch die Artikel Gottstatt und Nidau)
Ein Bodenzins in Orpund gehörte um 1500 Herrn Rudolf von Scharnachthal, dem spätern Schultheissen von Bern und vom Stein, die ihn 1509 an Rudolf Huber, des Raths zu Bern und Bauherrn verkauften und 1588 der Frau Verena von lanten, genannt Heyd, Wittwe des Junkers Bartlome Ammann, Burgers zu Bern. Jm 17. Jahrhundert gehörte er Rudolf Tscharner, der ihn 1642 seinem Sohne Bernhard verlieh (Rodel im Besitze des Herrn Prof. Lotmar in Bern. Siehe den Artikel Lüscherz.
Burgergeschlechter von Orpund: Antenen, Frey, Jaggi, Kuhn, Schneeberger (Räy 316) Aus Orpund stammen die Henzi, die sich 1578 in Bern einburgerten und auf Obergerwern, Pfistern und Mohren zünftig wurden.
Jn Orpund lebte der Mechaniker Ris, der ein kunstvolles Planetarium und auch die schönen Kirchen Orgeln zu Bürglen und Walperswyl verfertigte und über der Erfindung eines Dampfpfluges starb. Da es ihm an eigenen Mitteln und Hülfe anderer fehlte, starb er in tiefer Armuth um 1850 (F.W.Gohl, die Mineralquelle von Worben S. 11)
Orpund erlitt Feuersbrünste am 8.Mai 1778 und am 28.Juni 1868 (Berner Taschenbuch 1870 S.355)
Etymologisch
Der Name ist vermutlich in zwei Kompositionsbestandteile or und pund zu trennen. Letzteres ist mit einiger Sicherheit auf lat. pons m. <Brücke> (FEW IX, 168;REW,6647) zurückzuführen (mit unverschobenem p- und u- Vokal vom frühesten Beleg an) Für den ersten Bestandteil Or- wurden verschiedene Ansätze diskutiert. Am wahrscheinlichsten erscheint uns hierfür die Annahme eines, aufgrund der Beleglage nicht genauer bestimmbaren , Personennamens oder auch eines Gewässerabschnittnamens bei wohl germanisch beeinflusster Wortfolge. Die Lenisierung des Schlussdentals, die erst die Velarisierung der Mundartform erlaubt, wird in der Schrift bereits zu Mitte des 15.Jh. sichtbar. Die zwischen dem 14. Und dem 16.Jh. belegten Schreibungen mit Sprosskonsonant -t- sind entweder rein phonetisch zu vwerstehen oder als Anlehnung an mhd. Ort <Ecke, Spitze, Rand, Stelle etc. (s.Ort).
Toponyme mit lat. pons bzw. pontem <Brücke> sind naturgemäss häufig (vgl. Vincent, Toponymie, 295,421, 794-799, 934 und s. 399; RNB II, 261f.;LSG, 1003). In romanischem Kontext kommt hier in Zusammensetzungen mit Eigennamen das GW gewöhnlich an erster Stelle zu stehen (bsp. Ponte Tresa TI <Ponte Treta a. 875 <Brücke über die Tresa> LSG, 710,Pontoise F<Briva Isarae 4.Jh, ad pontem Hisarae 2.H. 9.Jh. <Brücke über die Oise> usw.
Der Zusammenfluss der Orbe und das Talent unterhalb des Städtchens Orbe VD bildet die seit den Juragewässerkorrektionen kanalisierte Thielle, die dann in den Neuenburgersee mündet und diesen und den Bielersee verbindet und entwässert. Hubschmieds (Deux noms de riviéres gaulois, 1-6; sprachlicher Zeugen, 119, anm. 2) Vertsuch einer Herleitung aus einem galloroman. Komposition *Orbe-Pont <Orbe-Brücke> setzte neben Annahme von germanisch beeinflusster Wortfolge voraus, dass dieser Gewässername Orbe einst auch für den ehemaligen Ausfluss aus dem Bielersee, die Thielle, dt. Zihl, gegolten habe. Doch wird diese an sich nicht von vornherein abwegige Vermutung durch keinerlei schriftliche Belege gestützt. Hubschmieds heute als allzu phantastisch abzulehnender Ansatz verband darüber hinaus die beiden Benennungen über die Hypothese semantischer Gleichbedeutung von Thielle und Orbe als Bezeichnung eines in Kuhgestalt gedachten «Flussdämons»
W.Müller und A.Kristol (LSG,685f.) erwägen stattdessen, wohl gestützt auf Nègre (Toponomie générale, eine Bildung mit dem Adj. Lat. aureus <golden, goldgeschmückt, goldfarben> (FEW XXV, 978 ff.) übertragen vielleicht auch <sonnig, sonnenbeschienen>: *aureum pontem <goldene , goldfarbige Brücke> oder möglicherweise bezogen auf Maumaterial aus gelbem Jurakalk. Eine Parallele zu dieser Bildung sehen sie in dem Toponym Pondaurat F (was nach der ältesten Form jedoch fraglich scheint:<apud Pontem de Auro 1254, de Ponte Deaurato 1285; Nègre, Toponomie gènèrale, 25520; Vincent, Toponomie gènèrale, 21336,21388,21369f, 17670, 16951, 17154, 17199, 18077,5816) Zumindest für die SNN mit GW -ville, -villars, -villers, -villiers deuten die ältesten Belege aber auf verschiedene PN im BW (germ. Uro, Auricus, Ordo, Aldrus, rom. Ursus; vgl. auch Pitz, Siedlungsnamen I, 394)