Oberwyl b.Büren

Obrenwilere 1148, Oberwile 1236, Obernwile 1318, Oberwil 1458.

Es gibt im Kanton Bern zwei Ortschaften Oberwyl, die eine liegt im Simmenthal, die andere ist das Pfarrdorf im Amtsbezirk Büren an der  solothurnischen Grenze auf der nördlichen Abdachung des Bucheggberges gelegen. Die Entfernung von Bern beträgt 5 ¾  und vom Amtsitz ¾ Stunden

Das Dorf hat in 80 Häusern 432 Einwohner; mit Möösli und Oberkrüpfen bildet es eine Einwohnergemeinde (mit 122 Häusern 639 Einwohner)

Zur Kirchgemeinde Oberwyl gehören noch die fünf solothurnischen Gemeinden Schnottwyl, Bibern, das am 25.April 1893 durch Feuer so schrecklich heimgesuchte Biezwyl, Gossliwyl und Lüterswyl.

Oberwyl wird 1148 zuerst genannt, da der Papst Eugen III. dem Stifte Rüeggisberg seinen Besitz , darunter auch in Oberwyl, bestätigte (FRB I 426)

Als die Grafen von Neuenburg ihr Erbe theilten, kam die Herrschaft Strassberg an den Grafen Berchtold, dessen nachkommen sich nun darnach nannten. Zu diesem Erbtheil gehörten Büren, Burg und Stadt und Brücke, Grenchen, Lengnau, Stadtrüti, Dotzigen, Diesbach, Oberwyl und Arch.

Jm Kriege Herzog Leopolds gegen die Eidgenossen zogen auch die Freiburger gegen diese und ihre Verbündeten in’s Feld und nahmen ihren Weg durch das nidauisch-strassbergische Gebiet, dessen Dörfer arg geschädigt wurden. FRB V 93,335)

Jm Übrigen theilte Oberwyl das Schicksal von Büren – von den Grafen von Strassberg kam das Land an die Grafen von Nidau, dann Kyburg, dann an Oestreich – und wurde am Ende des XIV Jahrhunderts bernisch. (Siehe den Artikel Büren)

Zu Zellwyl in der Pfarre Oberwyl besass das Kloster Fraubrunnen in Folge Kaufs von 1448 zwei Mannsmäder (Amiet, Regesten von Fraubrunnen Nr. 416)

Die Kirche Oberwyl lag im Dekanat Wengen des Bisthums Konstanz. Jhr Leutpriester musste 1275 als Kreuzzugszehnten 60 Basler Pfund entrichten (FRB III 158) Die Kirchhöre umfasste einst auch Büren und Diessbach; wann diese losgetrennt wurden, lässt sich nicht genau sagen. Lange darnach mussten die Bewohner von Büren an den vier hohen Festtagen nach Oberwyl zur Kirche gehen. Auch blieb der Patron der Kirche von Oberwyl bis 1798 Collator von Büren und hatte der Collator von Oberwyl Zehnden in der Kirchhöre von Diessbach zu beziehen. Über die Collatur von Diessbach siehe den Artikel Diessbach.

Die Collatur der Kirche von Oberwyl gehörte den Grafen von Neuenburg, insbesondere dem Zweige von Strassberg, dann jenem von Nidau. Jm 14,Jahrhundert kam sie an die Edlen von Büttikon, deren Einer, Werner, Vogt der Gräfin Anna von Nidau und ihr Schultheiss zu Büren war.

Von Walther von Büttikon kaufte Frau Verena von Kilchen, Gemahlin des Peter von Rormoos, die Collatur und verkaufte sie ihrem Schwiegersohn, Hemmann von Büttikon 1391. Dieser war 1394 Vogt und Pfleger der Kirchen von Oberwyl und Büren. Hemmann und seine Frau verkauften 1408 dem Niedere Spitale zu Bern den Widumhof zu Oberwyl, worauf und worin die Kirche stand, Vogtei, Collatur und Patronat mit allem Land und allen Rechten um 1300 Goldgulden. Getrennt davon war die sogenannte Quart der Kirche, die vom Freiherrn Wolfhardt von Brandis auch an Hemmann von Büttikon übergegangen war und von letzterm 1408 um 200 Goldgulden ebenfalls an das Niedere Spital veräussert wurde. Dieses konnte seine dortigen Einkünfte noch vermehren um Zehnten zu Büren, Schnottwyl, Büetigen, Busswyl, Diessbach, Biezwyl und Luterswyl und um einen Theil der Fasnachthühner und Primizen in den Kilchhören Solothurn, dass die neue Kapelle zu Schnottwyl der Leutkirche zu Oberwyl als ihrer Mutterkirche einverleibt werde und sammt Allem, das ihr zugehörte, der nämlichen Collatur zustehen solle.

Den Zehnten von Oberwyl verkaufte 1368 Burkhard Senn, Frei und Herr zu Buchegg, dem bescheidenen Knecht Rudolf von Wengi, Burger von Büren, um 90 Pfund (Solothurner Wochenblatt 1817, 406 . Schweiz Geschichtsforscher XI 290) Später hatte dieser Zehnten merkwürdige Schicksale: 1528 gehörte er zu 1/3 der Kirche von Oberwyl(von der Gemeinde 1616 an die Pfrund abgetreten), zu 1/3 den Barfüssern von Solothurn ( von der Pfrund 1616 eingetauscht); vom letzten 1/3  gehörten 2/3 dem Kirchherrn von Oberwyl und 1/3, vielleicht in Folge einer Schenkung derer von Spiegelberg, der Kirche von Balm, die ihn 1528 an Hans Suri von Oberwyl verkaufte; 1537 besass ihn der Venner von Bern Anton Spielmann. Ein Nachkomme seines Tochtermanns Michel, Beat Ludwig Michel, des Grossen Raths zu Bern, verkaufte ihn an den Altrath Niklaus Grimm von Solothurn und dieser 1616 um 900 Gulden dem Niedern Spital. So bezog seit 1616 die Pfrund von Oberwyl den Korn-,Heu-,March- und Flachszehnten des Ortes allein. Jm Besitze der Collatur von Oberwyl blieb das Spital von Bern bis 1839, wo der Staat alle Krichenrechte an sich zog. 1537 wurde das Pfarrhuas neu erbaut, 1547 ein Speicher zur Pfrund gekauft, 1605 die Pfrundscheune neu gebaut und 1745 das Pfarrhaus ausgebessert. (Historische Nachrichten vom Spital des heiligen Geistes u. von G.R.Steck, 1819 II 31-44 gütigst mitgetheilt von Herrn Spitalverwalter König. Solothurnisches Wochenblatt 1824, 585-589).

Pfarrer zu Oberwyl:

Johannes Burri, Pfarrer zu Schangnau 1637-1648, zu Messen 1648 – 1672, zu Oberwyl 1672-1687, Dekan des Bürencapitels 1686, starb 1687.

David Knecht, aus einem alten Geschlechte von Bern, das viele Magistrate, Pfarrer und Aerzte hervorgebracht hat; geboren 1.Januar 1666, Pfarrer zu Amsoldingen 1692, Helfer am Münster in Bern 1700, Pfarrer nach Oberweyl 1706 – 1726, Dekan des Büren-Capitels 1709, starb 20 August 1726 (Genealogie Knecht Mss.)

Abraham Friedrich Ulrich aus Bern, geb. 14.Februar 1725, ordiniert 1750, Prediger am Jnselspital in Bern 1753, Pfarrer in Mühleberg 1756-1762, Helfer zum heiligen Geist in Bern 1762, Helfer am Münster 1778, nach Oberwyl 1781 – 1796, starb 6.April 1796

Niklaus Emanuel Wetzel, siehe den Artikel Biel

Samuel Steck, siehe den Artikel Wohlen (Mittelland III 295)

Gottlieb Samuel Lauterburg aus Bern, geb. 14. December 1788, ordiniert 1812, Helfer in Trubschachen 1814-1820, Pfarrer zu Walperswyl 1820-1833,Oberwyl 1833-1855, starb den 26,August 1856.

Burgergeschlechter von Oberwyl:

Bandi, Häni,Hugi, Jsch, Kundrel, Lehmann, Otti, Ramser, Schwab, Suri, Staufer (Rämy 197)

Von einem Geschlechte von Oberwyl war Berchta 1353 Klosterfrau in Fraubrunnen (Amiet,Regesten von Fraubrunnen, Seite 182)

Kirche  und Pfarrhaus sind abgebildet in Weibels Sammlung: die Pfarrhäuser des Kantons Bern 1823

Etymologisch

Zum BW. S. Oberwil. Das GW -will geht zurück auf das ahd. Subst. Wilari  stm/n <kleines Dorf,Weiler, einzelnes Gehöft> >mhd. Wiler stm./n., in der Folgezeit in SNN reduziert zu -will (Id.XV, 1258-1262; Starck/Wells, ahd. Glossenwb., 728; Lexer III, 888;Pitz,Siedlungsnamen 557 ff.; Glatthard, Aare/Saane, 315 ff.)das ahd. Wilari/wilar ist ein frühes Lehnwort aus rom. Villare n. <Gehöft,Vorwerk>, zum lat. Adj. Villaris < zur villa gehörig>. Vgl. dazu das Suffixglossar und Wil.

ch nb oberwil bei buren collection gugelmann gs guge weibel d 102a 1ea249 640

ch nb oberwil bei buren collection gugelmann gs guge weibel d 102b 2403a9 640