Nugerol

Nogerolis, Nugerolis, Nurols, Nuroz, Nuruz, Nurux, Neurol, Niren. Nuerux, Nigrol, Neyrol, Nurol, Nerol, Niru, Neuro, Nugrols et.

Untergegangene Ortschaft zwischen Neuenstadt und Landeron. Sesoll auf Neros Befehl im Jahre 60 vom Proprätor Gajus Julius Minder, erbaut und nach dem Kaiser Neronia genannt worden sein; ihr Hafen sei bei dem heutigen Landeron gewesen. Gewiss ist, dass hier Römer sich niedergelassen haben. Eher stammt der Name von Nigra Vallis, da dunkle Tannenwälder sich früher in den Thälern der Berge nördlich des Sees ausbreiteten.

Gewisse Kunde kommt erst nun die Wende des 1.Jahrtausends, wo alle Klöster hier begehrten Reben zu besitzen. Der Bezirk gehörte zur pipinischen, dann Bargen genannten Grafschaft, die unter den Grafen von Neuenburg sich auflöste. Nugerol fiel bei der Theilung an den Zweig Welsch- Neuenburg. Dieser musste für seinen Besitz allhier 1311 den Herren von Chalon huldigen (Matile I, 312,763) Der Ort zerfiel immer mehr. Noch wurde 1311 in Nugerol eine Urkunde ausgestellt. Nugerol gab dem See und seinem ganzen nördlichen Gelände, dem „Thale“, den Namen.

Lothar II. bestätigte 866 dem Kloster Münster in Granfelden Vergabungen des Grafen Hugo, Sohnes seines Onkels Luitfried, darunter den Ort Nogerolis in der pipinischen Grafschaft mit der ihr gehörigen Capelle Ullvinc (Jllfingen, Orvin). Die Bestätigung erfolgte noch 885 durch Kaiser Karl den Dicken und 965 durch König Konrad von Burgund. Nach der letzteren gehörten zu Nugerol in der Grafschaft Bargen die Kapelle des heiligen Urficinus und die Kapelle des heiligen Petrus und der Ort Ulvingen. Um 1161 traf Münster mit Bellelay ein Abkommen über die Güter in Nugerol, die an Bellelay übergiengen. Jm 10.Jahrhundert besass das Kloster St.Mauritius in Agaunum bei Martinach Güter im Thale von Nugerol und auch die wahrscheinlich nach ihm benannte Kapelle des heiligen Mauritius; zwischen 993 und 995 fanden darüber Verhandlungen statt. Einsiedeln erhielt im Anfang des 11.Jahrhunderts von einem Adalbero de (?) hier einen Rebberg geschenkt. 1019 gab König Rudolf von Burgund seinem Getreuen Amiso 2 Huben gegen andern Besitz auch in Nugerol. 1139 wollte Trub hier Besitz gehabt haben. 1142 bestätigte Papst Jnnocenz II. dem Kloster Bellelay seinen Besitz, darunter die Kirche des heiligen Urficinus und ebenso Eugen III.148, Lucius III. 1181, Honrius III. 1225. Sonst erwarb Bellelay hier noch Reben 1255 und 1284. Der Weinzehnten in der Pfarre der weissen Kirche gehörte ihm 1309. 1148 bestätigte Papst Alexander III. der Kirche von St.Immer ihren Besitz, darunter ein Allod zu Nugerol. 1180 erhielt der Johanniterorden von Kuno von Buchse dessen Güter und darunter einen Rebberg in Nugerol; durch Kauf von Rudolf von Rümligen und Vergabung des Rudolf, Vogts zu Strätligen, kamen andere Rebberge dazu. SSt.Urban erhielt hier Rebbesitz von Eberhard von Grünenberg. Fraubrunnen kaufte 1265 um 19 Pfund von Ritter Johann von Wyler 2 Rebstücke bei Twann im Thale Nugerol. Frauencappelen erhielt hier 1271 von Eberhard, Heinrich und Jakob von Biel, deren Schwester da den Schleier genommen, ein Rebstück bei Nugerol. Jhr Vater Berchtold hatte den Zehntenvon Nugerol vom Grafen Rudolf von Neuenburg als Lehen erhalten. Dazu besass das Kloster die sogenannte Pfaffnachrebe bei der Weissen Kirche in Ghernesten (Gernetel), die Manegold von Thurm zui Lehen trug. Andreasbrunnen besass 1280 auch ein Lehen im Thale von Nugerol um 14 Silbermark an Fraubrunnen.

Frienisberg erhielt 1146 von Egloff von Opelingen, dem Stammvater der Ringgenberg und Raron, sein Allod Campus Regius in Nugerol (Champreyé bei Landeron) geschenkt. Graf Rudolf von Thierstein vergabte ihm 1208 seine Güter daselbst. Berchtold von Neuenburg schenbkte 1223 dem Kloster alle seine Güter ad fontanes beuî Nugerol (nach Matile 1.40 schon um 1200), 1225 noch die Mühle Vili im Gebiete von Nugerol; vom Ritter G. von Jns kam das Gut Montez ebenda.

1233 wurde dem Kloster sein Besitz von Gregor IX. bestätigt. Jakob von Spins und seine Familie verzichteten 1282 zu Gunsten von Frienisberg auf ihr Lehen Nochten im Thale Nugerol. Ellina, Wittwe Menards und ihre Söhne traten 1283 an das Kloster das Erblehen der Kirche hinter Vile. Burkhard, Bruno, Johann und Berchtold Reich von Solothurn traten 1264 die ihnen verpfändeten Reben im Thale Nugerol an Frienisberg ab.

Jn Nugerol standen zwei Kirchen, die „weisse“ (la Blanche- Eglise) und die Mauritiuskirche. Die Collatur der ersteren gehörte Bellelay, jene der zweien St.Johannsen.

 1453 ersah ein Mönch von Bellelay, Bruder Johannes Gisez, in der weissen Kirche den Gottesdienst. Aus dem Visitationsberichte dieses Jahres vernehmen wir, dass der Zustand der Kirche ein trauriger war; 1530 wurde in der weissen Kirche zum letzten Male Messe gelesen. Sie diente den Reformierten bis zum 9.Februar 1721. Später benutzte man sie zu Todtenfeiern. Am 8.Mai 1837 wurde sie der deutschen reformierten Gemeinde übergeben. (Rahn, stat. schweizerische Kunstdenkmäler im Anzeiger f. schw. Alterthum 1882. 245)

Jn der Mauritiuskirche wurde bis 1822 Gottesdienst gehalten. Damals schlug der Blitz in sie und beschädigte sie zu sehr, als dass man sie weiter hätte benützen dürfen. 1823 brach man sie ab und bediente sich ihres Materials zum Bau der neuen Kirche von Landeron.

Es gab ein Geschlecht , das den Namen des Ortes trug. Bereits 1180 erscheint ein Heinrich de Nuruos. An Berchtold von Neuenburg fielen 1214 in der Theilung der Ministerialien die Töchter des Willein von Nuruns mit ihren Knaben ( FRB I. 467, 515)

Etymologische Sichtweise nach Gatschet 1867

Nugerol, Nuglar, Nüchteren. Der Name des einst bedeutenden Ortes Nugerol, der am Abhange des Jura, zwischen  den beiden Seen von Neuenburg und Biel lag, jetzt aber spurlos verschwunden ist, varrirt in seinen urkundlichen Schreibungen auf hundertfache Weise, besonders auch nach der Nationalität der Urkundenschreiber.Unter Schreibungen wie Nuerol, Neurol, Nyruil, Neureux,Nyrils, Nügerols, Nogerolis, Nugerolis u.a.m. sind die zwei letztern die ältesten und vollständigsten. Sie deutete auf die Herkunft vom lateinischen Adjektiv nucarolis, nucerolis, das heisst regio, Gegend wo Nussbäume wachsen (nucarius, nucerius, Duc., der Nussbaum); dieselebe Bezeichnung führt die westlich vom Waadtländer Jura gelegene frz. Stadt Nozeroy (Départ. Du Doubs). Nüchteren ist ein in den deutschen Kantonen häufig wiederkehrender germanisirter Ausdruck, der aus dem lateinisch nucaria, Ort mit Nussbäumen, entstanden ist. Im Kt.Solothurn tritt ein vereizelter Ort Nuglar auf, der wegen seiner urkundlichen Schreibung Nugerol (1292 bei Trouillat II, 529) mit obigem Nugerol der Bedeutung halber zusammengestellt werden muss. – Eben dahin gehört das waadtländische Dörfchen Noréaz, bei Yverdon, dessen urkundliche Erwähnungen die Schreibungen Nueraia 11218 Ch.L.,Noerei 1245, Noeruls und Nuruls (Chart. V. Monthéron) aufweisen. Der Nussbaum heisst noch jetzt im Patois : Nohy, Nohier, Nohira.